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Wassenberg
Modenschau mit Tradition

Wassenberg: Modenschau mit Tradition
Ingrid Lüdke (2.v.r.) mit ihren Models, die sie zum Teil schon seit Jahrzehnten kennt. "Für mich ist der Verkauf keine Arbeit, sondern ein Hobby, das einen kleinen Nebenerwerb zur Rente abwirft", sagt die 81-Jährige. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Seit Anfang der 1980er Jahre bietet Ingrid Lüdke Damenmode in Wassenberg an. Veranstaltete sie damals Modenschauen in der Burg, führt sie bis heute die Präsentationen im kleineren Stil in ihrem Geschäft fort. Von Nicole Peters

Im "Modehaus Lüdke" sind Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn Fremdwörter. Ganz im Gegenteil: Die fünf Frauen, die die neuen Kollektionen teils seit sehr vielen Jahren im gemütlichen Kreis in den Geschäftsräumen präsentieren, gehören verschiedenen Altersklassen an und besitzen Modelmaße von schmal bis kräftig. Inhaberin Ingrid Lüdke kennt sie zum Teil seit Jahrzehnten. Ebenso lange wie viele Kundinnen, die herkommen, um sich beraten und einkleiden zu lassen sowie um die monatlichen Modenschauen zu besuchen.

Mit einer Kaffeerunde, die mit Bauernschmaus und passender blau-weißer Dekoration im an den Verkaufsraum angrenzenden Zimmer unter dem Thema "Oktober" steht, starten Lüdke, ihr Team und eine gut gelaunte Damenrunde mit einem männlichen Besucher in die Mode-Veranstaltung. Die 81 Jahre alte Inhaberin nimmt sich währenddessen Zeit, um auf ihren Werdegang zurückzublicken. "Mit 20 Jahren habe ich als gelernte Versicherungskauffrau damit angefangen, Laufmaschen an Strumpfhosen aufzuheben", erinnert sie sich. Zudem betrieb sie im Elternhaus ihres inzwischen verstorbenen Mannes einen kleinen Verkaufsladen. "Zunächst habe ich Strümpfe dazu genommen, dann Pullis, Blusen, Röcke, Jacken und Hosen. Die Auswahl, die wir heute auch haben."

Auf die Geschäftsgründung im Jahr 1955 in Rheydt folgten Verkaufsläden in Mönchengladbach, Mülfort und später im Kreis Heinsberg. In Birgelen führte Lüdke ein Modehaus auf 600 Quadratmetern - bis die Umgehungsstraße gebaut wurde und es sich nicht mehr lohnte. "In Wassenberg haben wir im Kreis begonnen, das Geschäft haben wir immer beibehalten", erzählt sie und erinnert sich mit Blick auf ein Foto aus damaliger Zeit an Modenschauen im Frühjahr und Herbst im Großen Saal der Burg Wassenberg. Es habe bei den jeweils zwei Vorstellungen immer "volles Haus" gegeben. Seit dem Jahr 1985 führt sie die Schauen im kleineren Rahmen in ihrem Geschäft fort. "Für mich ist der Verkauf keine Arbeit, sondern ein Hobby, das einen kleinen Nebenerwerb zur Rente abwirft", bekräftigt die agile, freundliche Frau, "ich möchte weitermachen, so lange ich kann."

Model Anneliese Knop steht mit 81 Jahren ebenfalls aktiv mitten im Leben. "Ich habe zunächst hier verkauft, und es gefällt mir immer noch sehr gut", berichtet sie lächelnd, "bei den Modenschauen kommen die Leute zusammen, wir haben Spaß und zu Anlässen wie Karneval oder Frau Lüdkes Geburtstag halte ich schon mal Vorträge."

Das Modehaus hat einen festen Kundenkreis von rund 160 Menschen, die aus der Stadt oder dem Umkreis kommen. Neue Kundinnen sind immer willkommen. Pünktlich ab 16 Uhr setzt Ingrid Lüdke dann zur Moderation von fünf Durchgängen der Models an. Diese gehen zwischen den Tischen auf und ab, drehen sich und zeigen modische Details. Gemeinschaftliches Begutachten, einzelne Reservierungen und begeisterte Ausrufe sind von den Besuchern zu hören. In der Pause nutzen sie die Gelegenheit, die bevorzugten Stücke im Geschäft aus der Nähe anzusehen oder Änderungen bei der Näherin in Auftrag zu geben, bevor es mit dem zweiten Durchgang weitergeht.

Quelle: RP
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