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Wegberg
Das Alfa-Gen vom Vater geerbt

Wegberg: Das Alfa-Gen vom Vater geerbt
Vor dem Renntruck von Romeoracing sind die Rennfahrzeuge der italienischen Kultmarke Alfa Romeo geparkt. FOTO: Niestrath
Wegberg. In wenigen Monaten jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem der Moerser Rennfahrer Hubert Hahne eine legendäre Bestzeit knackte: Bei einem Rahmenrennen zum Großen Preis von Deutschland steuerte er einen BMW 2000 Ti in 9:58,5 Minuten um die 22,8 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings und blieb damit als erster Mensch mit einem Tourenwagen unter der Schallmauer-10. Von Hans Groob

Zu den vielen Tausend begeisterten Zuschauern am Streckenrand gehörte in Höhe Kilometer 5 am Streckenabschnitt "Adenauer Forst" auch eine Gruppe Motorsportfreunde aus Erkelenz und Hückelhoven. 

Vater Peter (links mit Zigarette) und Sohn Markus (weißes Polo-Shirt) bei einer Rennveranstaltung im Jahr 1988.

Unter ihnen auch Peter Niestrath, der den Hahne-Coup nur schwer verdauen konnte, war damit doch der alte, in einem Alfa-Romeo GTA gefahrene Rekord (Herbert Schulze, 10:00,7) eliminiert. Und Niestrath war immer schon "Alfisto", hatte in einem Punkt sogar alle Motorsportler hinter sich: Wenn die Rennversionen des Alfa-Romeo GTA übers Schwedenkreuz und die Arembergkurve die Fuchsröhre runter- und zum Adenauer Forst hochdonnerten, dann vibrierte der Eifel-Tannenwald.

Dieser gewaltige Auspuffsound war unnachahmlich. Und muss - es kann gar nicht anders sein - Markus Niestrath (47), dem Chef des Wegberger Unternehmers Romeoracing mit in die Wiege übertragen worden sein. Das "Alfa-Gen" hat ihm Vater Peter Niestrath vererbt, der nach der Go-Kart-Zeit in Eigenbauten dann 1974 eine erfolgreiche Tourenwagen-Ära (u.a Gruppensieger im LVN-Langstreckenpokal) an Alfa-Romeo-Lenkrädern startete. Karts, Autos und alles was mit PS zu tun hatte, das interessierte "Klein-Markus" schon als Pamperskind, als Heranwachsender stetig intensiver und in der Ausbildung zum Karosseriebauer sowieso. Mit 18 dann das erste eigene Auto - natürlich ein Alfa GT, mit 20 das erste Rennen im Veedol-Langstreckenpokal. Ehe Markus allein in die Fußstapfen des Vaters trat, gab es viele gemeinsame Starts. Die "Alfisti" verstanden sich blind: "Hobby, Erfolgswille, der Stolz, überhaupt einen Rennwagen zu fahren und sich im Wettbewerb zu messen, das war immer Antrieb dafür, dass man manche Nacht in der Werkstatt oder in der Box an der Rennstrecke durchgeschraubt hat", umschreibt Markus Niestrath seine Leidenschaft, die er auf europäischen Rennstrecken wie Assen, Spa, Nürburgring, Hockenheimring, Zolder, Zandvoort oder Sachsenring lebt. Höhepunkt sind aber immer die Einsätze auf der Nordschleife des Nürburgrings, die nicht von ungefähr die "grüne Hölle in der Eifel" genannt wird. Niestraths Augen glänzen, wenn er an 2009 denkt, gelang ihm mit einem Alfa-Romeo doch der Gesamtsieg der Meisterschaft der historischen Langstreckenserie. Beim 2015er Langstrecken-Cup war es Rang drei, untermauert durch den Sieg beim Vier-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Markus Niestrath (links) als erfolgreicher Motorsportler. Sohn Samuel Niestrath (14/rechts) fährt in der Kart-Klasse.

Da hatte Markus Niestrath die Leidenschaft für die Marke Alfa-Romeo und zum historischen Motorsport schon zu seinem unternehmerischen Berufsbild entwickelt: "Jahrelange Erfahrung mit historischen Rennwagen, hoher Qualitätsanspruch und der Drang zum Perfektionismus" steht seit 2012 als Philosophie seiner Firma, die auf 600 Quadratmetern Werkstattfläche "In Beecker Bissen" zu finden ist. Quasi Teil des Wegberger "Rennsport-Dreiecks", nur Steinwürfe entfernt vom Heyer-Gelände mit den Fahrer-Assen Vater Hans und Sohn Kenneth und in Rath-Anhoven mit Leipert-Motorsport.

In der vergangenen Saison betreute das Team von Romeoracing bis zu 14 Wettbewerbs-Tourenwagen aus der Turiner Autoschmiede, was wohl auch 2016 wieder der Fall sein wird. Der Chef und Denker umschreibt die aktuelle Situation stolz und fachmännisch: "Wir sind im deutschen historischen Motorsport das Team mit den meisten Renntourenwagen. Konsequentes Weiterentwickeln ist oberstes Ziel. Zigtausend Vergaser-, Zündungs- und Fahrwerkseinstellungen werden immer in Frage gestellt und verändert. Wie bei den Profis werden Radlasten, verschiedene Übersetzungen, Motorsteuerzeiten und Reifendrücke probiert und dokumentiert." Wenn nötig, erfahren Alfa Romeos eine Rundumbetreuung (z.B. Motoren und Getriebe, Vorder- und Hinterachse, Fahrwerk, Blech und Lack, Elektrik, Bremsanlage) durch Markus Niestrath und drei Mechaniker. Ein neues Betätigungsfeld ist der Bau von Sicherheitskäfigen für die verschiedenen Fahrzeugtypen, und das nicht nur für Alfa.

Markus Niestrath im Jahr 1996 im Alter von 27 Jahren vor einer Alfa-Giulia auf dem Nürburgring.

Exklusiv dann aber doch wieder an den Rennpisten, wenn das Mechanikerteam aufgestockt wird und ein großer Renntruck eine Unmenge Motorsportequipment geladen hat. So zu ersten Saisontests ab März, ehe die 2016-Rennen der "Historischen" am 22. April mit dem Preis von Stuttgart auf dem Hockenheimring wieder gestartet werden. Dann ist sicher auch die dritte Motorsportgeneration der Niestraths dabei. Der 14-jährige Samuel gehört in der "Motorsportschule" noch der Kart-Klasse an. Wie einst Opa und Papa.

Quelle: RP
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