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Wegberg/Wassenberg
Das Ende des alten Klosters St. Ludwig

Der Abriss des Klosters St. Ludwig in Vlodrop
Der Abriss des Klosters St. Ludwig in Vlodrop FOTO: Laaser, J�rgen
Wegberg/Wassenberg. Das Kloster St. Ludwig im Nationalpark De Meinweg bei Dalheim ist Geschichte. Gestern wurde die Turmspitze abgehoben. Die umstrittene Weltfriedensstiftung Meru errichtet einen 35 Meter hohen "Turm der Unbesiegbarkeit". Von Michael Heckers

Mit dem Abheben der 16 Meter hohen Turmspitze auf der früheren Klosterkirche durch das Abrissunternehmen Bloom ging gestern nach 106 Jahren die Ära des monumentalen neugotischen Backsteinbaus zu Ende. In den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war das ehemaligen Franziskanerklosters eine deutsche Schule im Ausland. Zwischen 1909 und 1940 sowie 1951 bis 1977 besuchten rund 3000 überwiegend männliche Schüler das Kolleg St. Ludwig. Seit 1984 propagiert die Meru-Stiftung (Maharishi European Research University) auf dem früheren Klostergelände an der Grenze zu Wassenberger und Wegberger Stadtgebiet die Transzendentale Meditation in indischer Ausprägung nach ihrem 2008 verstorbenen Gründer Maharishi. Berühmteste Anhänger des indischen Gurus waren die Beatles.

Die Weltfriedensbewegung hatte das Kolleg und 158 Hektar große Gelände gekauft, um ab 1996, als sich Maharishi Mahesh Yogi dort niederließ, ihr weltweites Hauptquartier einzurichten. Kurz nach dem Verkauf des Geländes an die Bewegung stellte die niederländische Regierung St. Ludwig unter Denkmalschutz – zum Leidwesen der MERU-Stiftung. Diese beantragte 1998 den Abriss. Begründung: die Sanierung des Kollegs mit 17 000 Quadratmeter Dachfläche sei zu teuer (100 Millionen Euro). Außerdem entspreche die Ausrichtung des Gebäudes nicht den Bauregeln des altindischen Sthapathya-Veda. Der Rechtsstreit dauerte 18 Jahre. Eine Bürgerinitiative setzte sich für den Erhalt des Kollegs ein. Vergeblich.

Ende 2014 erhielt die Meru-Stiftung die Genehmigung und begann mit dem Abriss, der bis Juli dauern wird. Auf dem Meru-Gelände leben 200 Anhänger der Transzendentalen Meditation aus 35 unterschiedlichen Ländern. Die Weltfriedensstiftung ist umstritten. Der Maharishi-Kult gilt als einer der größten Anbieter auf dem Psychomarkt: Weltweit werden Kurse, Unterweisungen, Behandlungen, Therapien, Anwendungen, Bücher, Medikamente, Lebensmittel, Devotionalien und sonstige Waren in Läden, Katalogen und im Internet angeboten. "Wir sind keine Religion und auch keine Sekte", sagt Meru-Sprecher Gerard Rieter, "wir stehen für eine bessere Welt, und wollen die Stille, die sich durch Meditation erreichen lässt, nach draußen bringen. Dazu haben wir bald noch bessere Bedingungen", sagt Rieter mit Blick auf die Meru-Pläne.

Zentrales Element wird ein 35 Meter hoher "Turm der Unbesiegbarkeit" als "Zentrum allumfassenden Wissens" sein. Eigentlich sollte der Turm 54 Meter hoch werden und zwölf Geschosse besitzen – doch die Gemeinde Roerdalen genehmigte den Bau eines solch pompösen Gebäudes mitten im Nationalpark nicht. Dort, wo bis vor kurzem die alten Klostermauern standen, werden in den nächsten sechs Jahren 40 neue Gebäude mit einheitlicher Ausrichtung nach Osten entstehen. Die Baukosten beziffert die Meru-Stiftung auf 65 Millionen Euro.

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