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Serie Früher Und Heute
Das Molzmühlrad dreht sich wie früher

Serie Früher Und Heute: Das Molzmühlrad dreht sich wie früher
Seit 2013 dreht sich das Molzmühlrad wieder. Brigitte Hoyer und Hellmut Trumpff haben dafür gesorgt. FOTO: Michael Heckers
Erkelenz. Früher und heute - markante Stellen im Stadtgebiet im Wandel der Zeit: In unserer neuen Serie dienen historische Fotos als Grundlage, um mit aktuellen Bildern einen Vergleich zu ermöglichen. Zum Auftakt werfen wir einen Blick auf die Molzmühle am Bollenberg in Rickelrath. Von Michael Heckers

Rickelrath Brigitte Hoyer kann sich noch gut erinnern: "Ernst Kreuder und ich betraten den alten Mühlenraum, und ein Sonnenstrahl fiel durch das Fenster auf die dichten Spinnweben und fingerdicken Staubschichten. Wir haben uns angeguckt und Ja zur Molzmühle gesagt." Das war im Jahr 1981. Ernst Kreuder kaufte die Molzmühle, die sich damals in einem jämmerlichen Zustand befand. Gemeinsam mit Brigitte Hoyer entkernte und restaurierte der Mönchengladbacher Bauunternehmer, der 2010 starb, die alte Mühle und baute den Mühlenraum zum Restaurant und den oberen Trakt zum Hotel um. Heute zählt die Molzmühle mit ihrer idyllischen Lage am Mühlenbach dank ihres gehobenen Gastronomie- und Hotelbetriebs unter Leitung von Brigitte Hoyer zu den Top-Adressen in NRW.

Ihre Entscheidung vor 35 Jahren, das Wagnis Molzmühle einzugehen, hat Brigitte Hoyer nie bereut. Zuvor hatte sie in der Tennishalle in Mönchengladbach-Giesenkirchen "Biggis Bistro" betrieben. Stück für Stück und mit viel Liebe zum Detail restaurierte Hoyer die Molzmühle, klopfte in mühevoller Kleinarbeit Mörtelreste von den alten Steinen und Fliesen, um diese beim Neuaufbau wieder zu verwenden. Aus alt mach neu: "Es ist vollbracht! Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Molzmühle doch noch fertig geworden", schrieb die Mühlenchefin in die Einladung zur Eröffnung ihres neuen Gastronomiebetriebs am 4. August 1984. Wenige Monate zuvor hatte Fußballstar Lothar Matthäus seinen 23. Geburtstag in der Molzmühle gefeiert. "Der Estrich im Kaminzimmer war noch ganz frisch und das ZDF, das berichtete, baute neben der Mühle einen riesigen Sendemast auf", sagt Hoyer. Später, zur Hochzeit von Ex-Fußballnationalspieler Rainer Bonhof, kehrte die Kölner Kultband "Höhner" zu einem Überraschungsauftritt in der Molzmühle ein. "Passend zum damaligen Höhner-Hit haben unsere Köche auf riesigen Blechen ,Pizza wunderbar' serviert", erinnert sich Brigitte Hoyer schmunzelnd.

Heutzutage ist die Molzmühle ein beliebtes Ausflugsziel, das gehobene Gastronomie bietet. Auch Hochzeiten werden in der Molzmühle gefeiert. FOTO: Michael Heckers

Wenn sich die Mühlenchefin heute im Kaminzimmer der Molzmühle umschaut, kann sie eine Anekdote nach der anderen erzählen: "Hier gibt es kaum ein Teil, das nicht auf eine bewegte und zum Teil ungewöhnliche Geschichte zurückblicken kann", sagt sie. An der Bücherwand zieht sie eine alte Speisekarte aus dem Regal. Es war ihre erste und sie stammt aus dem Jahr 1979, gezeichnet von Nik Ebert. Der RP-Karikaturist verewigte sich auch am 11. März 1980 mit einer kunstvollen Zeichnung und dem Hinweis "Obwohl ich nur wenig Zeit hatte, war es sehr nett" im Gästebuch von Biggis Bistro. Heute zählt die Molzmühle zu den liebsten Ausflugszielen von Nik Ebert.

Bereits seit vielen Jahren besucht auch Hellmut Trumpff die Molzmühle. Der frühere Angestellte des Braunkohlebergbau- und Energieversorgungsunternehmen Rheinbraun (heute RWE) kam im Oktober 1984 erstmals zum Rickelrather Bollenberg. Der Wasserbauingenieur sollte damals für seinen Arbeitgeber an der Molzmühle Messungen vornehmen, um daraus ableiten zu können, welche Auswirkungen die Tagebaue im rheinischen Revier auf die ökologisch wertvolle Region im Einzugsgebiet der Schwalm und ihrer Nebengewässer haben könnten. "Bei leckerem Kaffee und ausgezeichnetem Streuselkuchen", so erinnert sich Hellmut Trumpff an seine erste Begegnung mit Brigitte Hoyer, habe er der Mühlenchefin damals und in vielen folgenden Gesprächen deren große Sorge vor dem Austrocknen des Schwalmgebiets durch den Tagebau nehmen können. "Garzweiler II wird keinerlei Auswirkungen auf das Feuchtgebiet Schwalm-Nette haben. Das kann man mit Gewissheit sagen", hatte der Wasserbauingenieur prognostiziert.

So sah das Rad der Molzmühle früher aus. Jahrzehntelang war dort gar kein Mühlrad zu sehen. Der Mahlbetrieb wurde 1930 eingestellt. FOTO: Molzmühle/Hoyer

Rückblickend scheint sich die Aussage von Hellmut Trumpff zu bewahrheiten. Mehr noch: Der Wasserbauingenieur von Rheinbraun hat als Vorsitzender des Fördervereins "Molzmühlrad" sogar wesentlichen Anteil daran, dass sich seit 2013 wieder ein Mühlrad schwungvoll an der Molzmühle dreht - so, wie es früher war und auf zahlreichen historischen Fotos dokumentiert ist. Brigitte Hoyer: "Damit ging für mich ein Traum in Erfüllung."

Quelle: RP
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