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Wassenberg
Neue Debatte um Myhls Feuerwehrhaus

Wassenberg: Neue Debatte um Myhls Feuerwehrhaus
Das heutige Feuerwehrgerätehaus an der Kreuzung Erkelenzer-/St. Johannes-Straße im Myhl entspricht nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Ein Neubau soll auf dem Parkplatzbereich (unten) an der Schulstaße entstehen. FOTO: aha
Wassenberg. Knapp 400 Unterschriften gegen den Standort Schulstraße für den Neubau des Myhler Feuerwehrgerätehauses sorgen im Hauptausschuss für Unbehagen bei etlichen Politikern. Kämmerer Darius bekräftigt: Standort ist "alternativlos". Von Angelika Hahn

Einen Tag vor der Vergabe des Bauauftrags für das neue Feuerwehrgerätehaus in Myhl im Bauausschuss kam es noch einmal zu einer langen Diskussion über den Standort des Neubaus auf dem Parkplatz unterhalb des Grundschulgeländes an der Schulstraße.

Hintergrund der Debatte im Haupt- und Finanzausschuss war eine Beschwerde (verbunden mit einer Anregung) des Myhler Bürgers Franz Phlippen, der in der Sitzung anwesend war. Phlippen hielt den vorgesehenen Standort unterhalb der Schule für ungünstig und unsicher im Hinblick auf den Schulbetrieb und plädierte für eine Verlegung des Neubaus an die Peripherie des Ortes in Richtung Gerderath nahe am derzeit in Bau befindlichen Knotenpunkt der L19 mit der künftigen B 221n-Umgehung. Für seinen Vorschlag hatte der Bürger knapp 400 Unterschriften gesammelt. Auch die Schule hatte im Gespräch mit unserer Redaktion massive Bedenken gegen den Standort Schulstraße geäußert. Die Bürgerreaktion hat etliche Ratsmitglieder offenbar massiv verunsichert.

Kämmerer Willibert Darius konnte dies nicht nachvollziehen. Er verwies auf den einstimmigen Beschluss des Rates zum Brandschutzbedarfsplans, der (ohne Adressennennung) den neuen Standort "rund 250 Meter Luftlinie nach Westen" vom bestehenden Feuerwehrhaus ausweist, wie auch den Beschluss des Bauausschusses, der im September 2016 den Neubau an der Schulstraße festgelegt hatte.

FOTO: Angelika Hahn

Hier setzten Hermann Thissens (SPD) Bedenken an. Er stellte die Frage, ob der Ausschuss, der das Thema im Eiltempo noch vor dem Beschluss des Brandschutzbedarfsplans durchgezogen hatte, sich hätte intensiver mit Alternativstandorten beschäftigen und den Abwägungsprozess den Bürgern hätte besser vermitteln müssen. Die Zeit drängte, so machte später Darius deutlich, weil die Feuerwehrunfallkasse den veralteten Zustand des Myhler Gerätehauses nicht länger hinnehmen wollte. Nur der Neubaubeschluss sichert derzeit den Weiterbetrieb des bestehenden Gerätehauses. Thissen sah im Brandschutzbedarfsplan keine klare Vorgabe für den Standort Schulstraße. Er plädierte dafür, sich Zeit zu nehmen, um die Argumente für den Standort noch einmal zu erörtern. Während Darius betonte, dass man sich bei Aufstellung des Brandschutzbedarfsplans - der bewusst an einen "neutralen" externen Gutachter vergeben worden sei - sehr wohl über Alternativen Gedanken gemacht habe, der Bau an der Schulstraße sich aber als "alternativlos" herausgestellt habe, fand Frank Gansweidt (SPD), dass diese Diskussion auf Politikebene nicht geführt worden sei. Die Argumente, mit denen der Kämmerer jetzt die Beschwerde beantworte, hätten damals diskutiert werden müssen, sagte Gansweidt: "Ich fühle mich im Nachhinein im Stich gelassen."

Willibert Darius hatte zuvor in einem umfangreichen Vortrag mit vielen Kostenangaben die Argumente der Beschwerde für den Alternativstandort L 19 zurückgewiesen, die viele falsche Behauptungen enthalte. Tenor: Feuerwehrhäuser an Schulen gebe es massenhaft - ohne Probleme. Die Erreichbarkeit der Schulstraße sei für die Wehrleute optimal. Die Alternative wäre verbunden mit neuen Planverfahren und komplizierten Abstimmungen mit der Landesstraßenbaubehörde zur Verkehrsanbindung. Das Land sei auch nicht, wie vom Beschwerdeführer behauptet, Eigentümer des anvisierten Grundstücks. Das Verfahren würde rund zwei Jahre dauern. Die Mehrkosten für den Alternativstandort einschließlich umfangreicher Erschließungskosten bezifferte Darius auf rund 300.000 Euro - 550.000 Euro beträgt der aktuelle Ansatz für den Neubau. Die meisten Redner erkannten diese Zwickmühle, wenngleich das Unbehagen spürbar blieb. Robert Seidl (Grüne), Wolfgang Feix (Linke) und Sylke Konarski (SPD) plädierten denn auch dafür, auf besorgte Bürgern zuzugehen.

Myhls Ortsvorsteher Rainer Peters (CDU) kündigte an, trotz überzeugender Argumente des Kämmerers "aus Respekt vor den Myhler Bürgern" gegen die Zurückweisung der Beschwerde zu stimmen. Ihm gleich taten es acht Mitglieder von SPD und Grünen bei zwei Enthaltungen. Mit einer Mehrheit wurde die Beschwerde abgewiesen.

Quelle: RP
 
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