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Ausstellung in Wassenberg
Neue "Ehen" der nutzlosen Materialien

Wassenberg. Unter dem Titel "Die Poesie des Weggeworfenen" eröffnete die Galerie Noack, Roermonder Straße 6, eine Ausstellung, die einen Teil der Werke des Münchener Künstlers Robert Rühle zeigt. Von Michael Moser

Rühle, der 2016 in München starb, lebte dort sehr zurückgezogen, und die Anzahl seiner Ausstellungen hielt sich dementsprechend in Grenzen. Jetzt hat Reiner Rühle, der Bruder des Künstlers, gemeinsam mit seiner Gattin Sigrid der Galerie Noack den Nachlass zur Verfügung gestellt, nicht zuletzt, um den Verstorbenen nachträglich zu ehren.

Worin bestand die spezielle Kunst von Robert Rühle? Wie der Titel der Vernissage verrät, beschäftigte sich der Münchener mit eigentlich wertlosen Dingen, dem Weggeworfenen: "Mein Bruder hat jahrelang bei Spaziergängen mit seinem Hund Dinge aufgesammelt, die er am Wegesrand gefunden hatte. Diese reinigte er, katalogisierte sie und begann, daraus Collagen, Skulpturen und Reliefs herzustellen", erzählte Reiner Rühe den Besuchern in der Galerie. Hierfür verwendete er Reste technischer Apparate, Schnüre, Auspuffrohre, Spiegelscherben, Zahnräder und andere eigentlich wertlose Gegenstände. Diese komponierte Rühle dann neu und erweckte sie "wie Dornröschen aus dem Schlaf in ein neues Leben", wie es Max Kreutzer bei der Eröffnung der Ausstellung formulierte. Kreutzer, ehemaliger Professor der FH Niederrhein in Mönchengladbach, hatte sich vor der Vernissage mit dem Thema "Die Unbedeutung von Abfall" befasst. Durch die Arbeiten Rühles entstünden neue "Ehen" der Materialien, die die Phantasie des Betrachters herausfordern. In eine ähnliche Richtung gingen die Anmerkungen von Heribert Zantis, dem ehemaligen Leiter des Kulturamtes der Stadt Aachen: "Robert Rühle gibt den Dingen eine zweite Chance und führt uns in eine Phantasiewelt".

Mit großem Interesse begutachteten die Besucher die rund 40 ausgestellten Werke, und es bedarf hier und da tatsächlich eines gewissen Vorstellungsvermögens, um die Bedeutung so einiger Collagen und Skulpturen zu erkennen. Wobei Galerie-Leiter Klaus Noack sagte: "Die eine bestimmte Bedeutung muss es ja garnicht immer geben. Rühle hat seine Werke bewusst nicht mit Titeln versehen, damit jeder sich eine eigene Meinung bilden kann, ohne voreingenommen zu sein".

Zu seiner bestimmten Art der Kunst kam der Münchener erst, nachdem er sich auf einigen anderen Feldern bewegt hatte. So schrieb er leidenschaftlich gern Gedichte, er malte und schrieb sogar einige Bühnenstücke. Einige Jahre war er auch für die Firma Constantin-Film tätig. Hier produzierte Rühle Kurzfilme, die man in früheren Jahren stets vor den Hauptfilmen im Kino zu sehen bekam. Doch so richtig wohl fühlte sich der Künstler mit seiner Schaffenskraft erst in seiner "Poesie des Weggeworfenen".

Quelle: RP
 
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