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Wegberg
"Ein herber Verlust für unsere Stadt"

Wegberg: "Ein herber Verlust für unsere Stadt"
Die Türen der Sankt Antonius Klinik Wegberg sind seit Freitag (2. Juni) verschlossen. Der Krankenhausbetrieb in dem 93-Betten-Haus wurde eingestellt. Die Entscheidungsträger der Wegberger Politik bedauern diese Entwicklung. FOTO: hec
Wegberg. Nach der Schließung des Wegberger Krankenhauses zeigen sich die Vorsitzenden der Ratsfraktionen betroffen. Sie hoffen, dass Perspektiven eröffnet werden - sowohl für die 70 Mitarbeiter als auch für den Standort an der Birkenallee. Von Michael Heckers

Die Betroffenheit ist riesig, nachdem Klinikchefin Dany Molz, Bürgermeister Michael Stock und der Ärztliche Direktor Dr. Gert Pattay in einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag die sofortige Schließung der Sankt Antonius Klinik verkündet haben. 70 Mitarbeiter des Wegberger Krankenhauses werden in den nächsten Wochen ihren Job verlieren. "Wir haben es zwar schon geahnt, wollten es aber nicht wahrhaben", lautete die erste Reaktion einer Krankenschwester, die seit 37 Jahren im Wegberger Krankenhaus arbeitet.

Als sie das Aus für die Sankt Antonius Klinik verkünden mussten, rangen Bürgermeister Michael Stock und Klinikchefin Dany Molz mit den Tränen. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass sich die Bürger der Stadt, zahlreiche Vereine sowie Stadtrat und Verwaltung in der 112-jährigen Krankenhausgeschichte immer wieder für den Erhalt des Krankenhauses eingesetzt haben. "Dieser Kampf ist nun leider verloren", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Wegberg. Die Entwicklungen im Gesundheitswesen und im Bedarfsplan der Krankenhäuser im Land ließen einen wirtschaftlichen Betrieb nicht weiter zu. Stock fordert alle Beteiligten dazu auf, zwei wichtige Aufgaben zu erledigen: Zum einen müsse dafür Sorge getragen werden, dass die Mitarbeiter einen gerechten Sozialplan erhalten. Zum anderen soll das Haus ein neues, in die Zukunft gerichtetes Konzept erhalten, das auch neue Arbeitsplätze schafft. "Wir denken besonders an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie an die Geschäftsführung der Klinik, die in den letzten Jahrzehnten den Betrieb - auch in schwierigen Zeiten - aufrechterhalten haben", erklärte Michael Stock. In den vergangenen Wochen und Monaten habe die Geschäftsführung den Stadtrat und die Verwaltung stets über aktuelle Entwicklungen informiert und einen offenen Dialog geführt. Der Krankenhausstrukturfonds versetze die Klinik in die Lage, die Schließung für die Beteiligten so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. So würden Aufwendungen für einen Sozialplan, Pensionen und erforderliche Baumaßnahmen übernommen. Die Mitarbeiter des Wegberger Krankenhauses haben laut Stock einen gerechten Sozialplan verdient. Dazu habe es in der Vergangenheit bereits Gespräche mit den Beteiligten auf vielen Ebenen gegeben. Zuletzt habe die Stadt ihre Position in einem Schreiben an das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW zum Ausdruck gebracht. Außerdem fordert Wegbergs Bürgermeister, dass Geschäftsführung, Rat und Verwaltung das Haus mit neuen Funktionen zukunftsgerichtet aufstellen und gemeinsame Konzepte für die Nutzung des Gebäudes entwickeln sollten. Dies solle auch dazu beitragen, dass dieses Haus in Zukunft weiterhin Arbeitsplätze für zahlreiche Menschen schafft.

Die Vorsitzenden der sechs Fraktionen im Rat der Stadt Wegberg äußern sich wie folgt zur Schließung der Sankt Antonius Klinik Wegberg:

Petra Otten, Vorsitzende der CDU-Fraktion: "Die CDU bedauert die Schließung des Krankenhauses außerordentlich, weil damit die wohnortnahe Erstversorgung der Bürger erschwert wird. Unser besonderes Mitgefühl gilt den Mitarbeitern, die jetzt von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Wir vertrauen allerdings auf die Aufstellung und Genehmigung des Sozialplans in der Form, wie sie bei einer Vorbesprechung bei der Bezirksregierung im Dezember signalisiert wurde. Wir haben kein Verständnis für die Verzögerung durch die Bezirksregierung und die damit verbundene Verunsicherung der Mitarbeiter, denen unser Dank für ihren Einsatz gilt. Die zukünftige Nutzung des Krankenhauses mit pflegerischen und medizinischem Inhalt ist uns sehr wichtig, dafür werden wir uns einsetzen."

Ralf Wolters, SPD: "Die SPD-Fraktion bedauert es sehr, dass durch die Schließung des Krankenhauses die stationäre medizinische Grundversorgung in Wegberg wegfällt. Sehr bedrückend ist für uns die Situation der 70 Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Wir hoffen auf einen gerechten Sozialplan, der die schlechte Lage der Mitarbeiter der Sankt Antonius Klinik etwas abfedert. Wir hoffen ebenso sehr, dass die beantragten Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds letztendlich auch fließen und die angedachten Pläne für die Nachfolgenutzung, auch mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, umgesetzt werden können. Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Wegberg wird alles ihr Mögliche tun, die Verantwortlichen bei der Verwirklichung ihrer Pläne zu unterstützen."

Nicole von den Driesch, Alternative für Wegberg: "Mit großer Betroffenheit haben wir von Sachzwängen Kenntnis nehmen müssen, die zur Schließung des Wegberger Krankenhauses geführt haben. Die Schließung der Sankt Antonius Klinik ist ein herber Verlust für unsere Stadt, daran gibt es nichts schönzureden. Auch wenn dieser Schritt allen Beteiligten nicht leicht gefallen ist, gelten unsere Gedanken insbesondere den Beschäftigten, die vom Abbau der Arbeitsplätze betroffen sind."

Christoph Böhm, FDP: "Es ist sehr schade, dass ein Kapitel Wegberger Geschichte mit der Schließung der Klinik vorbei ist. Ich bedauere den Verlust der stationären Grund- und Regelversorgung für alle Wegberger und den Verlust von 70 Arbeitsplätzen im Stadtgebiet. Alle Verantwortlichen müssen nun gemeinsam dafür Sorge tragen, dass am heutigen Standort der Klinik eine sinnvolle und zukunftsgerichtete Folgenutzung möglichgemacht wird. Die FDP-Fraktion wird diesen Prozess ergebnisoffen und konstruktiv begleiten."

Christiane Merz-Valsamidis, Bündnis 90/Die Grünen: "Die Schließung der Klinik resultiert aus einer desaströsen Entscheidung des damaligen Wegberger Stadtrates und der Bürgermeisterin, das Krankenhaus im Jahr 2005 an Dr. Arnold Pier zu verkaufen. Damals wie heute sind die Mitarbeiter diejenigen, die auf der Strecke bleiben. Waren sie es doch, die in den letzten Jahren den Krankenhausbetrieb unter schwierigsten Bedingungen aufrechterhalten haben. Dafür unsere tiefe Hochachtung und unseren Respekt. Es gilt nun, Anstrengungen zu unternehmen, mit der Bezirksregierung und dem Land als Entscheidungsebene an einer sozialen und humanen Perspektive für 70 Mitarbeiter und ihre Familien mitzuwirken, wie auch immer diese gestaltet werden können. Das ist unsere politische und moralische Verpflichtung."

Thomas Nelsbach, Freie Wähler: "Wir kritisieren die Über-Nacht-Schließung des Krankenhauses. Die Geschäftsführung, so wie wir sie kennen, wird der Verantwortung gegenüber ihrem Personal und den Patienten nicht gerecht. Bei sorgfältiger Planung könnten einige Mitarbeiter an andere Krankenhäuser wechseln, statt sie in die Arbeitslosigkeit zu entlassen. Gegenüber der Bevölkerung stehen wir in der Pflicht, so viel medizinische Grundversorgung wie möglich zu gewährleisten. Hier sehen wir den Kreis Heinsberg in der Verantwortung."

Quelle: RP
 
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