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Andreas Theissen
Für eine differenzierte Stallpflicht

Andreas Theissen: Für eine differenzierte Stallpflicht
FOTO: Laaser Jürgen
Erkelenz. Die permanente Stallpflicht für Geflügel bringt die Hobbyzucht in Gefahr. Das sagt Andreas Theißen, Vorsitzender von den Merbecker Geflügelliebhabern. Er hält eine differenzierte Ursachenforschung zur Geflügelpest und Vogelgrippe für überfällig.

Mitte März wurde die Stallpflicht für Geflügel in Wegberg aufgehoben. Was ist aus Sicht von Hobbyzüchtern das Problem bei der Stallpflicht?

Andreas Theissen Die Stallpflicht stellt für die Tiere einen riesigen Stressfaktor dar: Sie bekommen weniger natürliches Licht und sind in der Bewegung eingeschränkt. Bemerkbar macht sich das in erster Linie an der deutlich reduzierten Legeleistung. Die diesjährige Nachzucht wird zum reinen Lotteriespiel. Um die Stallpflichtfolgen für die Tiere klarer bewerten zu können, hat der Bund Deutscher Rassegeflügelverbandzüchter jetzt einen wissenschaftlichen Forschungsauftrag erteilt. Fakt ist: Viele Hobbyzüchter müssen ihren Bestand reduzieren, wenn die Stallpflicht angeordnet wird. Manche haben ihr Hobby deshalb leider auch schon komplett aufgegeben, weil sie die permanente Anordnung der Stallpflicht im Sinne der Tiere nicht akzeptieren.

Was bedeutet die Stallpflicht für Ihren Verein, die Geflügelliebhaber Merbeck 1983?

Theissen Wir haben wie die anderen Geflügelzuchtvereine auch keine Planungssicherheit mehr. Es kann ja jederzeit wieder eine Stallpflicht angeordnet werden. 2016 sind alleine im Rheinland 30 geplante Ausstellungen ausgefallen. Wegen der Stallpflicht im Zusammenhang mit der Geflügelpest. Das ist für die Vereine ein Riesenproblem.

Fordern Sie eine differenzierte Betrachtung von Massentierhaltung und Hobbyzucht?

Theissen Ja, denn die Geflügelpest oder Vogelgrippe wird ja üblicherweise nicht bei den Tieren der Hobbyzüchter festgestellt, sondern bei Wildvögeln und in der Massentierzucht. Dass die Stallpflicht generell verordnet wird und für alle gilt, ist ein großes Problem für die Hobbyzüchter. Außerdem fordern wir seit langem, dass keine gesunden Tiere gekeult werden.

Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen?

Theissen Seit zehn Jahren müssen wir Hobbyzüchter unter den Konsequenzen der Vogelgrippe und der damit verbundenen Stallpflicht leiden. Wir sind mittlerweile auf dem Weg zur klinischen Tierhaltung, aber wir wissen immer noch nicht, wo die tatsächlichen Gründe für die Vogelgrippe sind. Deshalb wird es allerhöchste Zeit, dass wir eine ernsthafte und differenzierte Ursachenforschung betreiben, aus den Ergebnissen die richtigen Schlüsse ziehen und dann Maßnahmen ergreifen, die verhältnismäßig sind.

Wer kann Ihrer Ansicht nach zu einer Lösung beitragen?

Theissen Wir brauchen einen Schulterschluss aller Beteiligten und ein grundsätzliches Umdenken bei der Gesetzeslage. Das permanente Anordnen von Stallpflicht und das großflächige Wegkeulen von Tieren, wie es heute üblich ist, ist nicht der Lösungsweg. Anerkannte Fachleute bezweifeln immer wieder, dass der Vogelflug Grund für die Verbreitung der Vogelgrippe ist. Es kommen auch andere Möglichkeiten in Betracht, dabei sollten vor allem mal die Transportwege von Geflügel genauer untersucht werden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort?

Theissen Die verantwortlichen Personen vor Ort können nichts für die verbesserungswürdige Gesetzeslage. Bei uns gibt es seit Jahren eine ausgezeichnete und konstruktive Zusammenarbeit mit Dr. Hans-Helmut Ahlborn und Susanne Wolter vom Veterinäramt des Kreises Heinsberg.

Was geschieht, wenn sich nichts ändert?

Theissen Das Hobby Rassegeflügelzucht wird verschwinden. Das wäre sehr schade, denn besonders im ländlichen Raum entscheiden sich immer mehr Menschen - vor allem Familien, Rentner - ganz bewusst dafür, eigene Tiere zu halten. Die Bereitschaft bei den Hobbyzüchtern Geflügel zu halten ist in den letzten fünf Jahren stark gestiegen. Der Bedarf an Beratung zur Geflügelzucht ist gleichermaßen gestiegen, das zeigt sich in den vielen telefonischen Anfragen und Gesprächen. Die Leute sind auf dem richtigen Weg, und wir wollen sie dabei unterstützen.

Spielt bei der Hobbyzucht auch das Thema Ernährung eine Rolle?

Theissen Ja, sogar eine wesentliche, denn das Frühstücksei aus dem eigenen Hühnerstall bedeutet für viele Menschen pure Lebensqualität. Das hat mit einem steigenden Bewusstsein für gesunde Ernährung zu tun. Manche betreiben Hobbyzucht aus ethischen Gründen. Sie setzen damit ein Zeichen gegen Massentierhaltung und die Folgen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Geflügelliebhaber Merbeck?

Theissen Unser Verein ist im positiven Sinne im Umbruch. Wir zählen hoch motivierte Leute in unseren Reihen, die sich der Rassegeflügelzucht als Hobby widmen. Wir haben eine zahlenmäßig und aktive Jugendgruppe und der Nachwuchs ist bekanntlich die Zukunft eines Vereins. Mit dem Böscherhof von Familie Jans in Venheyde haben wir außerdem ein neues Domizil für die große Grenzlandschau mit 500 Tieren gefunden. Am 28. und 29. Oktober 2017 werden wir dort ein neues Konzept mit dem Schwerpunkt "Landschau" umsetzen - sofern uns nicht wieder die Stallpflicht einen Strich durch die Rechnung macht.

MICHAEL HECKERS STELLTE DIE FRAGEN; RP-FOTO: LAASER (ARCHIV)

Quelle: RP
 
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