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Heimat genießen - in Wegberg
Geschichte der Heimat neu entdecken

Heimat genießen - in Wegberg: Geschichte der Heimat neu entdecken
FOTO: Joerg Knappe
Erkelenz. Gästeführerin Alwine Storms lässt bei ihren Führungen in Tüschenbroich die jahrhundertealte Geschichte von Mühlen, Schloss und Ulrichskapelle lebendig werden. Von Nicole Peters

Bei strahlendem Sonnenschein kamen knapp 40 Wissbegierige, um sich von Alwine Storms vor die Tüschenbroicher Mühle und Ölmühle, an den Mühlenweiher sowie zur Ulrichskapelle führen zu lassen. Im hellen langen, vorne mit einer grünen Kordel geschnürten Kleid und braunem bodenlangem Umhang mit Kapuze ließ sie die Geschichte des Schloss-Ensembles rund um den Mühlenweiher lebendig werden. Das Wasserrad am alten Tüschenbroicher Mühlengebäude sei als eines von wenigen oberschlächtig, merkte Alwine Storms dort an. Ursprünglich habe es vor etwa tausend Jahren vor allem kirchliche und adlige Mühlenbesitzer gegeben. Sowohl die jahrhundertealte Kornmühle als auch die in Sichtweite liegende Ölmühle seien Mühlen gewesen, deren Nutzung den Bürger vorgegeben wurde. Eine Schankwirtschaft besteht seit 1863. Die Bauern warteten hier während des Mahlvorgangs, und Städter kamen zur Naherholung und zum Kahnfahren. Storms zeigte die Abbildung eines Biergartens, der Ende des 19. Jahrhunderts sehr beliebt war. Also einer mehr als hundertjährigen Tradition folgend, saßen an diesem Nachmittag Erholungssuchende hinter großen Panoramafenstern im angebauten Restaurant oder genossen das herrliche Wetter auf der Terrasse, mit Blick auf das Wasser, die Ölmühle und historische Schlossanlage. Wie in vergangener Zeit zogen Kähne rund um die Motteanlage unermüdlich ihre Runden, und es ließen die Insassen mit Muße und Freude ihre Blicke schweifen.

Die vornehme Kleidung habe sie ganz bewusst und passend zum hochherrschaftlichen Schlossgebäude ausgewählt, erzählte Storms auf dem Weg zur Ölmühle. "Nur wenn es lausig kalt ist, gehe ich als arme Bäuerin." Auf Frage nach ihrer Motivation, Führungen anzubieten, hat sie eine klare Antwort: "So viele Menschen gehen regelmäßig wandern und haben keine Ahnung von der Historie." Vor zehn Jahren hat Alwine Storms eine Ausbildung zur Gästeführerin absolviert - unter dem Titel "Starke Frauen braucht die Region" hatten Heinsberger Tourist Service und Kreis-Volkshochschule ein Projekt gestartet, an dem sie teilnahm.

Im Weiteren tauchte die Gruppe tiefer in die historischen Begebenheiten ein. Von der Blütezeit des Ölausschlagens Ende des 18. Jahrhunderts erfuhren sie unter anderem vor der Ölmühle mit unterschlächtigem Mühlrad. Am Mühlenweiher betrachteten alle den seit dem 17. Jahrhundert bestehenden westlichen Wohnhausflügel, den Nordturm sowie die Teile des früheren mächtigen Südturms, während Storms mit Geschichten und Abbildungen die Zeit des Burgbaus auf der Motte im Wasser sowie die Lebensverhältnisse der Dorfbewohner und Schlossbesitzer lebendig werden ließ.

Den mit rund 280.000 Schubkarrenladungen Erde aufgeschütteten bewachsenen Erdhügel und die alterwürdigen Gebäude sahen die Besucher infolgedessen mit neuem Blick und viel Interesse an. Von eigenen Erinnerungen an Kindheitstage berichtete Teilnehmerin Regina Mölders, die mit Marlies Müller dabei war. Währenddessen gingen alle auf dem Waldweg Richtung Geneiken zur Ulrichskapelle, in der sie die drei Sagen zu deren Bau hören sollten. "Als Kinder sind wir Anfang bis Mitte der 50er Jahre von Arsbeck aus mit dem Fahrrad zum Schwimmen hergefahren", sagte Mölders. "Damals war das heutige Becken für Angler neben der Ölmühle ein Freibad mit naturbelassenem dunkelbraunem Wasser, das erdig roch." Später sei sie in dieser Gegend viel mit ihrem aus Tüschenbroich stammendem Mann spazieren gegangen. Aber: "Man wohnt hier und kennt nicht richtig die Geschichte. Jetzt nehme ich mir die Zeit dafür, und auch die Führung mit Frau Storms durch Wegberg hat mir gut gefallen."

Quelle: RP
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