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Wegberg
Argumente einer Schule fürs Fach Latein

Wegberg: Argumente einer Schule fürs Fach Latein
Sie diskutieren darüber, ob Latein als Schulfach zeitgemäß ist (v.l.): Lehrerin Christina Reinhardt, die Schüler Julia Kruschwitz und Kai Slykermann, Klaus Schameitat, Schülerin Gina Pollmanns und Lehrerin Daniela Schulze. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Wir schreiben das Jahr 2015 nach Christus. Im ganzen Erkelenzer Land kann Latein nicht mehr in der fünften Klasse belegt werden. Im ganzen Erkelenzer Land? Nein! Das Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasium leistet Widerstand. Von Mario Emonds

Über ein sich hartnäckig haltendes Vorurteil kann Julia Kruschwitz nur schmunzeln: "Ich habe schon so oft gehört, dass die Lateinklasse die Streberklasse sei", sagt die angehende Abiturientin des Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasiums. Diese Schule ist das einzige Gymnasium im Erkelenzer Land, das noch Latein ab der fünften Klasse anbietet (die Schule ist vierzügig, eine Klasse davon ist in der Regel die Lateinklasse).

In der Lateinklasse war auch Julia Kruschwitz - und hat es wie ihr Latein-Mitschüler Kai Slykermann nicht bereut: "Ich habe da nicht nur die Grammatik richtig gelernt und kann mir viele Fremdworte nun leicht herleiten, sondern kenne zum Beispiel jetzt auch alle Stilmittel. Und Lerndisziplin habe ich bei Latein auch gelernt." Auf einen ganz praktischen Nutzen weist zudem Kai Slykermann hin: "Mit Lateinkenntnissen lernt man danach einfach andere Sprachen viel leichter. Ich habe diese Erfahrung mit Französisch gemacht."

Was Lateinlehrerin Christina Reinhardt natürlich gerne hört. "Wir sind aber in großer Sorge um unser geliebtes Fach", erklärt die erfahrene Lateinlehrerin, die neben dem regulären Unterricht auch Latein-AGs anbietet und mit ihren Schülern schon sehr erfolgreich am Bundessprachenwettbewerb teilgenommen hat. Ihre Sorge hat nicht nur mit einer aktuellen Novellierung des Lehrerausbildungsgesetzes in NRW zu tun: Studierende, die ein Lehramt an Gymnasien oder Gesamtschulen anstreben, müssen künftig keine Kenntnisse mehr in Latein nachweisen.

Dabei hat es Latein ohnehin schon schwer - die Zahl der Schüler, die es lernen, nimmt ab. Dabei leiste Latein doch jede Menge Basisarbeit, betont Lateinlehrer Klaus Schameitat - und spielt dabei auch die interdisziplinäre Karte: "Latein liefert ein grammatisches Grundgerüst. Wir greifen da oft gerade den Deutsch-Unterricht auf. Denn ich merke im Latein-Unterricht häufig, dass bei den Schülern auch bei der deutschen Grammatik Grundlagen fehlen." Diese Erfahrung kennt auch Reinhardt zur Genüge: "Wir wollen zwar keine Lückenfüller sein, sind es in der Praxis in vielen Dingen aber." Fazit: Latein - auch ein wirkungsvoller "Ausputzer" für Defizite in anderen Fächern.

Mit dieser Rolle will sich aber auch Daniela Schulze nicht zufriedengeben. Die Fachvorsitzende Latein am Max Kolbe lenkt den Blick auf den grundsätzlichen Bildungsauftrag von Schule: "Wir sind eben nicht dafür da, Arbeitskräfte auszubilden. Gerade Latein fördert sehr das systematische Denken und Kombinieren." Dass Latein daher auch so etwas wie die Mathematik der Fremdsprachen sei, möchte Schameitat nicht bestreiten: "Das kann man so stehenlassen. Darüber hinaus fördert Latein aber gerade auch die Persönlichkeitsbildung."

Natürlich ist Latein gerade in den ersten Jahren auch ein Paukfach - ohne das Lernen von Grammatik und Vokabeln geht's nun mal nicht. Diese Erfahrung macht nun auch Gina Pollmanns, die Latein erst ab der zehnten Klasse gewählt hat. "Ich lerne Latein gerne. Und gerade auch die geschichtlichen Hintergründe, die ich so erfahre, interessieren mich sehr."

Darüber hinaus kann Latein aber noch mit zwei weiteren Vorzügen punkten: Zum einen wird in dieser Sprache (fast) alles so geschrieben, wie es gesprochen wird, und Latein ist der einzige Fremdsprachen-Unterricht, der zweisprachig unterrichtet wird - durch die genaue Übersetzung lateinischer Texte wird eben auch das Sprachvermögen in Deutsch geschult und gefördert.

Und vor einer Sache müssen heutige Lateinschüler im Gegensatz zu allen Vorgängergenerationen keine Angst mehr haben: Die "Königsdisziplin", das umgekehrte Übersetzen von Deutsch in Latein, ist abgeschafft. Da hatte sich stets sehr schnell die Spreu vom Weizen getrennt, kam man mit ein bisschen Raten dabei keinen Deut weiter. "Mit dieser Übersetzungsart würden wir heutige Schüler einfach überfordern", erläutert Schameitat.

Und auch, wer am Max Kolbe mit Latein beginnt: Englisch bleibt dabei nicht auf der Strecke. Auch Latein-Fünftklässler haben parallel dazu zwei Stunden in der Woche Englisch, schreiben da auch Arbeiten. "Ich habe wegen Latein keine Defizite in Englisch gehabt", versichert Julia Kruschwitz.

Infoabend Am Mittwoch, 4. November, 19.30 Uhr, bietet das Max-Kolbe-Gymnasium im Pädagogischen Zentrum einen Infoabend zur Sprachenwahl an.

Quelle: RP
 
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