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Wegberg
Gesellschaftsphänomene unter die Lupe genommen

Wegberg. Der preisgekrönte Kabarettist Jens Neutag brillierte in der Wegberger Mühle mit seinem Programm "Das Deutschland-Syndrom".

"Das Deutschland-Syndrom" heißt Jens Neutags sechstes Soloprogramm, mit dem er in der Wegberger Mühle Station machte. Eine ganze Reihe von Fragen warf der preisgekrönte Kabarettist, der sich seit dem Jahr 1994 auf deutschen Bühnen mit den Skurrilitäten des Alltags befasst, darin auf. Ebenso ließ er seine Zuhörer an vielen Beobachtungen teilhaben, die auf lokaler Ebene bis nach Roermond oder Niederkrüchten reichten. Zur Freude des Publikums, das sich beim von der Stadt veranstalteten Programm bestens amüsierte.

Dass alle sich derzeit über Horrorclowns aufregten, könne er beispielsweise nicht verstehen, stellte Neutag fest - schlecht bemalte Spezies, die sich im Halbdunkeln aufhalten, kenne er bereits von den Herrensitzungen im Karneval. Zur Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der Flüchtlingspolitik zurücktreten sollte, stellte er eine Gegenfrage: Wer sollte da nachfolgen? Das junge politische Talent Heiner Geißler etwa oder Volker Bouffier? Sowieso hätten die Deutschen schon eine Menge integriert - etwa Joachim Gauck in die Politik oder Til Schweiger in die Schauspielerei. Spätestens nach seinen Erläuterungen zu Online-Petitionen kam Jens Neutag zu dem Schluss, dass auf alle Bürger die Diagnose "Deutschland-Syndrom" zutreffe. Beim "Nölen per Mausklick" würden nämlich die Nutzer die eine Hand bis zum Anschlag in der Chipstüte versenken, während sie mit der anderen für ein "Raus mit Helene Fischer aus den Audio-Charts" stimmten. Spontanes Gelächter war darüber von den Zuschauern zu hören.

Ein anderes Reizthema sei der Anstieg des Benzinpreises. Um beim Spritkauf drei Cent pro Liter zu sparen, werde viel herumgefahren. Die Krankenhaus-Zusatzkosten für die Behandlung des dadurch entstandenen Magengeschwürs ständen der Ersparnis bei 1000 getankten Litern gegenüber. Widersprüchlichkeiten deckte der Kabarettist ebenfalls beim Bestellen von Socken im Internet auf. Oder beim Panikeinkauf vor den Feiertagen, bei denen Einkaufswagen in die Hacken gefahren und Ellbogen an der Käsetheke aufgefahren würden. Immer lauter regte Neutag sich angesichts der Vielzahl an Symptomen auf, um direkt im Anschluss festzustellen, dass er sich bereits in Therapie befinde. Ruppig und laut schilderte er ebenso die Ausnahmesituation beim Einkaufen im "Outlet-Center" in Roermond, bei der EC-Karten als Waffen von der Armada deutscher Schnäppchenjäger eingesetzt würden und eigentlich alle diejenigen Strafen verdienten, die nicht vor der eigenen Haustür einkaufen gingen. Wechselnde Rollen nahm Neutag ein, so als Alt-SPD-ler beim Schwelgen in Erinnerungen an leidenschaftliches politisches Engagement. Eines der "Arschlöcher", die zu früh zu Geld kamen und sich aufgrund ihres Einkommens bis zum Schluss die hohen Mieten in den Großstädten leisten könnten, stellte er mit Brille, geschlossenem Jackett und affektiertem Stimmfall nach.

Mit vielen weiteren Beispielen ging er den Fragen auf den Grund, ob das Deutschland-Syndrom gefährlich sei, es davor einen Schutz gebe oder was bei Einnahme von Medikamenten zu beachten ist.

(cole)
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