| 00.00 Uhr

Wegberg/Erkelenz
Eiche verfehlt Autofahrerin knapp

Sturmtief "Burglind" trifft mit Orkanböen auf NRW
Sturmtief "Burglind" trifft mit Orkanböen auf NRW FOTO: Oliver Berg/dpa
Wegberg/Erkelenz. Schwerpunkt der Sturmeinsätze für die Feuerwehren im Kreisgebiet war Wegberg. Zehn Mal rückten ab dem frühen Morgen die Löschzüge aus. Auf der Venloer Straße fiel eine Eiche nur eine Sekunde hinter ein passierendes Auto. Von Gabi Laue, Angelika Hahn und Anke Backhaus

In der stürmischen verregneten Nacht zu gestern blieb die Region, trotz Orkanböen des Sturmtiefs Burglind, von größeren Schäden verschont. Die Feuerwehren berichteten übereinstimmend von Einsätzen, die überschaubar blieben und glimpflich verliefen - Schwerpunkte waren Heinsberg und Wegberg mit je zehn Einsätzen. Im Kreis Heinsberg musste die Polizei bis zum Vormittag zu 15 Einsätzen ausrücken, die durch den Sturm verursacht wurden. Dabei handelte es sich hauptsächlich um auf der Fahrbahn liegende Verkehrszeichen, Bauzäune und Mülltonnen. Drei parkende Autos wurden durch herabfallende Gegenstände beschädigt.

Zehn Sturmeinsätze gab es für die Wegberger Feuerwehr, dazu zwei Ölspuren. Spektakulärster Einsatz auf der Venloer Straße: Eine große Eiche war gegen 12.20 Uhr vom Sturm gefällt auf die Straße gestürzt und verfehlte um Haaresbreite den Wagen einer Autofahrerin, die nach Feuerwehrangaben in der Sekunde davor den Standort passiert hatte. Ihren gewaltigen Schrecken kann man nachfühlen, das Krachen des Baumes unmittelbar hinter dem Heck ließ den Puls der Fahrerin hochschnellen. Wegen des Schocks alarmierten die Ersthelfer auch den Rettungsdienst, doch die Frau konnte wieder beruhigt werden und musste nicht ins Krankenhaus.

Sturmtief "Burglind" fegt über NRW

Der Löschzug 1 Wegberg-Mitte, Verwaltungsstaffel und hauptamtlicher Dienst hatten keine lange Anfahrt, der Baum lag unweit der Feuerwache kurz hinter der Einfahrt zum Bus-Parkplatz hinter der Burg auf der Straße. Eine Stunde lang hatten die Einsatzkräfte damit zu tun, die für die Bergungsarbeiten voll gesperrte Venloer Straße freizuräumen. Auch der Baubetriebshof half dabei mit.

Der erste Einsatz führte nach Alarm um 6.32 Uhr ins Gewerbegebiet Wildenrath, wo die Unterführung Friedrich-List-Allee am Siemens Prüfcentrum voll Wasser stand. Etwa eine halbe Stunde säuberten die Einsatzkräfte die Entwässerungseinrichtung, dann konnte das Wasser durch die Kanalisation ablaufen. "Baum auf Fahrbahn" hieß der Notruf um 9.50 Uhr von der Straße Klinkumer Hof. "Beim Eintreffen sahen die Einsatzkräfte dann, dass eine Ecke der Giebelwand auf einem Pkw lag", berichtete Pressesprecher Frank Heinen. Die Hilfeleistung dauerte eine Stunde.

"Baum auf Oberleitung" hieß es in Arsbeck-Büch, Anton-Raky-Straße, um 10.13 Uhr und am Taubenweg um 13.26 Uhr. Die Feuerwehr sägte, der Baubetriebshof der Stadt kümmerte sich um das Holz, die NEW beseitigte die Störung. Bäume auf der Fahrbahn lagen außerdem in Berg, Hospitalstraße (13.11 Uhr) und Uevekoven, Grobenweg (13.47 Uhr). Im Merbecker Busch, wo schon am Neujahrstag ein gestürzter Baum aus der Oberleitung an der Kahrbahn gepflückt werden musste, beseitigte die Wehr gesten ab 10.37 Uhr wieder einen Baum vom Gehweg der Straße Im Merbecker Busch. Am Nachmittag, bei abflauendem Wind, rückte die Feuerwehr noch zu gefallenen Bäumen am Rebhuhnweg und in Petersholz, Robertson Drive, aus.

Dazu kamen nebenbei als "Tagesgeschäft" noch eine 800 Meter lange Ölspur in Dalheim-Rödgen (Alarm 14.11 Uhr, eine Stunde Abstreuen) und Büch, Burghofweg, wo nach Anruf von 15.16 Uhr knapp eineinhalb Stunden die Fahrbahn gestreut und gesäubert wurde.

Nur zwei Sturmeinsätze verzeichnete Stadtbrandinspektor Helmut van der Beek, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erkelenz. Um 5.47 Uhr gestern wurde ein Baum auf der Straße gemeldet - auf der L 277 in Höhe der Ortschaft Lützerath. In unmittelbarer Nähe - an der Kreuzung der Landstraßen 19 und 277 - zersägte die Feuerwehr mit Kettensägen einen weiteren Baum und räumte die Straße frei.

Wehrleiter Holger Röthling aus Wasssenberg bilanzierte gestern erleichtert nur vier kleinere Einsätze infolge des Sturms, darunter im Bereich Brabanter Straße und Herrschaftliche Heide in der Oberstadt und im Wald nahe des Jugendzeltplatzes Birgelen. Überwiegend handelte es sich allerdings um abgebrochenes Astwerk aus Kronen von Bäumen. Zu Sachschäden kam es nicht. Auch Menschen waren nicht in Gefahr.

Keine echte Gefahr auch auf der Parkhofstraße in Hückelhoven, wo sich am späten Mittag ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst aufstellte - vorsorglich. Nach Auskunft der Feuerwehr hatte ein besorgter Bürger angerufen, der meinte, auf dem ehemaligen Hertie-Grundstück könnte ein Baukran umfallen. "Der Kran wurde auf seine Standsicherheit geprüft, die Einsatzkräfte konnten wieder abrücken", hieß es in der Feuerwache.

Der Regionalverkehr zwischen Geilenkirchen und Aachen blieb noch über Nacht gestört. Nach Auskunft der Bahn fahren die Züge der Linien RE 4 und RB 33 voraussichtlich erst wieder Donnerstagmittag.

Quelle: RP