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Klaus Eberl
Theologie braucht Herz und Verstand

Klaus Eberl: Theologie braucht Herz und Verstand
Die Vermittlung von Glaubensinhalten in leichter Sprache bleibt Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl weiter ein Herzensanliegen. Im Gespräch verriet er: "Gemeinsam mit meiner Frau plane ich einen Katechismus für Kinder." FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Der gerade verabschiedete Oberkirchenrat spricht über kirchliche Bildungsarbeit und Erfahrungen aus seinen Pfarrerjahren in Wassenberg.

Wassenberg Entspannt wirkt Klaus Eberl beim Besuch in der Redaktion. Anfang März ist er nach elf Jahren als Oberkirchenrat und Leiter der Abteilung für Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt in Düsseldorf in den Ruhestand verabschiedet worden. Auch Bildungsministerin Yvonne Gebauer dankte ihm. In der Region bekannt wurde Eberl als langjähriger überaus engagierter Pfarrer in Wassenberg und Superintendent des Kirchenkreises Jülich. Auch nach seinem Wechsel in die Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKIR) 2007 und als Vize-Präses der EKD-Synode blieb Eberl Wassenberg treu, wo der gebürtige Bottroper immer noch gerne lebt.

Wie fühlen sie sich nun, drei Wochen nach ihrer Verabschiedung - erleichtert, oder fehlt Ihnen schon die Arbeit?

Klaus Eberl Ich fühle mich gut, weil man mir einen sehr emotionalen Abschied bereitet hat mit einem Symposium über Bildungsgerechtigkeit und Inklusion, einem Herzensanliegen von mir. Ansonsten habe ich das Mehr an Privatheit genossen, habe ein paar Tage in Holland aktiv entspannt und begonnen, unser Ferienhäuschen dort behindertengerecht auszubauen, damit ich später auch mit meiner Parkinson-Erkrankung dort gut zurechtkomme. Und ich freue mich, nun mal ohne Zeitdruck gemeinsam mit meiner Frau frühstücken und in aller Ruhe die Zeitung lesen zu können.

Sie sprachen es eben an. Sie gehen offensiv mit Ihrer vor drei Jahren diagnostizierten Krankheit um, weshalb sie nun auch mit 62 Jahren, also etwas früher, in den Ruhestand gegangen sind.

Eberl Genau. Eine 70- bis 80-Stunden-Woche war zuletzt doch eine sehr hohe Belastung für mich. Aber ich bemühe mich, mit meinem Handicap "vergnügt, erlöst, befreit" umzugehen. Da habe ich schließlich bei meinem Einsatz für Menschen mit Behinderung einiges von diesen Menschen lernen können, wie man souverän mit Begrenzungen umgeht.

Wie man Klaus Eberl kennt, wird er sich also nicht aufs Altenteil zurückziehen.

Eberl (lacht) Das sehen sie richtig. Die Liste meiner Einsatzfelder bleibt lang, aber jetzt kann ich mich auf das konzentrieren, was mir wichtig ist und Spaß macht.

Und das wäre?

Eberl Natürlich bleibe ich Vorsitzender der Initiative Pskow, der ich mich jetzt noch intensiver widmen kann. Zudem bin ich weiter Mitglied in der Bildungskammer der EKD, der Stiftung Sozialer Protestantismus, habe Einladungen zu Vorträgen, engagiere mich in der religiösen Fortbildung von Erzieherinnen und arbeite gemeinsam mit meiner Frau, die ja den inklusiven Kindergarten Rosengarten in Myhl geleitet hat, an einem Katechismus für Kinder. Auch das "Geistliche Wort" in WDR 5 wird man weiter von mir hören. Und in Wassenberg bin ich ja zweiter Vorsitzender des Christlichen Kindergartenvereins, Träger der Kitas Apfelbaum und Rosengarten, den ich mit gegründet habe.

Als Oberkirchenrat war der Bildungsbereich Ihr Ressort. Ob in den evangelischen Kindergärten, Schulen, Studien- und Erwachsenenbildungseinrichtungen oder der Jugendarbeit: Die Teilhabe von Menschen mit Behinderung lag Ihnen besonders am Herzen. Wie kam es zu diesem Engagement?

Eberl Nun, ursprünglich wollte ich ja Mathematik und Physik studieren, dann habe ich Zivildienst an einer Schule für behinderte junge Menschen gemacht. Durch den Umgang mit diesen Jugendlichen bin ich aufgewacht, habe mir Gedanken über den Sinn des Lebens gemacht, wenn man viele Dinge nicht kann. Das Interesse an der Theologie entstand. Übrigens habe ich an dieser Schule auch meine Frau Irmgard kennengelernt, die mich in der Entscheidung, Pfarrer zu werden, unterstützt hat.

Die Beziehung zu Menschen mit geistigem Handicap hat Ihr theologisches Denken beeinflusst?

Eberl Enorm. Ich habe erkannt, wie wichtig leichte Sprache für die Vermittlung des Glaubens ist. Und das kommt nicht nur geistig behinderten Menschen zugute. Wichtig ist, abseits theologischer Formeln Bilder zu finden, die Glaubensfragen veranschaulichen. Ziel muss es sein, Theologie so zu vermitteln, dass deutlich wird, was der Grund unserer Hoffnung ist. Ich habe erkannt, dass es nur geht, wenn man Herz und Verstand der Menschen anspricht und Theologie in Alltagserfahrungen der Menschen übersetzt.

Haben Sie als Oberkirchenrat von Ihren Erfahrungen als Pfarrer im Gemeindealltag in Wassenberg und als Superintendent des Kirchenkreises Jülich profitieren können?

Eberl Auf jeden Fall. Auf inklusive Gemeindearbeit etwa im Konfirmandenunterricht und der Jugendarbeit haben wir in Wassenberg Wert gelegt, die beiden Kindergärten unseres Vereins sind inklusiv ausgerichtet, die Partnerschaft mit dem Heilpädagogischen Zentrum im russischen Pskow ist bis heute eine russlandweit beachtete Erfolgsgeschichte. Ich hatte mich ja auch für die Gründung der Betty-Reis-Gesamtschule eingesetzt. Und als Superintendent wurde mir natürlich auch der Umgang mit Zahlen abverlangt. Da war also vieles, das ich ins neue Amt einbringen konnte.

Wenn Sie auf Ihre zehn Jahre als Oberkirchenrat für Bildung zurückblicken, wie fällt Ihre Bilanz aus?

Eberl Ein Erfolg war unsere Qualitätsoffensive im Kindergartenbereich. Von den 830 Einrichtungen in ev. Trägerschaft im Bereich der Landeskirche sind heute etwa die Hälfte zertifiziert. Wir haben die zehn weiterführenden Schulen in ev. Trägerschaft individuell pädagogisch und religiös profiliert. Gute personelle Voraussetzungen für die Inklusion wurden geschaffen. Schulen in kirchlicher Trägerschaft haben gegenüber staatlichen Schulen den Vorteil, dass sie neue Modelle mit Pilotcharakter umsetzen können. Zwei Beispiele: Die Landeskirche trägt eine Schule für Zirkuskinder mit einem Konzept individuellen Lernens, bei dem Lehrer die Schüler mit zu Klassenräumen umgebauten Wohnmobilen begleiten. In unserer Johannes-Löh-Gesamtschule Burscheid wird christlich-islamischer Religionsunterricht im Dialog gestaltet. Und stolz bin ich darauf, dass es gelungen ist, die konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht durch einen Vertrag mit fünf katholischen NRW-Bistümern einzuführen. Leider wollte sich das Bistum Köln noch nicht beteiligen.

Und die größte Herausforderung Ihrer Amtszeit war ...

Eberl ... der Zwang, 10 Millionen Euro einzusparen, möglichst ohne eine unserer Schulen abzugeben. Und hier kamen mir wirklich meine Erfahrungen als Superintendent in Haushaltsfragen zugute. Wir haben es geschafft, unter anderem durch Schließung der Internate, die uns nicht mehr zeitgemäß erschienen, und konnten sogar noch zwei neue Gesamtschulen gründen. Eine Herausforderung für die Zukunft bleibt indessen die Weiterentwicklung der Jugendarbeit vor dem Hintergrund der Veränderungen im Schulalltag, der sich immer weiter in den Nachmittag verschoben hat. Hier sind ganz neue Konzepte gefragt.

ANGELIKA HAHN FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
 
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