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Wegberg
Besser geht's nicht

Wegberg: Besser geht's nicht
Der mit sechs Grammy-Nominierungen bedachte Mike Stern (links) war mit fantastischer Bandbesetzung nach Wegberg gekommen: Didier Lockwood (2.v.r.), Steve Smith und Bassist Tom Kennedy (rechts). FOTO: Ruth Klapproth
Wegberg. Theo Krings sollte mit seiner Vorhersage Recht behalten: "Besser geht nicht - nur anders" hatte der Direktor des Heinsberger Internationalen Gitarrenfestivals im Vorfeld von Mike Sterns Auftritt im Wegberger Form versprochen. Von Angela Wilms-Adrians

Tatsächlich erlebten Freunde der Fusion-Szene beim Gastauftritt des Bostoner Musikers Mike Stern und seiner Kollegen einen elektrisierenden Abend, der die ohnehin hohen Temperaturen des Tages gefühlt in schwindelerregende Spitzenwerte katapultierte.

Der mit sechs Grammy-Nominierungen bedachte Stern war mit fantastischer Bandbesetzung gekommen: Didier Lockwood - der wie Stern mit Legenden wie Dave Brubeck, Miles Davis, Billy Cobham und Herbie Hancock auftrat, Steve Smith - fünfmal in Folge "No.1 All-Around Drummer" sowie 2001 einer der "Top 25 Drummer of All Time" - und schließlich Bassist Tom Kennedy.

Spannungsgeladen war der Einstieg: Mit virtuosem Spiel ließ Stern den Raum förmlich vibrieren. Die Themen waren reich umspielt, genial der Dialog mit dem fantastischen Drummer Steve Smith, die Musik ging unter die Haut. Begeisterter Jubel brandete auf, während das Quartett vorübergehend in ruhigere Rhythmen glitt.

Stern setzte sich nicht als Star in Szene - das hatte der 61-Jährige mit jungenhaftem Lächeln bereits bei seiner unauffälligen Ankunft durch das allgemeine Getümmel und den Eingang für alle bewiesen. Er gab den Mitspielern Raum zur Entfaltung, so dass sich die Vier wie selbstverständlich die Bälle zuwarfen. Grandios waren die Soli des Geigers Lockwood, der sein Instrument dramatisch und energiegeladen aufheulen ließ, dann wieder unvermittelt weich und atmosphärisch in fesselnder Grandezza und packender Leidenschaft erklingen ließ. Kein Wunder: Lockwood hat seinen Entdecker und früheren Mentor, den legendären Stéphane Grapelli, längst beerbt und gilt heute als "der" Jazzgeiger weltweit.

Bassist Kennedy vollendete den ersten Durchlauf der Soli mit klanglichen Raffinessen und warm wummernden Ton. Gemeinsam verwandelte das Quartett die Bühne in einen Hexenkessel von magischer Ausstrahlung. Das Publikum lauschte staunend, fasziniert, dankte immer wieder mit jubelndem Beifall, während sich die Vier nicht ausbremsen ließen.

Zwischendurch gab es auch die Nummern, die zu Ruheinseln wurden, als filigrane, atmosphärisch berührende Klanggebilde betörten - so zum Beispiel wehmütig leichte Tonspielereien mit witzigen Variationen und virtuosen Kapriolen, wiederkehrende Sequenzen in schlichter Folge. Unvermutet versonnen anmutende Pizzicati des Geigers fanden ihr Pendant im sanften Vibrato der E-Gitarre, während Stern zudem sphärisch summend und singend die Töne schweben ließ.

Diese Musik zielte direkt aufs Herz und wuchs dann doch aus der Sanftmut zu temperamentvoll ausgebreiteter, üppiger Fülle im Verbund von Jazz und Rock. Unter die Haut ging ebenso der afrikanisch inspirierte Sprechrhythmus des Drummers, der auf beeindruckende Weise zündende Energie mit gut gelaunter Leichtigkeit verband. Auch Stern zeigte, dass er, wie bei virtuosen Grenzgängern üblich, auch als Sänger zum eigenen Spiel gute Figur macht. Im Set nach der Pause folgte auf ruhige Klänge eine grandiose Hommage auf die große Gitarrenikone Jimi Hendrix - klar, das Stern hier noch einmal alle Register zog. Umjubelter Ausklang, dem die Band noch eine Zugabe aufsetzte.

Quelle: RP
 
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