| 00.00 Uhr

Wegberg
Inklusion als Selbstverständlichkeit

Wegberg: Inklusion als Selbstverständlichkeit
Autistin Barbara Schramm (l./25) ist Mitglied bei den Geflügelliebhabern in Merbeck. Sie lernt das Füttern der Tiere, sachgerechtes Anfassen, Ställe saubermachen und versorgt bei der Grenzlandschau die Tiere mit. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Seit zwei Jahren ist eine Autistin Mitglied bei den Geflügelliebhabern Merbeck. Die Erfahrungen mit den Tieren erlebt sie sehr intensiv. Von Nicole Peters

Obwohl die Geflügelliebhaber Merbeck mit 27 Mitgliedern ein kleiner Verein sind, liegt ihnen die Inklusion beeinträchtigter Personen sehr am Herzen. Durch umfangreiche Informationen während der Kleintiermärkte im laufenden Jahr, der großen Grenzlandschau im Herbst und vielen Aktionen erreichen die Geflügelliebhaber unterschiedliche Menschen: Vom interessierten zukünftigen Hobbyzüchter bis zum erfolgreichen Züchter nach Standard. "Inklusion ist ein Thema, das sehr verbreitet ist", erläuterte Vorsitzender Andreas Theißen nach dem Frühjahrsputz im Dorf, an dem sich die Jugendgruppe beteiligte, im Gespräch mit unserer Redaktion, "sie sollte eine Selbstverständlichkeit sein."

Wie weit der Verein diese Einstellung umsetzt, zeigt sich an der Mitgliedschaft von Autistin Barbara Schramm (25). Vor zwei Jahren ist sie mit der ganzen Pflegefamilie eingetreten und ist seither von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als gleichberechtigt anerkannt. So fand Julius (14) von der achtköpfigen Jugendgruppe klare Worte zu ihrem Verhältnis zu ihr: "Sie ist normales Mitglied und wird nicht als besonders angesehen. Was sie kann, macht sie mit." Manchmal zeigten sie ihr nur mehr.

Barbara Schramm lebte zehn Jahre lang bei ihrer Pflegefamilie, von der neben Pflegevater Christian Wiebel die Kinder Jonas (9), Lisa (8) und Anna (5) anwesend waren. Als 15-Jährige war sie zu ihnen gekommen und ist im Mai 2015 in das Wohnhaus des Mönchengladbacher Vereins "Aktion Freizeit behinderter Jugendlicher" gezogen.

"Barbara leidet an einer Autismusspektrumsstörung", erläuterte der Sonderschullehrer, "sie hat Kommunikationsbarrieren sprachlicher und emotionaler Art." Ungern verlasse sie bekannte Pfade und neue Strukturen müssten öfters wiederholt werden. Vorsitzender Andreas Theißen beschreibt die Art der Autistin, sich über ihr Erlebtes mit den Tieren zu äußern. "'Kikeriki' ist für sie das Schlüsselwort, es bezeichnet ihre Erfahrungen mit den Geflügelliebhabern und auf Kleintiermärkten, ist Hahnenruf und meint auch die Gemeinschaft." Für ihn persönlich verwende sie das Wort "Roller", entsprechend seines Hauptfortbewegungsmittels. Ihre Tätigkeiten rund um die Tiere sind vielfältig. Sie lernt füttern, sachgerechtes Anfassen, Ställe saubermachen und versorgte etwa bei der Grenzlandschau die Tiere aktiv mit. "Durch dieses Training haben wir ihr Wahrnehmungsspektrum öffnen können", sagte Wiebel, "die Tiere haben für sie die wichtige Eigenschaft, dass sie immer auf die gleiche Weise reagieren." Das gebe ihr Sicherheit. Der Bezug zu Wassergeflügel, Hühnern und Vögeln sei bei Barbara sehr intensiv. Sie gehe am liebsten durch die Reihen und nehme die Tiere ganz bewusst wahr. Vielleicht ja wieder beim nächsten Kleintiermarkt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wegberg: Inklusion als Selbstverständlichkeit


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.