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Wegberg
Köstliche Natursäfte aus heimischer Obsternte

Wegberg. An der mobilen Kelterei an Haus Wildenrath können Obstwiesen-Besitzer aus eigenen Äpfeln, Birnen und Quitten Saft pressen lassen. Von Nicole Peters

Mitarbeiter Thomas Mehl freut sich das ganze Jahr über auf seine Arbeit an der mobilen Saftpresse. An diesem Morgen steht er wieder oben auf dem Anhänger und tätigt mit zwei weiteren Helfern die Handgriffe, die für die Versaftung der angelieferten frischen Äpfel, Birnen oder Quitten nötig sind. Er ist bereits seit drei Jahren dabei - die Versaftungstermine an der NABU-Naturschutzstation Haus Wildenrath bietet Kelterei-Inhaber Julius Dahmen seit 2008 dort an.

Für die einzelnen Arbeitsschritte ist Muskelkraft gefragt. Zunächst schütten die Helfer die Äpfel in einen mit Wasser gefüllten Bottich und waschen sie. Im Anschluss füttern sie den Schredder damit, der die bunten Früchte zerkleinert. Die Maische wird in mehreren Lagen gestapelt und mit einem Druck von 25 Tonnen gepresst. Saftpumpen ziehen die Flüssigkeit in einen Pasteurisator, der sie auf 78 Grad Celsius erhitzt und damit keimfrei macht, bevor die süße wohlschmeckende Flüssigkeit in Fünf-Liter-Schläuchen abgefüllt und diese in Pappboxen gestellt werden. "Durch das Zapfsystem kommt der Saft nicht mit Luft in Berührung", erzählt Stationsgeschäftsführerin Brigitta Szyska, die an diesem Tag die Apfel-Ausstellung im Veranstaltungsraum betreut und auf dem umliegenden Gelände mit den verschiedenen Tieren nach dem Rechten sieht. "Das Schöne ist, dass jeder Baumbesitzer sein Obst herbringen und Saft daraus mitnehmen kann." Das entspricht ganz dem ökologischen Ansatz des NABU, den Erhalt von Streuobstwiesen etwa durch Ausbildung von Baumwarten zu fördern und zu begleiten.

Wie ertragreich die duftenden Früchte sind, erläutert Thomas Mehl: "Aus zehn Kilogramm Äpfeln holen wir rund 75 bis 80 Prozent Saft heraus, also etwa 7,5 Liter." Der Apfel bestehe hauptsächlich aus Flüssigkeit, wobei kleinere Schäden am Fallobst aufgrund der Pasteurisierung kein Problem seien. Wichtig für den Geschmack ist, dass sie lang genug am Baum hingen und reifen konnten. Fünf-Liter-Boxen gibt das Kelterei-Team heraus - geschlossen hält sich der Saft darin zwei Jahre und angebrochen zwei bis drei Wochen lang frisch. "Eine Befüllung der Anlage umfasst 50 Kilogramm, wobei vor allem die Quitten weniger Saft hergeben", sagt Mehl weiter, "aufgrund ihrer harten Konsistenz sind sie schwierig zu verarbeiten und gut für das Pressen geeignet." Bis zu vier Tonnen Obst presst das Team pro Tag - ab einer Tonne kommt es auf einen Hof oder eine Veranstaltung gefahren. Versaftet wird bis zum 31. Oktober und bei Bedarf auch eine Woche länger.

Thomas Mehl versorgt sich selber mit dem naturbelassenen Saft ohne Zusätze. Rund 20 Boxen aus eigenem Obst wird er wieder mit nach Hause nehmen. "Wenn man den ganzen Monat versaftet, möchte man selber etwas davon zu Hause haben", sagt er, "Kinder lieben den Saft - meine Tochter trinkt ihn viel, ebenso mein Neffe." Hellauf begeistert seien zudem die Leute, die ihre Ware anlieferten. "Sie sind erstaunt, was beim Pressen herauskommt und freuen sich darüber." Sie können bei der Produktion zusehen und heimatliche Naturschwätzchen halten.

Einen Tipp zur weiteren Verarbeitung hat Mehl noch: Mit kalt abgefülltem, nicht pasteurisiertem Apfelsaft lasse sich in einem Zehn-Liter-Gärungsfass mit Gärungsstopfen der Apfelschaumwein Cidre selber herstellen. Bei Bedarf unter Zusatz von Gärhefe. Auch Brigitta Szyska hat kürzlich Erfahrungen mit der Saftherstellung gemacht, wie sie sagt. Zusammen mit der Gartengruppe der Werkstatt Prospex für seelisch behinderte Menschen im Kreis Heinsberg hatten NABU-Mitarbeiter einen Tag lang Äpfel auf umliegenden Streuobstwiesen gesammelt und versaften lassen: Über 100 sorgfältig gestapelte Kisten zeugen von der Leistung. Für junge Leute bietet die Naturschutzstation Veranstaltungen an, bei denen die hauseigene Handpresse zum Einsatz kommt. "Die Kinder schneiden das Obst und drehen es mithilfe einer Kurbel durch das tonnenförmige Gestell", beschreibt sie den Vorgang. So können ganze Kindergarten-Gruppen und Schulklassen aktiv werden und einen unmittelbaren Bezug zu heimischen Früchten und Wertschätzung dafür aufbauen.

Quelle: RP
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