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Wegberg
Es läuft wieder rund in der Schrofmühle

Wegberg: Es läuft wieder rund in der Schrofmühle
Mühlenbauer Peter Verstraten (links) vom niederländischen Unternehmen Beijk sichert im Beisein von Mühlenchef Dr. Ferdinand Schmitz die zweieinhalb Tonnen schweren Mahlsteine mit Flaschenzügen, um die notwendigen Reparaturarbeiten am Kollergang der Schrofmühle in Rickelrath gefahrlos vornehmen zu können. FOTO: Ruth Klapproth
Wegberg. In Rickelrath sind seltene Arbeiten zu sehen: Ein niederländischer Mühlenbauer repariert den Kollergang der Schrofmühle. Von Michael Heckers

Den prüfenden Blicken von Vater und Sohn entgeht nichts. Mit Sorge sahen die beiden Mühlenherren, dass die beiden tonnenschweren Mahlsteine im Kollergang der Rickelrather Schrofmühle zuletzt unrund liefen. Sie baten das niederländische Mühlenbauunternehmen Beijk aus dem niederländischen Afferden um Hilfe. Jetzt bringen die Mühlenexperten aus Limburg den Kollergang in der Schrofmühle wieder auf Vordermann. Zum Saisonauftakt am 23. April, wenn die Mühle nach der Winterpause wieder ihre Tore für Besucher öffnet, präsentiert sich das Mahlwerk wieder in tadellosem Zustand.

Rund 40 Wassermühlen lagen früher an der Schwalm und ihren kleinen Nebenbächen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war Wegberg das Zentrum der Leinölgewinnung. Welch hohe Bedeutung das Tal der Mühlen damals hatte, lässt sich daran ablesen, dass hier die Preise bestimmt wurden und diese selbst in Antwerpen und Köln Gültigkeit hatten. Viele der alten Mühlen sind bis heute erhalten geblieben. Sie dienen als Gaststätten oder Restaurants. Nur die Schrofmühle hat noch ihr funktionierendes Getreidemahlwerk mit zwei funktionstüchtigen Mahlgängen und einem Sackaufzug sowie eine vollständig eingerichtete Ölmühle mit Kollergang, Leinölofen, Rührwerk und Ölpresse. Sie gilt deshalb als eine der best erhaltenen Wassermühlen und einzige funktionstüchtige Getreide- und Ölmühle im Rheinland - ein Verdienst von Familie Schmitz. Mit großer Leidenschaft halten Ferdinand und sein Vater Theo das Mahlwerk im Inneren der Mühle in Schwung und sorgen dafür, dass sich draußen wie zu Urgroßvaters Zeiten das Mühlrad dreht. Die Mühle wurde 1558 erstmals erwähnt. Sie diente als Öl- und Kornmühle (ab 1771) und ist eine von ehemals fünf Wassermühlen, die am Mühlenbach betrieben wurden. Bis 1950 wurde sie gewerblich genutzt.

Seit 1970 bemühen sich Theo Schmitz und seine Familie darum, die jahrhundertealte Technik in der Schrofmühle in Schuss zu halten. Weil schon seine Großeltern die Mühle betrieben haben, fühlt er sich ebenso wie sein Sohn Ferdinand mit dem geschichtsträchtigen Kleinod am Mühlenweiher eng verbunden. Das Wasserrad aus Holz, der ganze Stolz der Mühlenbesitzer, wurde zuletzt im Jahr 2002 erneuert. "Bald brauchen wir ein Neues", sagt Ferdinand Schmitz, als er auf die unterschlächtige Holzkonstruktion blickt, bei der das Wasser von unten auf das Mühlrad trifft und mit seiner Energie die ausgefeilte Technik im Inneren der Mühle antreibt, "das ist dann das nächste Projekt."

2004 wurde der Förder- und Museumsverein Schrofmühle Rickelrath gegründet. Dessen Ziel ist es, "das Kulturdenkmal Schrofmühle in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen und in Stand zu halten. Die Stadt Wegberg fördert das Kulturdenkmal in diesem Jahr mit 4000 Euro, 2018 werden es nur noch 3000 Euro sein. Früher waren es mal 6500 Euro, doch die Mühlenstadt steckt im Haushaltssicherungskonzept und muss dringend sparen. "Es ist sehr schön, dass die Stadt Wegberg ihre Förderung aufrecht erhält. Ich würde mich freuen, die Ratsleute und den Bürgermeister mal zu einer Besichtigung in der Schrofmühle begrüßen zu dürfen", sagt Ferdinand Schmitz.

Am Sonntag, 23. April, hätten sie das nächste Mal Gelegenheit dazu, das faszinierende Zusammenspiel der riesigen, aus dem Jahre 1771 stammenden Zahnräder mit den Antriebswellen und den tonnenschweren Mahlsteinen zu erleben. Dann startet in der Schrofmühle die Mühlensaison 2017. Mit einem Kollergang, der sich den Besuchern nach der aufwändigen Reparatur wieder in Bestform präsentiert. 80 bis 100 fachkundliche Führungen mit 2000 bis 3000 Besuchern bietet die Familie jedes Jahr an.

Als Mühlenbauer Peter Verstraten (57) eine Armierung an einem der beiden zweieinhalb Tonnen schweren Mühlsteine austauscht und dabei Teile des Kollergangs auseinanderbaut, schauen Theo und Ferdinand konzentriert zu. "Das ist auch für uns ein seltener Anblick, in diesem Zustand sehen wir den Kollergang nicht so oft", sagt Ferdinand Schmitz. Das letzte Mal war dies 2005 der Fall. Auch damals war es Peter Verstraten mit seinem Team, der die alte Ölpresse mit viel Mühe, Geduld und handwerklichem Geschick funktionstüchtig machte. Ferdinand Schmitz kann sich noch gut an den Moment vor zwölf Jahren erinnern, als nach so langer Zeit des Stillands wieder die ersten Tropfen Öl aus der Presse tropften. "Dat is dure olie", habe Peter Verstraten gerufen - das ist teures Öl. Seitdem kann Familie Schmitz ihren Besuchern die Kunst des Ölpressens präsentieren und hält damit ein wertvolles Stück heimatlicher Kulturgeschichte in Erinnerung.

Quelle: RP
 
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