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Wegberg
Herzlich willkommen in Petersholz

Wegberg: Herzlich willkommen in Petersholz
60 Flüchtlinge, darunter viele Familien, leben zurzeit in der früheren Britenwohnsiedlung. Ende Oktober sollen es schon fast 600 Flüchtlinge sein. FOTO: JÜRGEN Laaser
Wegberg. Die Johanniter betreuen 60 Flüchtlinge, darunter 20 Kinder, in der Notunterkunft Petersholz. Der Start der Einrichtung ist geglückt. Von Michael Heckers

Der Willkommens-Schriftzug auf dem großen Plakat in Petersholz ist in bunten Lettern und 19 Sprachen der Welt zu lesen. Kinder mit heller und dunkler Hautfarbe stehen am Zaun und winken fröhlich. Sie rufen ihren Besuchern ein freundliches "Hello" entgegen.

Mit ihren Eltern haben die Kleinen gerade zu Mittag gegessen. Es gab Braten ohne Schweinefleisch, Kartoffelpüree, Brokkoli, Bohnen und zum Nachtisch einen Apfel. "Das klappt hier wunderbar. Manchmal müssen wir uns zwar mit Händen und Füßen verständigen, aber es funktioniert", sagt Hauswirtschafterin Friederike Mertes aus Wegberg, die in der provisorisch eingerichteten Kantine das Essen für die Flüchtlinge ausgibt. Geliefert werden die Mahlzeiten vom Cateringservice Nießen aus Beeck.

Bürgermeister Michael Stock (von links) sowie Kirsten Holz, Marius Mainzer und Einrichtungsleiter Ralf Marquardt von den Johannitern in Petersholz. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

Der Start in der Notunterkunft für Flüchtlinge in Wegberg-Petersholz ist geglückt. 60 Flüchtlinge sind dort seit dem 3. September untergebracht, darunter 20 Kinder und fünf schwangere Frauen. "Die meisten sind Syrer und Araber", sagt Marius Mainzer, Regionalvorstand der Johanniter-Unfallhilfe. Die Betreiberorganisation erlaubte Medienvertretern gestern erstmals einen Blick in die Notunterkunft des Landes NRW, die voraussichtlich ab Juni 2016 als Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für 500 (Regelbelegung) bis 800 (Maximalbelegung) geführt werden soll. Wegbergs Bürgermeister Michael Stock ist beim Besuch der Einrichtung sichtlich gerührt: "Hier erlebt man, wie unsere Hilfe bei den Menschen ankommt, die darauf angewiesen sind und die nach fürchterlichen Erlebnissen jetzt bei uns zur Ruhe kommen können", sagt er. Kirsten Hols, Mitglied des Landesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe in NRW, kennt das auch aus den übrigen 25 Flüchtlingsunterkünften in NRW, die ihre Hilfsorganisation zurzeit betreut.

Dass es sich in Petersholz noch um eine Notlösung handelt, ist nicht zu übersehen. Eng sind in der Kantine Tische und Stühle gestellt. Die kleinen Räume für den Sanitätsdienst, den Dirk Faßbender von den Johannitern in Zusammenarbeit mit Wegberger Ärzten organisiert, dienen zugleich als Kiosk. Chips, Kekse, Fruchtsaft, Limonade und Schokoladenriegel gibt es dort. Nebenan sitzt eine Mitarbeiterin der Bezirksregierung Köln. Sie kümmert sich um Verwaltungsdinge.

Erst zwei der hell gestrichenen Reihenhäuser in der früheren britischen Wohnsiedlung sind bewohnt. Weil die alten Leitungen marode sind, wurden die Häuser an ein mobiles Heizkraftwerk angeschlossen. Das funktioniert einwandfrei. Jetzt soll alles ganz schnell gehen. Die nächsten drei Reihenhäuser werden schon renoviert. "Wir gehen davon aus, dass uns in etwa drei Wochen weitere 180 Plätze zur Verfügung stehen", sagt Marius Mainzer.

Ein paar Straßen weiter wird ebenfalls fleißig gearbeitet. Mitarbeiter der Straßenmeisterei schneiden Rasen und Sträucher zurück, kontrollieren alte Bäume auf ihre Standfestigkeit. In Regie des Kreises Heinsberg werden in Petersholz bis Mitte/Ende Oktober weitere 350 Plätze für Flüchtlinge eingerichtet. Es gibt noch viel zu tun. Seit 2012 stand die Britenwohnsiedlung leer. Längst hat sich die Natur einen Teil des riesigen Areals zurückerobert. Davon zeugen auch die Warnschilder mit dem Konterfei von Schwarzwild an den Zäunen vor den Flüchtlingsunterkünften. "Es gibt mehrere Wildschweinrotten auf dem Gelände", erklärt Ralf Marquardt. Die Begegnung mit einer Bache, die ihre Frischlinge beschützt, sei kein Vergnügen, sagt Marquardt. Er spricht offensichtlich aus Erfahrung.

Der Leiter der Notunterkunft Petersholz weiß, dass die Flüchtlinge in seiner Einrichtung im Prinzip nur auf der Durchreise sind. Nach ihrer Registrierung kann es bis zu drei Monate dauern, bis die Flüchtlinge per Post erfahren, ob ihr Asylantrag erfolgreich war oder abgelehnt wurde. Dann geht die Reise weiter. Entweder müssen die Flüchtlinge das Land verlassen oder sie werden in eine kommunale Einrichtung irgendwo in Deutschland gebracht. Ob das die Flüchtlingskinder in Petersholz schon wissen, als sie Wegbergs Bürgermeister Stock und die Medienvertreter am Bauzaun mit einem freundlichen "Bye, bye" verabschieden?

Quelle: RP
 
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