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Wassenberg
Neue Perspektive für den Obstsortengarten

Wassenberg: Neue Perspektive für den Obstsortengarten
Katharina Tumbrinck setzt sich als Vorsitzende des Fördervereins heute ehrenamtlich für den Erhalt des Obstsortengartens ein. FOTO: Jürgen Laaser
Wassenberg. Der "Rheinische Obstsortengarten" ist derzeit geschlossen, der Pachtvertrag der Stadt Wassenberg mit der Naturschutzstation Haus Wildenrath aufgelöst. Ein Förderverein will das Projekt weiterführen. Von Angelika Hahn

Die Vielfalt regionaler Obstsorten erhalten, wiederbeleben und pflegen - diese Aufgabe sollte der Rheinische Obstsortengarten erfüllen, der 2012 auf Wassenberger Gebiet an der Stadtgrenze zu Wegberg eröffnet wurde. Gefördert vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Euregio sollte der Garten ein Anziehungspunkt für Naturfreunde und Touristen werden. Doch seit rund zwei Jahren ist es ruhig geworden um das erhoffte Vorzeigeprojekt, seit einiger Zeit ist das Terrain für Besucher geschlossen, kein Hinweisbanner kennzeichnet mehr den besonderen Garten.

Ende Februar wurde der Pachtvertrag zwischen der Stadt Wassenberg und der Naturschutzstation Haus Wildenrath aufgelöst - "in gegenseitigem Einvernehmen", so die offizielle Leseart, die Wassenbergs Stadtkämmerer Willibert Darius auf RP-Anfrage formuliert. Dem war Ende 2014 ein einstimmiger Beschluss des Wassenbeger Stadtrates vorausgegangen, den auf 30 Jahre angelegten Pachtvertrag zu kündigen.

2009 hatte die Stadt Wassenberg das rund vier Hektar große frühere Pfirsichplantagengelände der im nahen Haus Wildenrath beheimateten Nabu-Naturschutzstation zur Pflanzung und Entwicklung des Sortengartens überlassen - zum symbolischen Preis. Inzwischen haben sich Trägerstruktur und Konzeptvorstellungen von Haus Wildenrath geändert, das nach Ausscheiden des Nabu-Landesverbandes nicht mehr den Namen Nabu im Titel führt. Der LVR stellte Ende 2014 die Förderung des Obstsortengartens ein.

Niemand möchte heute mehr nachkarten, aber die Unzufriedenheit der Stadt Wassenberg mit der Entwicklung des Obstsortengartens hatte Bürgermeister Manfred Winkens seinerzeit bestätigt. Im Gespräch mit unserer Redaktion aber blickte er jetzt nach vorn: "Der Obstsortengarten ist ein Projekt, das wir unbedingt erhalten und mit neuen Partnern weiterentwickeln wollen." Die Stadt sei im Gespräch mit der Nabu-Stiftung Naturerbe NRW.

Die saß ursprünglich ohnehin mit im Boot und hat nach wie vor für 14 Bäume des Geländes eine Patenschaft vermittelt, wie Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes bestätigt. Tumbrinck lebte mit seiner Familie bis 2011 in Haus Wildenrath, Ehefrau Katharina half damals als Angestellte der Nabu-Naturschutzstation, den Obstsortengarten mit zu entwickeln. Die Tumbrincks hielt es auch nach dem Auszug aus Haus Wildenrath in Sichtweite des Obstsortengartens, auf dessen Terrain sie weiter ehrenamtlich aktiv sind. "Unser Herzblut hängt an dem Projekt, wir sind ja auch privat Paten zweier Bäume dort", sagt Tumbrinck. "Von daher bedrückt uns sehr der teilweise erbärmliche Zustand des Gartens heute." Ein Drittel des Bestandes sei aufgrund mangelhafter Pflege kaputtgegangen oder nicht mehr zu retten, immerhin seien 85 der 142 Bäume aber noch in gutem Zustand. Nicht der angeblich schlechte Boden sei Schuld am Zustand des Gartens, sondern unsachgemäße Pflege.

Die Tumbrincks sowie etliche Mitstreiter und die Stadt Wassenberg wollen die Zukunft des Obstsortengartens deshalb in dem neu gegründeten "Förderverein Obstsortengarten" unterstützen. Katharina Tumbrinck ist Vorsitzende und hofft auf weitere Vereinsmitglieder und/oder ehrenamtliche Helfer. Einen ersten Erfolg kann der neue Förderverein bereits verbuchen. Anke Valentin, Vorsitzende der Nabu-Stiftung Naturerbe NRW, bestätigte der RP gestern, dass die Stiftung 1500 Euro für eine neue Bewässerungsanlage zur Verfügung stellt (die bestehende Anlage wurde mit Auflösung des alten Pachtvertrages beseitigt). Gute Aussichten hat laut Josef Tumbrinck auch eine jährliche Förderung des Obstsortengartens aus Naturschutzmitteln vom Land und vom Kreis Heinsberg. Der Antrag sei unterwegs. Tumbrinck: "Mit 4000 Euro jährlich könnte man immerhin den vorhandenen Bestand mit ehrenamtlichem Engagement angemessen pflegen und erhalten."

Der Verein plant, den Obstsortengarten nach den wichtigsten Pflege- und Instandsetzungsarbeiten, an denen sich auch die Stadt beteiligen wird, ab Mai wieder für die Bevölkerung zu öffnen.

Quelle: RP
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