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Wegberg
"Aus dem Beeckerwald das gemacht, was er heute ist"

"Zwei Euro!" Das neue Gebot steht. Doch Bernhard Stamms gibt sich noch nicht zufrieden. "Das ist Qualität, was ich hier habe", ruft er. In seiner Hand hält er zwei Stangen Porree. "Zwei Euro und 30 Cent", ruft jemand. "Zwei Euro und 30 Cent. Zum Ersten. Zum Zweiten. Zum Dritten." Das Gemüse hat einen neuen Besitzer. Die Stimmung im Vereinsheim der Wohngemeinschaft Beeckerwald ist gut. Dann hält Bernhard Stamms auch schon ein Bündel Möhren in der Hand. Das möchte er als nächstes versteigern.

Jedes Jahr feiert die Wohngemeinschaft Beeckerwald gemeinsam das Erntedankfest. Kurz zuvor diente der Erntewagen, aus dem Bernhard Stamms das Gemüse und Obst versteigert, noch als Dekoration am Christlichen Zeichen an der Ecke Kiefernweg/Tannenweg. Dort gab es einen kurzen gemeinsamen Gottesdienst. Gefeiert wird nicht nur Erntedank, sondern auch der Jahrestag des Christlichen Zeichens. Zu Erntedank im Jahr 2004 hatte die Wohngemeinschaft das Zeichen aufgebaut. Seitdem ist die Konstruktion aus drei unterschiedlich hohen offenen Edelstahlkreuzen, die versetzt angeordnet sind, ein Ort des Glaubens im Wohngebiet.

Dass es dieses Zeichen überhaupt gibt, hat etwas mit dem Selbstverständnis der Anwohner des Beeckerwaldes zu tun. Vor allem mit dem Selbstverständnis der Wohngemeinschaftsmitglieder dort. "Eigentlich kann man schon sagen, wir sind ein eigener Ort", sagt Bernhard Stamms, der den Arbeitskreis leitet, der sich um das Christliche Zeichen kümmert. Weil die Bewohner ihr Wohngebiet als eigenen Ort sehen, kam Anfang der 1980er Jahre der Wunsch nach einer eigenen Kapelle auf. Geld wurde gesammelt. Sogar erste Materialien hatte man damals angeschafft. Doch gleichzeitig kam die Idee, ein Vereinshaus zu bauen. Beides zu realisieren, wäre zu kostspielig gewesen. Die Wohngemeinschaft entschied sich für das Vereinshaus.

1999 machten die Anwohner den Bau einer Kapelle jedoch wieder zum Thema. Ein Arbeitskreis wurde gegründet. Bis 2003 erarbeitete dieser die Ausführung und Aufstellung des Christlichen Zeichens. Die drei offenen Kreuze sollen eine vielfältige Deutung für unterschiedliche Einstellungen zum Glauben ermöglichen. Niemand soll durch das Zeichen ausgegrenzt werden. Im Gegenteil, jeder soll eingeladen werden, dort über Religion nachzudenken.

Das Christliche Zeichen zeigt, wie die Mitglieder der Wohngemeinschaft ihre Heimat sehr aktiv gestalten. "Die Anwohner haben aus dem Beeckerwald das gemacht, was er jetzt und heute ist. Eine lebenswerte Wohngegend", sagt Bernhard Stamms. Da passt es, dass das Thema des Erntedankgottesdienstes das Thema "Zusammenstehen" hatte. "Es passiert nichts alleine. Da müssen schon zwei oder drei mitmachen", sagte Kaplan Michael Marx, der den Erntedankgottesdienst mit den Anwohnern des Beeckerwaldes feierte.

Und auch zwölf Jahre, nachdem das Christliche Zeichen gebaut wurde, ist der Arbeitskreis weiterhin aktiv. Geplant ist, das Grundstück rund um das Zeichen einzufrieden. Zudem soll bald eine Tafel zur Bedeutung des Zeichens aufgestellt werden.

(anek)
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