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Wegberg
Eine Welt voll einmaliger Exponate

Wegberg: Eine Welt voll einmaliger Exponate
Ralf Dichans wurde mit zehn Jahren zum ersten Mal mit auf ein Eisenbahn-Stellwerk genommen. Die Geräusche und der Geruch von Öl und Fett haben ihn seither nicht mehr losgelassen - aus ihnen entwickelte sich eine Sammlerleidenschaft. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. 30 Jahre hat Ralf Dichans Stellwerke, Signale und Telefone der Deutschen Bahn gesammelt, die diese ausmustern wollte. Er hat sie gepflegt und kann sie in seinem Keller - kombiniert mit Modelleisenbahnen - immer noch zum Leben erwecken. Von Andreas Speen

Ralf Dichans besitzt einen Keller, der einmalig ist. Selbst jemand, der keinerlei Bezug zu Eisenbahnen besitzt, gerät darüber ins Staunen - dem Dichans wiederum mit einem fröhlich Lächeln und einem "Ist schon irre, oder?" begegnet.

30 Jahre lang hat Ralf Dichans Stellwerke, Signale, Tafeln, Telefone, Gaslaternen und Gleispläne der Deutschen Bahn gesammelt, die diese ausmustern wollte. Er hat sie entrostet, gestrichen und, wenn nötig, verkabelt, so dass er alle elektrischen Geräte heute noch in seinem Keller zum Leben erwecken kann. Damit aber nicht genug: Zwei Modelleisenbahnanlagen im H0-Format hat er darüber hinaus teilweise mit den großen Gerätschaften der Deutschen Bahn verknüpft.

Einen Kellerraum nach dem anderen hat Ralf Dichans in seinem Haus in Beeckerheide in den vergangenen drei Jahrzehnten für sein Hobby eingenommen. 60 Quadratmeter seien es inzwischen, auf denen er Bahngeschichte nachgebaut habe, sagt er. Dass damit eine fehlerhafte Rechnung aufgemacht wird, ist jedem Besucher sofort klar. Da sich die Fundstücke und Modellbahnen auf dem Boden, an den Decken, an den Wänden sowie auf Tischen im Raum befinden, wäre das Raumvolumen die passendere Angabe, um diesen Eisenbahn-Museumskeller zu bemessen. "Die Zeit des Sammelns ist jetzt aber vorbei", sagt Dichans. Profitiert habe er dabei von guten Beziehungen zu Eisenbahnmitarbeitern und zu den Signalwerkstätten in Wuppertal. "Inzwischen habe ich alles aufbereitet, mein Lager ist leer. Jetzt ist die Zeit der Wartung, des Erhalts und des Betriebs gekommen", fügt er an, lässt Signaltöne erklingen und Signale aufleuchten, sowohl jene in Originalgröße als auch die seiner Modellbahnen.

Im Keller von Ralf Dichans verschwimmen die Dimensionen. Dort stehen zwei Modellbahnanlagen, auf denen bis zu drei Personen gleichzeitig 20 Züge, mit Geräuschen und Licht, nach Fahrplan steuern können, die teilweise auf zwei Ebenen unterwegs sind und die über Gleisspiralen miteinander verbunden sind. In dieser Dimension ist alles klein. In der anderen Dimension ist alles groß, eben original. Hier hat Ralf Dichans Bundesbahnlautsprecher, Gleispläne von Bahnhöfen wie Rheydt und Uerdingen, einen Bundesbahnschreibtisch, alte mechanische und elektromechanische Stellwerke sowie ein Gleisbildstellwerk zusammengetragen. Und weil das Hobby auch vor Urlauben nicht Halt macht, lassen sich auch eine Gaslaterne aus einem schwedischen Zug, Schilder der British Railway oder lettische und ungarische Weichenlaternen in seinen Kellerräumen finden. Mit mehr als 1000 Fotos hat der gebürtige Baaler dokumentiert, woher die Stücke kommen. "Hier steckt unendlich viel Zeit drin", erzählt Ralf Dichans mit einem "Ist schon irre, oder?"-Lächeln und fügt an, dass er diese Zeit nie als Arbeit empfunden habe. Neben anderen Dingen wie Familie mit inzwischen erwachsenen Kindern, seinem früheren Beruf als Lehrer am Gymnasium Rheindahlen und seinen Gitarren sei der Aufbau seiner Eisenbahn-Sammlung immer nur ein Hobby gewesen. Ein Hobby, das im Alltag mit Familie und Lehrerberuf, außer der Sammlerleidenschaft allerdings noch weitergehende Funktionen einnimmt, wie Dichans einräumt. Im ersten Stock seines Hauses lasse er die E-Gitarren gerne mal krachen, im Keller hingegen sei es "ein bisschen wie in einer heilen Welt, in der ich gestalten kann, was in der gemacht wird". Eine Welt, die allein aufgrund ihrer Exponate einmalig ist.

Quelle: RP
 
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