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Wegberg
Anwalt der Mühlen

Wegberg: Anwalt der Mühlen
Der Ursprung der Ölmühle in Tüschenbroich reicht in das 14. / 15. Jahrhundert zurück. Die heutige dreiflügelige Fachwerkanlage mit zweigeschossigem riedgedecktem Mühlenhaus stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Wegberg. Lothar Esser aus Merbeck ist neuer Geschäftsführer des Rheinischen Mühlenverbandes. Er vertritt die Interessen der Verbandsmitglieder. Von Michael Heckers

Lothar Esser steckt voller Tatendrang. Anfang März wurde der 47-Jährige aus Merbeck in Elten bei Emmerich für die nächsten drei Jahre zum neuen Geschäftsführer des Rheinischen Mühlenverbandes gewählt. Als leidenschaftlicher Freund der Heimatgeschichte bringt der Verwaltungsfachmann ausgezeichnete Voraussetzungen für sein neues Ehrenamt mit. "Ich engagiere mich gerne für eine solch gute Sache", sagt Lothar Esser.

Der dreifache Familienvater aus Merbeck hat beruflich bewegte Zeiten hinter sich. Mitte 2012 war er aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Jahren im Amt von seinen Aufgaben als Kämmerer der Stadt Wegberg entbunden worden. Ein harter Einschnitt, dem eine einjährige Abordnung an die Stadt Neuss folgte, wo er schon von 1992 bis 2010 tätig war, unter anderem als stellvertretender Rechnungsprüfungsamtsleiter. Am 1. September 2013 kehrte Esser zurück nach Wegberg. Dort trat er eine Stabsstelle im Technischen Dezernat an. Seit 2015 kümmert er sich auch um das Thema Quartiersentwicklung. Ziel sei die Entwicklung eines Leitbildes für eine handlungsübergreifende Entwicklung der Quartiere in der Stadt. Lothar Esser richtet den Blick nach vorne. Er möchte der Stadt helfen, die Zukunft aktiv zu gestalten.

Lothar Esser. FOTO: Laaser (Archiv)

In seinem neuen Ehrenamt als Geschäftsführer des Rheinischen Mühlenverbandes trugen ihm Verbandsmitglieder gleich nach Amtsantritt die ersten Anliegen vor. So gibt es beispielsweise Sorgen um die Oppumer Geismühle. Dort läuft im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau der Rastanlage an der Autobahn 57 ein Bebauungsplanverfahren. Das Problem: Wenn die neue Lärmschutzwand entlang der A 57 zu hoch wird, fehlt Wind, so dass sich die Flügel der dortigen Geismühle nicht mehr drehen könnten. Um dem Anliegen des Verbandsmitgliedes Nachdruck zu verleihen, hat Lothar Esser jetzt die zuständige Bezirksregierung eingeschaltet.

Auch in Simonskall ist die Hilfe von Lothar Esser gefragt. In dem kleinen Eifelort befürchtet der Besitzer einer Wassermühle, dass ihm aufgrund eines Renaturierungsvorhabens an der Kall, dem 26 Kilometer langen Nebenfluss der Rur, im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgegraben wird. Auch dort gilt es, zwischen den unterschiedlichen Interessensvertretern zu vermitteln und die entsprechenden behördlichen Planungsschritte aus dem Blickwinkel des Mühlenverbandes kritisch zu begleiten. Dass er sich brennend für Heimatgeschichte interessiert und er in seiner Privatbibliothek im Keller seines Hauses in Merbeck ein stattliches Archiv pflegt, kommt dem neuen Geschäftsführer des Mühlenverbandes zugute. 2015 legte Esser in Zusammenarbeit mit dem dortigen Schützenchef Ralf Kriesemer und dem "wandelnden Archiv" Franz Willi Förster (79) in seinem Geburtstort Gierath-Gubberath bei Grevenbroich zum 950-jährigen Bestehen des Ortes eine beeindruckende Festschrift vor. Dabei gelang Esser unter Anwendung wissenschaftlicher Kriterien der schwierige Spagat zwischen Heimat- und Weltgeschichte. In dem 2820-Seelen-Ort Gierath-Gubberath liegen Essers familiäre Wurzeln. Die heimische Mundart beherrscht der 47-Jährige perfekt. Auch die eigene Verwandtschaft schätzt Essers umfangreiches Heimatwissen: "Ich bin das Familienarchiv." Nach Wegberg kam Lothar Esser im Jahr 1996. "Daran ist meine Frau schuld", sagt er schmunzelnd.

Ob er sich in seiner neuen Funktion als Anwalt der Mühlen sehe? "Ja, das kann man so sagen", erklärt Lothar Esser. Sein Ziel ist es, den Interessen der Verbandsmitglieder mehr Nachdruck zu verleihen. Dabei stelle sich auch die Frage, wie sich der Rheinische Mühlenverband organisieren kann, um in den einzelnen Prozessschritten wie Bebauungsplanverfahren rechtzeitig eingebunden zu werden.

Quelle: RP
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