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Wegberg
Akte in einer nackten Halle

Wegberg: Akte in einer nackten Halle
Elke Bürger und Helmut Heutz stellten am Wochenende in Halle 7 des früheren Wildenrather Militärflughafens Fotos und Plastiken aus, die sich mit dem Thema Akt auseinandersetzten. FOTO: Jörg Knappe
Wegberg. Drei Tage lang stellten Elke Bürger und Helmut Heutz Bilder, Skulpturen und Fotografien in einer Halle auf dem ehemaligen Militärgelände aus. Spannende Beziehungen zwischen Mensch und Architektur. Von Nicole Peters

Der Ausstellungsort spielte im Fall der dreitägigen Schau eine ganz besondere Rolle: Zum einen forderte die flächen- und höhenmäßige Dimension des Wartungshangars Halle 7 die beiden Künstler auf jeweils ganz eigene Weise heraus. Zum anderen war es das aufgrund kaputter Fensterscheiben oder Abrissspuren im Inneren recht unwirtliche Ambiente, das starken Einfluss auf Inhalt und Technik der Kunstwerke nahm.

Die künstlerische Darstellung des Aktes mit Gemälden, Skulpturen und Fotografien stellten Elke Bürger und Helmut Heutz in den Mittelpunkt. Als die Künstlerin die Halle im Vorfeld besichtigte, hatten sie die enormen Dimensionen dazu inspiriert, ihre Malerei dreidimensional auszugestalten, erzählte sie am Eröffnungstag. Weibliche, aus den Bildflächen herausragende Torsi hatte sie aus gehärteter Baumwolle geschaffen. Einen Bronze-Effekt erzielte sie dabei mit entsprechend gemischten Farbpigmenten. "Die Halle hat mich inspiriert, den Rahmen sprengen zu wollen und größer zu arbeiten", fasste sie ihre Reaktion zusammen.

Bilder im Mixed-Media-Stil, mit Acryl und Tusche gearbeitet, gehörten ebenso zu ihrem gezeigten Repertoire wie lebensgroße Skulpturen: Ebenfalls aus gehärteter Baumwolle bestehend, zeichneten sie sich durch unterschiedliche Haltungen, Oberflächen und Farbgestaltung aus. In größerer Zahl bevölkerten sie die riesige Halle und befanden sich in stillem Dialog mit Helmut Heutz' Darstellern.

Heutz hatte gesellschaftskritische Themen mit künstlerischer Aktfotografie aufgenommen, wobei zu Teilen Stand-Positionen die Aussagen unterstrichen. Anderthalb bis vier Quadratmeter groß thematisierten sie beispielsweise mit 27 Einzelaufnahmen Statements aus dem Grundgesetz. Sehr konkret ging es in weiteren Arbeiten um menschliche Grenzerfahrungen: Süchte, Nikotin- und Alkoholgenuss während der Schwangerschaft, körperliche Verletzlichkeit oder Verzweiflung spielten eine Rolle.

Mit dem Foto "dirty bomb" nahm er direkten inhaltlichen Bezug zur ehemaligen Nutzung des Geländes als Start- und Landebahn für Bomber, Transport-, Tank- und Aufklärungsflugzeuge. Eine Atemschutzmaske verdeutlichte die begrenzten Schutzmöglichkeiten. Weiter standen die Akt-Aufnahmen, die zu Zweidrittel in und an der Halle entstanden, in großem Gegensatz zur dort herrschenden Kälte und unwirtlichen Umgebung.

Die Ausstellung habe "ganz viel mit dem Leben und den Menschen zu tun", sagte Wegbergs stellvertretender Bürgermeister Georg Schmitz. Es gehe um ernste Lebensseiten, die der Betrachter persönlich oder im eigenen Umfeld kennengelernt haben könnte. Die Erkelenzer stellvertretende Bürgermeisterin Astrid Wolters stellte die Bedeutung der Akt-Darstellung im Laufe der Jahrhunderte heraus. Einen Gegensatz machte sie beim morbiden Charakter des Raumes und der Nacktheit in der Darstellung aus.

Quelle: RP
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