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Wegberg
Haus Waldquelle: optimistisch in die Zukunft

Wegberg: Haus Waldquelle: optimistisch in die Zukunft
Ein Haus für die Kinderbetreuungsangebote wird zurzeit neu gebaut. Ende September soll der Bau bezogen werden. FOTO: Joerg Knappe
Wegberg. Das Kursanatorium für Mütter und Kinder in Dalheim hat die Krise 2011 überwunden. Das Reha-Angebot ist heute gefragter denn je. Von Angelika Hahn

Zurzeit herrscht ungewohnte Ruhe auf dem Gelände von Haus Waldquelle in Dalheim, dem Kur- und Rehabilitationszentrum für Mütter und Kinder in Trägerschaft des Ev. Vereins für Müttergenesung Mönchengladbach. "Zwischen Weihnachten und der zweiten Januarwoche sind Betriebsferien", erläutert Geschäftsführer Marcus Bierei, der wie einige Mitarbeiter der Haustechnik allerdings keine Ferien macht und die Ruhe nutzt, um uns über das weitläufige Gelände zu führen, auch zur Baustelle für das neue Kinderhaus, das Ende September fertig werden soll.

Geschäftsführer Marcus Bierei vor der Reihe der Kinderfahrräder im Haus Waldquelle, die nach den Betriebsferien der Einrichtung ab 6. Januar wieder eifrig genutzt werden. Rund 50 Kinder bis etwa zwölf Jahre begleiten ihre Müttergruppen bei den Kur-einheiten. FOTO: Joerg Knappe

Am 6. Januar, so ist zu erfahren, wird die erste Mutter-Kind-Gruppe im neuen Jahr für drei Wochen das Haus beleben. Weitere 16 Kurtermine, jeweils in drei Wochen-Blöcken, schließen sich 2016 an. Denn diese Struktur gehört zur Philosophie des Sanatoriums: Es soll kein Kommen und Gehen herrschen wie in klassischen Kurkliniken, wo täglich oder wöchentlich Gäste an- oder abreisen. Im Haus Waldquelle kommen Frauen und Kinder - rund 30 Frauen und durchschnittlich 50 Kinder zwischen einem Jahr und 14 Jahren umfasst eine Gruppe - am selben Tag an. "Wichtig ist uns die konstante Gruppe", erläutert Bierei einen Grundsatz der Mütter-Kind-Kuren.

"Frauen, die im Alltag mit ihren Belastungen allzu oft allein gelassen werden, sollen hier eine Solidargemeinschaft erleben. Viele bringen Trauer mit, und Abschiede verunsichern." Zudem stärke der Austausch mit ähnlich betroffenen Frauen, die sich in diesen drei Wochen nahekommen, das Gefühl, nicht allein zu stehen mit den vielfältigen Erfahrungen eines Alltags, in dem Frauen zerrieben werden. Bierei weiß: "Die privaten Gespräche, die sich hier im Hause ergeben, sind genau so wichtig für die Frauen wie die Kuranwendungen und therapeutischen Gruppenangebote."

Viele Kur-Klientinnen von Haus Waldquelle sind alleinerziehend, haben Trennungs- und bisweilen auch Gewalterfahrungen hinter sich, auch die Zahl der Mütter mit Migrationshintergrund wächst. Die Frauen stünden zwar im Mittelpunkt der Kuren in Haus Waldquelle, betont Bierei. Aber im System familiärer Belastungen seien auch viele der Kinder mit betroffen, sie bräuchten besondere Zuwendung. Darauf geht bei Bedarf eine Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin ein.

Wie in jeder klassischen Kur bietet Haus Waldquelle Bäder, Massagen, (Kranken-)Gymnastik, Bewegungs - und Entspannungstraining, Einzel- und Gruppengespräche. Groß ist auch das flankierende Freizeit- und Kreativangebot - mit und ohne Kinder. Die haben täglich von 8.15 bis 15.15 Uhr, in drei Altersgruppen zu je zehn bis zwölf Kindern aufgeteilt, ihr eigenes Programm, betreut von Erzieherinnen und Fachkräften im Kinderhaus mit seinen Gruppenräumen und einem Außenspielplatz. Das bestehende Kinderhaus allerdings ist in die Jahre gekommen und wird derzeit durch den großzügigen Neubau auf 510 Quadratmetern Grundfläche ersetzt.

Kinder schlafen zusammen mit den Müttern in ansprechend ausgestatteten, unterschiedlich großen Appartements, wobei auf die Wünsche der Gäste Rücksicht genommen werde, betont Bierei beim Rundgang über das weitläufige Gelände, das sich ab 1994 mit Neu- und Erweiterungsbauten schrittweise zum heutigen "Dörfchen" entwickelt hat. Gerne zu Spaziergängen genutzt wird der zur Einrichtung gehörende, namengebende Waldbereich mit seinen Quellen und einem großen Teich.

"Haus Waldquelle gehörte in den 70er Jahren zu den Vorreitern der Mutter-Kind-Angebote des Müttergenesungswerks", berichtet Bierei. Bis dahin kamen die Mütter allein zu den Kuren. Heute gibt es nur noch wenige Häuser allein für Frauenkuren. Vereinzelt gebe es mittlerweile in bestimmten Sanatorien auch schon Vater-Kind-Kuren - das Müttergenesungswerk geht mit der Zeit. Allerdings lehre die Erfahrung, so Bierei, dass es in unserer Gesellschaft immer noch überwiegend die Mütter sind, die unter familiären Mehrfachbelastungen und der Vielfalt der Ansprüche leiden. Der Bedarf an Mütter-Kind-Kurangeboten sei unvermindert hoch. "Studien belegen, dass jede fünfte Mutter eine solche Rehakur bräuchte", sagt Bierei. "Wir sind nach der Krise 2011 ausgelastet."

Die Krise seinerzeit lag nicht am Konzept der Mutter-Kind-Kuren und dem realen Bedarf, blickt Bierei zurück, der seit zehn Jahren Geschäftsführer des Hauses ist. Aber die Krankenkassen gingen bei der Genehmigung der Mütter-Kind-Kuren seinerzeit immer restriktiver vor. "35 Prozent der Anträge wurden abgelehnt", sagt er. Existenzbedrohend für viele Kursanatorien. "2011 sah es so aus, als ob wir kein Jahr mehr überleben könnten, wenn sich nichts ändert."

Gottlob änderte sich etwas nach einem Krisengipfel des Bundesverbandes der Krankenkassen mit dem Müttergenesungswerk. Man einigte sich auf Begutachtungsrichtlinien, die weniger Anträge durchs Netz fallen lassen als zuvor. "Die Ablehnungsquote hat sich seither auf 15 Prozent verringert", sagt Bierei. Das sicherte vielen Einrichtungen das Überleben. "Denn Abstriche am Angebot zu machen, war für uns tabu." Immerhin freut sich die Einrichtung, dass mit Bundesmitteln das neue Kinderhaus gebaut werden kann. Haus Waldquelle blickt optimistisch in die Zukunft.

Quelle: RP
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