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Wegberg
Fulminante Premiere - auch dank Heimvorteil

Wegberg: Fulminante Premiere - auch dank Heimvorteil
Christian Pape gab im Wegberger Forum den sympathischen Beecker Jung mit viel Lausbubencharme. FOTO: Jörg Knappe
Wegberg. Im Forum spielte Comedian Christian Pape sein neues Programm "Das riecht nach Heimat". Der "Beecker Jung" riss das Publikum voll mit. Von Mario Emonds

Es kommt nicht so häufig vor, dass ein Comedian den Titel seines Programms im Programm selbst konsequent einlöst - häufig dient ein plakativer Titel in erster Linie dem Selbstmarketing. Das ist bei "Das riecht nach Heimat", Christian Papes drittem Soloprogramm, anders.

Beim Premieren-Heimspiel im ausverkauften Forum riss der "Beecker Jung" von der ersten Minute an das restlos begeisterte Publikum voll mit - nicht nur, weil er die Zuschauer in ausgeprägter Weise mit einbezog, sondern auch inhaltlich über reale Personen und Vorkommnisse aus seinem geliebten Heimatort reflektierte. Was stark autobiografische Züge einschloss.

Vor allem aber demonstrierte Pape wieder, dass er den Dialog mit "seinem" Publikum über alles liebt. Ständig ließ er es von ihm angefangene Sätze vollenden, freute sich dann scheinbar diebisch, dass dies gelang, reckte zufrieden die Faust. Im Publikum entdeckte er auch seine eigene Grundschullehrerin, die Lehrerin seiner Tochter, sprach sie an - was in spezieller Form für seinen Friseur Matthias galt, dem er gar eine längere Passage widmete. Auf dieser Klaviatur verstand Pape meisterlich zu spielen - das wirkte bei ihm nicht aufgesetzt, sondern aus ehrlichem Herzen kommend.

Das galt auch für die starke Schlusspassage, in der Pape fern von Gags glaubwürdig den wertkonservativen Moralisten herauskehrte. Da geißelte er die allseits um sich greifende "Eventisierung" ("feiert bodenständig!") und setzte sich mit einfachen Worten einfühlsam in die Menschen hinein, die durch den Tagebau ihre Heimat verlieren ("Heimat kann man nicht umsiedeln. Heimat sind Erinnerungen, Sitten und Rituale"). Passend dazu stimmte er gleich zweimal das Lied mit dem Refrain "Heimat riecht nach Gülle, Hühnerstall und Mist" an - auch zum Abschluss.

Und wie schon beim Vorgängerprogramm sorgte Dr. Stefan Bimmermann für die musikalische Begleitung, machte kein einziges Mal selbst den Mund auf, hielt wieder als Prügelknabe her, ertrug Papes Bemerkungen ("dem zittern schon die Knie, wenn er zur Oktav nach Holtum muss") mit stoischer Ruhe.

Gemeinsam führten sie vor der Pause den holländischen Stepptanz auf Klompen auf - eine bewährte Nummer aus dem Karnevalsprogramm. Aus seinen früheren Soloprogrammen kredenzte Pape noch einmal die "Ritzenfresse" und seine Messdiener-Abenteuer. Den auf dem Frauenklo durch intensives Nachschminken entstehenden Stau verglich er mit einem "Autobahn-Stau wegen Markierungsarbeiten" - und erlaubte sich auch mal eine frivole Bemerkung, als er auf sexuelle Eskapaden beim Beecker Schützenfest zu sprechen kam: "Die Hälfte der Beecker Bevölkerung ist hinterm Festzelt gezeugt worden."

Das waren aber Ausnahmen. Generell gab Pape den sympathischen Beecker Jung mit viel Lausbubencharme. Dass im Unterschied zu den beiden Vorgängern Christian Macharski an Papes neuem Programm nicht mehr mitgeschrieben hat, merkte man deutlich - die für Macharski typischen Pointen im Nachsatz fehlten nun fast völlig.

Fazit: Heimische Lokalpatrioten kommen bei "Das riecht nach Heimat" voll auf ihre Kosten. Um damit aber auch auf den Kabarettbühnen in Düsseldorf, Köln oder Bonn zu reüssieren, wird Christian Pape das stark auf die reale eigene Heimat zugeschnittene Programm ein wenig "anpassen" müssen. Ein verräterischer Satz entfiel ihm angesichts der Beifallsstürme im Forum dazu selbst: "Dat is heimisch - die klatschen für alles."

Quelle: RP
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