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Wassenberg
Neue Glocke für Myhls Kirche gegossen

Wassenberg: Neue Glocke für Myhls Kirche gegossen
Zum Guss der Glocke wird die Bronze auf 1080 Grad Celsius erhitzt. Die flüssige Schmelze fließt in die Glockenform, die, um dem Druck standzuhalten, im Boden eingelassen ist. FOTO: E. Sirges
Wassenberg. Die Kirchengemeinde Myhl muss ihre Leihglocke aus Polen zurückgeben - und bekommt dafür Ersatz. Gemeinderatsmitglied Norbert Sendke beschreibt die Geschichte die Glocke und den Guss der neuen Donatusglocke. Von Norbert Sendke

Laach Als vor einigen Wochen über den Pfarrbrief der Guss einer neuen Myhler Kirchenglocke offiziell bekanntgemacht wurde, weckte dies großes Interesse in der Bevölkerung. So machten sich nun über 50 Interessierte per Bus unter Leitung von Propst Thomas Wieners wissbegierig auf den Weg, um das nicht alltägliche Geschehen in der Glockengießerei der Benediktinerabtei Maria Laach unmittelbar vor Ort zu erleben.

Woraus hatte sich nun die Notwendigkeit für die neue Glocke ergeben? Nach den Kriegswirren erhielt die Myhler Kirche St. Johann Baptist im März 1953 eine Leihglocke, die ihren Ursprung in Schildau, heute Wojanow/Polen, hat. Die aus dem Jahre 1638 stammende Glocke muss nun nach über 62 Jahren an die polnische Kirchengemeinde zurückgegeben werden. Im Herbst 2012 hatte die polnische Kirchengemeinde nämlich einen Rückführungsantrag gestellt, der zwischenzeitlich vom Bundesinnenministerium genehmigt wurde.

Unter Leitung des Glockensachverständigen für das Bistum Aachen, Norbert Jachtmann, wurden Begutachtung und Ausschreibungen vorgenommen. Schließlich beauftragte die Wassenberger Pfarrei St. Marien die Glockengießerei in Maria Laach, eine neue Glocke zu gießen.

Die traditionellen Zutaten für eine Glockenform sind seit Jahrhunderten dieselben: Naturlehm, Stroh und Pferdemist. Mit einer Holzschablone, dem sogenannten Rippenbrett, wird dieser Formlehm millimetergenau auf einen aus Ziegeln gemauerten Kern aufgetragen. Die Rippe ist der geometrische Aufriss des Glockenprofils. Dieses Profil entscheidet über die Tonhöhe und Klangfarbe der späteren Glocke. Zum Guss der Glocke wird die Bronze, eine Legierung aus 78 Teilen Kupfer und 22 Teilen Zinn, auf 1080 Grad Celsius erhitzt. Diese flüssige Schmelze wird in die Glockenform eingegossen. Damit die Form dem Druck des Metalls standhält, wird sie mit Erde in einer Grube eingestampft. In den Minuten des Gusses entscheidet sich die Qualität einer mehrere Wochen dauernden Vorbereitungszeit. Nach dem Guss benötigt die neue Glocke eine einige Tage bis mehrere Wochen Abkühlzeit, bevor die Form ausgegraben werden kann.

Für den Glockengießer ist das Ausgraben der Glockenform, die sogenannte Geburt der Glocke, mindestens genau so spannend wie der Guss, zeigt sich doch erst jetzt, ob die Glocke gelungen ist. Nach dem Zerschlagen der gesamten Gussform wird die Glocke zum ersten Mal mit dem Klöppel angeschlagen. Wenn der Glockenton volltönend und mit der richtigen Frequenz erklingt, darf der Guss als gelungen bezeichnet werden. Hierauf hoffen natürlich nun alle Beteiligten.

Die "Geburt der Glocke" wurde bereits vollzogen, und die Schriftzüge, Ornamente und Verzierungen mit dem Heiligen Donatus sowie dem Myhler Wappen sind sehr gut gelungen. Die neue Glocke, eine fis-Glocke mit einem Gewicht von 720 Kilogramm, wird dem zweiten Myhler Pfarrpatron, dem Heiligen Donatus geweiht. Die Donatusglocke komplettiert dann den Glockendreiklang mit der Johannes- und der Marienglocke.

Quelle: RP
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