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Wassenberg
Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Wassenberg: Schüler fühlen Politikern auf den Zahn
Im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule stellten sich Bundestagskandidaten und Vertreter der größeren Parteien aus dem Kreis Heinsberg den Fragen von Oberstufenschülern zu einigen Themen, die den aktuellen Wahlkampf bestimmen. FOTO: Laaser
Wassenberg. Bundestagskandidaten und Parteivertreter standen Jugendlichen der Betty-Reis-Gesamtschule Rede und Antwort. Von Kathrin Boemhe

Politikern, die normalerweise im Bundestag sitzen, Fragen stellen und mit ihnen diskutieren - diese Möglichkeit bot sich den Oberstufenschülern der Betty-Reis- Gesamtschule kurz vor der Wahl. "Ich hoffe, dass die Distanz zu Berlin durch diese Veranstaltung ein Stück weit verschwindet", sagte Dr. Ludger Herrmann, stellvertretender Schulleiter und didaktischer Leiter.

Die Schülervertretung hatte die Politiker der wesentlichen Parteien eingeladen, damit das Interesse der Schüler gestärkt wird und sie sich als Erstwähler orientieren können. In Wassenberg vertreten waren Wilfried Oellers (CDU), Norbert Spinrath (SPD), Manfred Mingers (Die Linke), Christoph Stolzenberger (Grüne), Katharina Kolke (FDP), Kai Boxberg (Piraten) und Jürgen Spenrath (AfD).

Schon beim ersten Thema, der neu eingeführten Ehe für alle, zeigten sich die unterschiedlichen Positionen der Politiker deutlich: Während Mingers von den Linken den Beschluss eher als ein taktisches Manöver der Regierung bewertete, waren Grünen- und SPD-Vertreter der Meinung, dass diese Entscheidung längst überfällig war. Oellers erläuterte, dass er im Bundestag mit einem Nein gestimmt habe: "Es war auch vorher schon so, dass Gleichgeschlechtliche heiraten konnten - nur hieß es dann eben Lebenspartnerschaft und nicht Ehe." Dem widersprachen Kolke von der FDP und Boxberg von den Piraten: Wenn es nur um die Begrifflichkeit gehe, sei die Gesetzesänderung doch egal, betonten sie. Auch AfD-Vertreter Jürgen Spenrath gab an, dass die Diskussion um eine Ehe für alle seiner Meinung nach zu lange gedauert habe. An dieser Stelle verwiesen einige der anderen Politiker auf das Wahlprogramm seiner Partei, in dem die Debatte anders bewertet werde.

Ähnlich lebhaft gestaltete sich die Diskussion um die Frage, ob Förderschulen benötigt werden. Auf eine Anmerkung eines Schülers, die sich im Vorfeld auf das Treffen mit den Parteivertretern im Unterricht vorbereitet hatten, sprachen sich die Politiker zum Thema Inklusion aus. "Eine Einheitsschule ist einfach sehr schwer umsetzbar, Inklusion muss mehr in der Gesellschaft selbst stattfinden", erklärte CDU-Vertreter Oellers, dem sich Kolke anschloss. Spenrath von der AfD setzte auf einen Erhalt der Förderschulen. Norbert Spinrath führte aus, es solle Förder- und Einheitsschulen geben: "Eltern sollen selbst entscheiden, auf welche Schule ihre Kinder gehen werden."

Nach den Themen soziale Gerechtigkeit und Steuern diskutierten die Politiker weiter über die Flüchtlingsproblematik - einig waren sich die Vertreter darin, dass die Fluchtursachen bekämpft werden müssen, was Boxberg von den Piraten besonders betonte. Grünen-Politiker Stolzenberger zeigte sich optimistisch im Hinblick auf die Integration: "Wir haben schon in der Vergangenheit so viel geschafft, wir werden auch die weiteren Aufgaben bewältigen."

Schließlich mussten die Moderatoren, Schülersprecherin Nora Ongaro und Lehrerin Lina Julius, die angeregte Diskussion nach zwei Schulstunden fast unterbrechen. Die eingeladenen Politiker forderten die Schüler am Ende noch einmal auf, wählen zu gehen: "Es ist eure Zukunft, mischt euch ein - die Bundespolitik ist nicht so weit weg, wie man denkt."

Quelle: RP
 
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