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Wegberg
Darum ist das Abwasser in Wegberg so teuer

Wegberg: Darum ist das Abwasser in Wegberg so teuer
Teures Abwasser in der Mühlenstadt: In Wegberg liegt die Schmutzwassergebühr bei 4,44 Euro, in Erkelenz bei 1,91 Euro. FOTO: Linda Hammer (Archiv)
Wegberg. In Wegberg sind die Gebühren für die Abwasserbeseitigung mehr als doppelt so hoch wie in Erkelenz. Die Stadt nennt mehrere Gründe. Von Michael Heckers

Die Abwasserbeseitigung ist für die Bürger in Wegberg deutlich teurer als in den Nachbarstädten. In der Mühlenstadt liegt die Schmutzwassergebühr mit 4,44 Euro mehr als doppelt so hoch wie in Erkelenz (1,91 Euro). Auch in der Gemeinde Brüggen (2,80 Euro) ist die Abwasserbeseitigung im Vergleich zu Wegberg rund 40 Prozent günstiger - bei ähnlichen Vergleichsparametern wie in Wegberg.

Die Berichterstattung in der Rheinischen Post zu diesem Thema nahm die Wegberger CDU zum Anlass, die Stadtverwaltung zu beauftragen, die Kostentreiber der Abwasserbeseitigungsgebühr im Vergleich zu anderen Flächenkommunen aus dem Kreis Heinsberg und aus den Nachbarkreisen festzustellen. Jetzt legte die Stadtverwaltung das Ergebnis vor: "Hauptkostentreiber sind die beiden zwangsläufig in Wegberg zu betreibenden Kläranlagen. Für beide muss Personal gestellt, für beide müssen laufende Ausgaben für Unterhaltung und Bewirtschaftung getätigt, für beide müssen fixe Kosten umgelegt werden", sagt Technischer Beigeordneter Rudolf Fabry. Im Vergleich zur Stadt Erkelenz, die nur eine Kläranlage unterhält, gibt es in Wegberg zwei städtische Kläranlagen - eine am Grenzlandring in Harbeck und eine weitere an der Straße Zum Wasserturm in Dalheim. Das schlägt nach Angaben der Stadtverwaltung im Kostenvergleich zwischen Erkelenz und Wegberg deutlich zu Buche: Der laufende Betrieb der Kläranlage Erkelenz mit Unterhaltung, Bewirtschaftung und Energie beläuft sich für den Schmutzwasseranteil auf 599 402 Euro. Zum Vergleich: Wegberg liegt mit mehr als 1,27 Millionen Euro 113 Prozent darüber.

"Neben der zweiten Kläranlage spielt zusätzlich der hohe Verschmutzungsgrad des Abwassers in Wegberg eine nicht zu unterschätzende Rolle", erklärt Fabry weiter. Den Einfluss des gewerblichen Abwassers auf die Kläranlagen lässt die Stadt Wegberg zurzeit untersuchen. In der Vergangenheit wurde wiederholt über Probleme mit Einleitungen aus einzelnen Gewerbebetrieben aus dem Stadtgebiet berichtet. Wenn das Urteil des Gutachtens vorliegt, könnte dies die Einführung einer verschmutzungsabhängigen Abwassergebühr zur Folge haben. Fabry: "Diese Gebühr würde mit einem Starkverschmutzerzuschlag verknüpft und könnte sich mindernd auf die normale Gebühr des häuslichen Abwassers auswirken."

Dass die Kläranlage Wegberg zuletzt temporär immer wieder drastisch überlastet war, dokumentiert die Statistik der Verwaltung. Die Kläranlage ist für einen Einwohnergleichwert von 48 000 ausgelegt. Im Jahr 2011 wurde eine Belastung gemessen, die einem Einwohnergleichwert von 82 372 entspricht, im Jahr 2012 von 81 327, im Jahr 2013 von 102 029 und im Jahr 2014 sogar von 161 676. Für die Freien Wähler ist deshalb klar, wer für die höheren Abwasserbeseitigungsgebühren in Wegberg verantwortlich ist: "Die Gebührenzahler in Wegberg werden durch gewerbliche Abwasserfrachten unverhältnismäßig belastet. Im Abwasserbeseitigungskonzept der Stadt Wegberg wurde hier explizit die Firma Heinen genannt", sagt Thomas Nelsbach, Fraktionsgeschäftsführer der Freien Wähler.

Angesichts der vergleichsweise hohen Gebühren steht auch die Frage im Raum, ob Wegberg möglicherweise mit einer Kläranlage auskommen könnte. "Ein Wegfall der Kläranlage Dalheim wäre aus technischer Sicht durch Verknüpfung der Kanalsysteme und einem zentralen Transport der Abwässer nach Wegberg zwar möglich", sagt Fabry. Das hätte allerdings zur Folge, dass die Anlage in Wegberg erheblich vergrößert werden und eine Transportleitung gebaut sowie weitere Pumpstationen betrieben werden müssten. Fabry: "Eine Entlastung bei den Gebühren wäre nicht zu erwarten."

CDU-Fraktionsvorsitzender Georg Gellissen kündigt an, dass es jetzt darum geht, die richtigen Antworten auf die Frage zu finden, wie man den Kostentreibern bei der Abwasserbeseitigungsgebühr wirksam begegnen kann. Die Wegberger CDU-Fraktion schlägt in diesem Zusammenhang unter anderem vor, das Kanalnetz und die Kläranlagen zu verkaufen - eine Option, die nun zu prüfen sein wird.

Quelle: RP
 
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