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Manfred Brendgens
"Der Markt gehört in die Fußgängerzone"

Manfred Brendgens: "Der Markt gehört in die Fußgängerzone"
Seit 37 Jahren bietet Manfred Brendgens seine Wild- und Geflügelfleischspezialitäten auf Wochenmärkten wie in Wegberg, Erkelenz, Brüggen und Rheydt an. Er fordert: "Während des Wegberger Wochenmarktes müssen auch alle Geschäfte in der Innenstadt geöffnet haben." FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Seit 25 Jahren bietet Manfred Brendgens jeden Freitag seine Wild- und Geflügelfleischspezialitäten auf dem Wegberger Wochenmarkt an. Der 52-Jährige glaubt an die Zukunft des in die Kritik geratenen Marktes. Doch es muss gehandelt werden.

"Tristesse auf dem Wochenmarkt" - mit dieser Schlagzeile berichtete unsere Redaktion über den schwächelnden Wegberger Wochenmarkt freitags von 8 bis 13 Uhr in der Innenstadt. Manfred Brendgens bietet seine Wild- und Geflügelfleischspezialitäten seit 37 Jahren auf Wochenmärkten in der Region an, seit 25 Jahren ist er Marktbeschicker in Wegberg.

Seiner Ansicht nach gibt es mehrere Gründe, warum auf dem Wochenmarkt nur noch wenige Stände vorhanden sind. Brendgens meint, dass jetzt vor allem die Geschäftsleute in der Innenstadt am Zug sind. "Wir Marktbeschicker hören seit Jahren von fast allen Kunden die gleichen Fragen", sagt Brendgens.

Was könnte den Wegberger Wochenmarkt Ihrer Ansicht nach für Marktleute und ihre Kunden wieder attraktiver machen?

Brendgens Wenn die Wegberger Werbegemeinschaft es schaffen würde, eine Gemeinschaft zu werden und die Händler wenigstens freitags mal einheitlich öffnen, wenn die Eigentümer der Ladenlokale nach dem Motto "Leben und leben lassen" die Pacht auf ein für beide Seiten vernünftiges Niveau bringen und die Stadtverwaltung mehr Sitzplätze in der Außengastronomie zulassen würde wie das beispielsweise in Erkelenz der Fall ist - dann wäre Wegberg einen Schritt weiter.

Aber das Problem der unterschiedlichen Öffnungszeiten ist in Wegberg nicht neu. Darüber wird seit Jahren diskutiert - bislang erfolglos.

Brendgens Es muss doch möglich sein, dass sich die Geschäftsleute wenigstens für den Freitag, wenn Markt ist, auf einheitliche Öffnungszeiten verständigen können. Um 8 Uhr, wenn die ersten Wochenmarktkunden unterwegs sind, müssen alle Geschäfte geöffnet sein. Davon würden alle profitieren. Heute ist es so, dass Kunden, die früh auf dem Markt sind, sich beklagen, dass das eine Geschäft um 7 Uhr öffnet, ein anderes um 8.30 Uhr, andere wiederum erst um 10 Uhr. Außerdem machen einige Mittagspause, andere nicht.

Marktbesucher stören sich vor allem an der großen Lücke zwischen Enten-Apotheke und der Markusstraße.

Brendgens Bei diesem Thema sind der Stadt Wegberg die Hände gebunden. In dieser engen Gasse würden größere Stände die Rettungszufahrt gefährden. Darum lässt sich daran wohl leider nichts ändern.

Was halten Sie von dem Vorschlag, den Wochenmarkt auf den Rathausplatz zu verlegen, um größere Lücken zu vermeiden?

Brendgens Vor 15 oder 16 Jahren störte es einige Ladenbetreiber, dass von den Markthändlern Teile der Schaufenster zugestellt wurden. Also mussten alle Marktstände auf den Rathausplatz, wo zu dem damaligen Zeitpunkt keine Veranstaltungen stattfanden, umziehen. Nach einigen Wochen beschwerten sich die gleichen Leute, dass in der Fußgängerzone "überhaupt nichts mehr los ist". Daraufhin zog der Wochenmarkt zurück in die Fußgängerzone. Mancher Marktbeschicker hatte schon damals wegen diesem Hin und Her die Nase voll von Wegberg. Es gibt eine Reihe von Studien, die eindeutig belegen, dass ein Wochen- oder auch ein Abendmarkt - wenn eben möglich - in eine Fußgängerzone gehört. Darüber gibt es mittlerweile schon Seminare.

Glauben Sie, dass ein Abendmarkt, wie ihn die SPD vorgeschlagen hat, Erfolg haben könnte?

Brendgens Man kann einen Wochenmarkt nicht mit einem Abendmarkt vergleichen. Darum muss man das voneinander trennen. Ein Wochenmarkt besteht aus Marktbeschickern mit Frischfleisch, Käse, Obst, Gemüse, frischem Fisch und Blumen. Diese Märkte laufen vormittags, mancherorts auch nachmittags bis gegen 17.30 Uhr. Ein Abendmarkt hingegen ist ein Event. Er besteht aus Foodtrucks und Ständen, die keine Frischartikel verkaufen, da die Kundschaft diese wohl ungern noch ein Stündchen beim Bummeln mit sich tragen würden. Kunden des Abendmarktes möchten etwas verköstigen, ein Gläschen Wein trinken und Livemusik hören. In Brüggen beispielsweise haben wir versucht, einen "Markt ohne Grenzen" von 14 bis 20 Uhr als Wochenmarkt zu beschicken, der sich nach kürzester Zeit erst auf 18.30 Uhr, mittlerweile auf 17.30 Uhr eingependelt hat.

Glauben Sie, dass die nun beschlossenen Parkgebühren dem Wochenmarkt das Leben noch schwerer machen werden?

Brendgens Man zahlt in vielen Städten Parkgebühren, das ist ganz normal. Allerdings klingt es gerade in der jetzigen Situation für viele so, als würden diejenigen, die noch in die Innenstadt kommen, für das Einkaufen dort bestraft, zumal Wegberg jahrelang mit dem Slogan "Stadt der freien Parkplätze" geworben hat.

Bleiben Sie als langjähriger Marktbeschicker dem Wegberger Wochenmarkt treu?

Brendgens Wir sind ein Familienunternehmen und vertreiben Frischware, die sicher nicht in Discountern oder Supermärkten erhältlich ist. Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unserer Ware genauso wie gegenüber unseren Kunden sehr ernst - und wir beschicken den Wegberger Wochenmarkt sehr gerne. Auch in Zukunft.

MICHAEL HECKERS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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