| 00.00 Uhr

Wegberg
Der Weg vom Glaslehrling zum Glasmeister

Wer glaubt, dass die zehnjährige Mitarbeit an der Elbphilharmonie für Detlef Tanz der längste Einsatz an einem einzigen Projekt war, wird schnell eines Besseren belehrt: "20 Jahre waren es in Indien am Matrimandir, dort habe ich sogar eine Zeit lang gelebt." Die in Form einer mächtigen, sphärisch abgeflachten Kugel errichtete Konstruktion ist das sakrale Zentralgebäude in der südindischen Stadt Auroville.

Geboren ist Detlef Tanz 1951 in Erkelenz, aufgewachsen in einem technisch geprägten Elternhaus, besuchte die evangelische Volksschule und das Jungengymnasium, wo er 1970 das Abitur "baute". Die Studienversuche waren vielfältig - Psychologie, Religionspädagogik und Kunsterziehung. Theaterspiel und Maskentheater zogen ihn durch Europa, Musik mit klassischer Geige, Harp, Saxofon und Gesang haben es ihm noch heute angetan. Ein buntes Leben bekam mit einem Werk- und Kunstladen in Erkelenz dann Struktur: "Und ich habe angefangen mit Schmelzversuchen in Glas, faszinierend solche der Ägypter und Römer." Ende der 1980er startete ein "Netzwerk über antike Schmelztechniken" mit Kollegen aus den USA, Australien und den Niederlanden. Hubertus Ullmann aus der Hubertushütte in Osterhofen war für Tanz sozusagen der "immer hilfsbereite Glasvater".

Heute ist Detlef Tanz selbst ein weltweit anerkannter Glasexperte. Er gestaltete die Lichtdecke im Parlament in Barcelona, schuf Wandreliefs im Nationalmuseum sowie im Ropongi-Hill-Tower (4,5 Tonnen geschmolzenes Glas) in Tokio und gestaltete die Außenanlagen der Bundespressekonferenz in Berlin mit Glaskunst aus dem Kreis Heinsberg. 5000 Quadratmeter groß ist die Außenfassade "Bild und Glas" an der Radio-und Fernsehanstalt in Hilversum (NL), 2400 Quadratmeter umfassen die 1600 Glaselemente der Fassade des neuen Anbaus des British Museum in London.

Den Namen Detlef Tanz liest man in Lehrauftragslisten für Glas an den Hochschulen in Dortmund, Düsseldorf, Bergen und Oslo (Norwegen) sowie in Swansea (Wales). Neben weltweiten Seminaren ("So an die Tausend werden es wohl sein") ist er in der Beratung und Entwicklung auf höchstem (Glas)Niveau u.a. für die norwegische Ölindustrie tätig.

(h.g.)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wegberg: Der Weg vom Glaslehrling zum Glasmeister


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.