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Wegberg
Absurditäten des Alltäglichen geschmackvoll serviert

Wegberg. Schmunzelstoff: Stefan Verhasselt über die Eigenheiten der niederrheinischen Flachlandbewohner.

Mit wachem Auge und spitzer Feder hat sich Radiomoderator und Solokabarettist Stefan Verhasselt im niederrheinischen Alltag umgeschaut und sich einfach alles über das Leben aufgeschrieben. "Man könnte sagen, das ist unspektakulär", kommentierte er während seines neuen Programms "Wer kommt, der kommt" auf Einladung des Kulturrings in der Wegberger Mühle, um direkt anzufügen "es ist unspektakulär!"

Die Art, wie er die Eigenarten des Niederrheiners allerdings bis ins Detail beschreibt, wie er genüsslich Gewohnheiten verbal und gestisch unter die Lupe nimmt und dabei Gesetzmäßigkeiten aufdeckt, die den Zuschauern oftmals sehr bekannt vorkommen, bringt ungeahnt hohen Unterhaltungswert mit sich. Mit seinem inzwischen vierten Soloprogramm kam Verhasselt, der vor zehn Jahren mit Kabarett anfing, nach Wegberg. In Tradition von Niederrhein-Kabarett-Erfinder Hanns-Dieter Hüsch widmete er sich mit einem Augenzwinkern und - als gebürtiger Straelener - einer guten Portion Selbstironie der Lebensweise der Flachlandbewohner, bei denen der moderne technische Fortschritt auch Einzug gehalten hat. Dass einzelne Plätze trotz ausverkauftem Haus frei blieben, ließ Verhasselt tief auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Eine "ganze Reihe" sei schon einmal nicht gekommen, da einer von ihnen verstorben sei. Ebenso gäbe es immer diejenigen, die sich gerne ein Hintertürchen offen ließen, um die bestmögliche Entscheidung treffen zu können. Als "DMGS", "Da musse gewesen sein" oder "Hot Spots of Niederrheinisch" machte er die Veranstaltungen und Lokalitäten aus, für die sich der gut informierte Niederrheiner entscheiden müsse.

Weitere Beobachtungen, die die Besucher vielleicht teils wahrgenommen, aber nicht so umfänglich für sich eingeordnet hatten, präsentierte Verhasselt im Weiteren. So machte er die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile des Verbindens mehrerer Aktivitäten oder des "Ein Tun" aus. Den Verdauungsspaziergang an der frischen Luft mit dem Ausführen der lindgrünen neuen Jacke der Frau etwa. Bei der Frage nach dem Buch, das auf dem Nachtisch liegt, hätten sich schon viele in die moderne 4.0-Aussage "Ich lese nur noch Kindle" gerettet. Generell sei es bei Buchverweisen immer wichtig, für ein gesundes Halbwissen den Klappentext zu lesen, betonte der Kabarettist in Tradition Hüschs. Die "Niederrheinische Schöpp" - heruntergezogene Mundwinkel -, wegfedernde Rucola-Salatblätterstengel mit Balsamico-Dressing oder "Richtigmacher", die "durch die Gänge des Biomarktes in veganen Schuhen soften" brachte er ebenfalls zu Sprache. Wenn die Oma anstatt "schön betrogen" beim Enkeltrick nur "betuppt" worden wäre, hätte sie den Vorfall überlebt und gegebenenfalls einen der freien Plätze besetzt, so Verhasselt. Viel Gelächter erntete der Straelener und ließ eine Zugabe mit Blick zum Himmel hören.

(cole)
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