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Wegberg
Darum braucht Wegberg das Hallenbad

Wegberg: Darum braucht Wegberg das Hallenbad
Gehen im Wegberger Hallenbad bald die Lichter aus? Das Grenzlandringbad hat einen Zuschussbedarf von durchschnittlich 571.478 Euro pro Jahr und die Stadt muss sparen. Die Verwaltung rät dennoch von einer Schließung ab. Für die leerstehende Cafeteria des Grenzlandringbads interessiert sich ein Investor. FOTO: J. Laaser (Archiv)
Wegberg. Braucht die Stadt Wegberg ein Hallenbad und wenn ja, kann diese Leistung kostengünstiger angeboten werden? Auf diese Fragen hat die Stadtverwaltung den Mitgliedern des Sportausschusses jetzt Antworten geliefert. Von Michael Heckers

Weil die Stadt eisern sparen muss, ist die Zukunft des Grenzlandringbades ungewiss. 571.478 Euro Miese pro Jahr machte das Wegberger Hallenbad durchschnittlich zwischen 2007 und 2014. Im Zuge der Haushaltsberatungen hatte die FDP deshalb vorgeschlagen, Kosteneinsparungen beim Hallenbad zu prüfen und die Konsequenzen einer vollständigen Schließung des Grenzlandringbades aufzuzeigen.

Die grundsätzliche Fragestellung lautete dabei: Braucht die Stadt Wegberg ein Hallenbad und wenn ja, kann diese Leistung kostengünstiger angeboten werden? Den ersten Teil der Frage beantwortet die Stadtverwaltung nach Abschluss ihrer Prüfung mit einem klaren Ja. Ein Hallenbad sei nicht nur aus Gründen der allgemeinen Daseinsvorsorge, sondern auch aus Sicht lebensrettender Einrichtungen zu betrachten. Im Grenzlandringbad werde Kindern die Möglichkeit gegeben, sich mit dem Element Wasser soweit vertraut zu machen, dass damit verantwortungsvoll umgegangen werden kann. Auch der Schulstandort Wegberg fordert nach Darstellung der Verwaltung den Erhalt eines Hallenbades, da ein Ausweichen auf Bäder benachbarter Kommunen im benötigten Maße nicht möglich sei und die Schließung zu Ausgleichszahlungen und zu zusätzlichen Beförderungskosten führen würde.

Die Konsequenzen einer Hallenbadschließung wären nach Angaben der Stadtverwaltung erheblich: Es könne kein Schwimmunterricht mehr erteilt werden, Schwimmvereine und DLRG könnten nicht mehr trainieren, das Hallenbad-Personal müsste sozialverträglich abgebaut oder anders beschäftigt werden, die Betreuung des benachbarten Wohnmobilstellplatzes müsste anders organisiert werden, die zentrale Heizversorgung des Schulzentrums müsste neu aufgebaut werden, das Gelände des Hallenbades, des Wohnmobilstellplatzes und der Bushaltestellen müsste vom Bauhof oder beauftragten Firmen betreut und gereinigt werden, es müssten für Vereine und das städtische Archiv eine andere Unterbringung gefunden werden und - sollte das Gebäude im städtischen Eigentum bleiben - fielen weiterhin Aufwendungen für Bauunterhaltung und Abschreibung an.

Zur Frage, ob die Leistungen kostengünstiger angeboten werden können, antwortet die Verwaltung: "Unter Beibehaltung derzeitiger Standards sicher nicht. Hier führen nur starke Einschnitte zu einer überschaubaren Kostenentlastung." Ohne Kürzung der Öffnungszeiten, die weniger das Schulschwimmen als mehr die Vereine und das Familienbad betreffen, könnten keine weiteren Einsparungen mehr erzielt werden. Die Stadt weist auch darauf hin, dass verringerte Öffnungszeiten auch unmittelbare Auswirkungen auf andere Nutzungsmöglichkeiten der ehemaligen Cafeteria hätten. Nach Informationen unserer Redaktion verhandelt die Stadt zurzeit mit einem Investor, der im Bereich der Cafeteria ein Fitnessstudio einrichten möchte. Allerdings macht der Investor sein Engagement offenbar davon abhängig, dass die derzeitigen Öffnungszeiten des Hallenbades nicht gekürzt werden. Auch der Stadtsportverband setzt sich dafür ein, dass die Öffnungszeiten nicht gekürzt werden. Der Stadtsportverband hat einen Bürgerantrag vorgelegt, wonach die Stadt Wegberg unter anderem sicherstellen soll, dass bei den anstehenden Beschlüssen bezüglich der Strukturierungsmaßnahmen und Öffnungszeitenanpassung im Grenzlandringbad der Schwimmunterricht für Dritt- und Viertklässler im bisherigen Umfang beibehalten wird.

Insgesamt kommt die Stadtverwaltung zu dem Schluss, dass sich das Grenzlandringbad bereits in der Vergangenheit sehr gut aufgestellt und am Markt positioniert hat. Betriebsleiter Dietmar Gisbertz und seine Mitarbeiter hätten bereits mehrfach Einsparvorschläge gemacht, die unmittelbar umgesetzt wurden. So sei das gut angenommene Animationsprogramm (Einnahme rund 13.000 Euro im Jahr 2014; geplant für 2016: 16.585 Euro) auf Initiative der Mitarbeiter zurückzuführen. Durch die sehr gute Qualität der Wasserkurse werde in diesem Teilbereich sogar ein Überschuss erwirtschaftet. Auch die Niederrheinische Energie und Wasser GmbH (NEW) hatte nach einer Prüfung zur Übernahme des Grenzlandringbades der Stadt Wegberg kürzlich bescheinigt, dass das Hallenbad baulich in einem sehr guten Zustand sei und sparsam geführt werde. Interessiert an einer Übernahme ist die NEW allerdings nicht.

Für die Beratung im zuständigen Fachausschuss hatte die Verwaltung zwei Beschlussvorschläge gemacht, die beide den Erhalt des Grenzlandringbades vorsahen. Abgestimmt wurde darüber nicht, weil zunächst die Pläne des Investors näher erläutert und die möglichen Konsequenzen für die Zukunft des Wegberger Hallenbades daraus abgeleitet werden sollen.

Quelle: RP
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