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Wassenberg
Sammler stiftet Bild zum Schuljubiläum

Wassenberg. Ein besonderes Geschenk macht der Wassenberger Kunstsammler Hermann-Josef Geiser der Betty-Reis-Gesamtschule zum 25-jährigen Bestehen: eine Grafik von Josef Hampl, die an das Schicksal des jüdischen Volkes erinnert. Von V0n Angelika Hahn

Er hat zwar Kunstgeschichte studiert, Kunst aber nie zu seinem Beruf gemacht. Stattdessen wurde der langjährige Studiendirektor am Heinsberger Kreis-Gymnasium, Hermann-Josef Geiser, zum leidenschaftlichen Kunstfreund und Sammler - dem es vor allem die tschechische Grafik angetan hat. "Sie ist diffizil und hat mehr Hintergrund als vieles andere", betont der 78-jährige Wassenberger, Bruder des langjährigen Wassenberger Heimatvereinsvorsitzenden Karl-Heinz Geiser und selbst Mitgründer und Ehrenvorsitzender des Kunstvereins Region Heinsberg.

Neben der künstlerischen Qualität ist es denn auch eben dieser geistige Hintergrund, der Geiser jetzt motivierte, zum 25-jährigen Bestehen der Betty-Reis-Gesamtschule eine Monofrottage des bekannten tschechischen Künstlers Josef Hampl (geb. 1932) der Schule zu schenken. Spielt die Grafik - ein Unikat - doch mit ihren durchgeriebenen ("frottierten") hebräischen Schriftzeichen, die von Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Prag abgenommen sind, und ihren flammend roten Symbolen auf das Schicksal der Juden und den zweiten Weltkrieg an.

Das Bild passt also genau zum Auftrag, den sich die Betty-Reis-Gesamtschule durch ihre Namensgebung (sie erinnert an die im KZ Bergen-Belsen ermordete junge Wassenbergerin Betty Reis) selbst gesetzt hat: "die Erinnerung wachzuhalten und sich für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen". So haben es vier Schülerinnen des 10. Jahrgangs und des künftigen Profils Deutsch/Kunst (Selina Bauer, Laura Frohn, Lena Küppers, Lotte Przybilla) bei der Beschäftigung mit dem Bild kurz vor den Ferien ausgedrückt und zu Papier gebracht.

"Die Vier gehören zu 28 Schülerinnen und Schülern, die sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Grafik beschäftigt haben", erläuterten Schulleiterin Dr. Karin Hilgers und Didaktischer Leiter Dr. Ludger Herrmann jetzt beim Gespräch gemeinsam mit dem Sammler in der Schule. Die Jugendlichen fühlten sich beim Betrachten der Grafik an "Tod, Trauer, Verlust und Leiden" erinnert. Sie schreiben: "Die schwarzen Elemente sehen aus wie Mauerreste einer Stadt, die zerstört wurde. Die roten Elemente züngeln wie Flammen entlang den Mauerresten. Teilweise sehen sie auch aus wie Einschusslöcher oder Explosionen von Bomben oder als ob Steine bluten würden." Das Besondere an der Grafik sei, dass die Mauerreste aus hebräischen Buchstaben zusammengesetzt sind, den Schriftzeichen aus Prager Grabinschriften.

Dass die Grafik ihren Platz in der Nähe des in die Wand des Schulfoyers eingelassenen Gedenksteins an Betty Reis bekommen wird, ist nach all dem wohl selbstverständlich.

Die Lehrerinnen Maria Sieberg und Rafina Kreibich haben mit Kunstkennerschaft und pädagogischer Einfühlung aus dem Grafik-Zyklus in Geisers Sammlung die vorliegende Hampl-Monotypie aus dem Jahre 1964 ausgewählt und die Jugendlichen eingebunden.

"Für meine Frau Sieglinde und mich setzt die Grafik ein bildnerisches Zeichen, ein Signal für das Andenken an Betty Reis", sagt Hermann-Josef Geiser. Was ihn an Hampl fasziniere, sei dessen kulturelles und gesellschaftliches Engagement, das sich in den Werken manifestiere. Kein Wunder, dass Hampl in öffentlichen Aktionen im Zuge des Prager Frühlings 1968 präsent war, der progressiven "Künstlergruppe 68" angehörte und nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts seine Professur an der Prager Kunstakademie verlor. Später besuchte Hampl auch Deutschland und war in Wassenberg zu Gast bei Geisers.

Im Herbst, das kündigten Schulleiterin Karin Hilgers und Geiser an, soll es in der Schule eine Ausstellung mit Arbeiten Hampls geben, die auch Leben und Engagement des Künstlers beleuchten wird.

Quelle: RP
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