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Wegberg
Kopfsachen - berührend und ehrlich

Wegberg: Kopfsachen - berührend und ehrlich
Matthias Hintz (l.) und Michael Diehl an den Exponaten der Ausstellung. "Kopf Sache Hintz" lautet der Titel dieser Ausstellung, die in Dalheim zu sehen ist. FOTO: UWE HELDENS
Wegberg. Matthias Hintz zeigt seine aktuelle Ausstellung "Kopf Sache Hintz" in der Dalheimer Galerie Wortmann. Von Stefanie Mosburger-Dalz

"Kopf Sache Hintz" - das ist der Titel der Ausstellung, die der Künstler Matthias Hintz im besonderen Ambiente der Galerie Wortmann, in einem Wohnhaus, das zweimal im Jahr mit einem anspruchsvollen Kunstprogramm zur Galerie umfunktioniert wird und dem Publikum offen steht. Hinter der Galerie "Wortmann" steckt Galerist Michael Diehl, der das Ganze organisiert und realisiert. In diesem Rahmen zeigt Hintz einen Arbeitszyklus zum Thema Kopf.

Seit 2004 lotet der Künstler dieses Thema aus, "bis zur Auflösung", wie er sagt, denn das Thema ist unerschöpflich. Seine Bilder, eine Art Monotypien auf Nessel, in die weiter gezeichnet, gemalt und gedruckt wird, zeigen ein Antlitz. Sie zeigen jenes im menschlichen Gehirn so abrufbare Gefüge aus Augenpaar, Nase, Mund, Gesichtsoval, das Schema des menschlichen Gesichts, das überkulturell und überindividuell abrufbar das Überleben der verletzlichen Spezies Mensch als soziales Wesen sichert.

Dazu arbeitet er mit Wachsplatten, in die er ritzt und die er umdruckt, mit Holzschnitten, Frottagen, Faktur, Struktur, linearen Elementen. Dabei lässt er ganz viel Raum für das, was aus dem Schaffensakt selber entsteht. Berührend, ursprünglich, ehrlich. Er arbeitet ornamentale Elemente ein, Gitterlinien, Schrifthaftes.

Der Spannungsbogen der Assoziationen reicht vom Grabtuch Christi, der Totenmaske über das innere Archiv, den Geist, die Sprache, das Sein und Schauen bis zum Du, zum Angesicht des Gegenübers als Spiegel. Kleine Formate, große Formate, die Wärme des Nesseltons als Substrat, das Urmenschliche und die Tiefe durch die Offenheit der Form verleihen den Arbeiten Wahrhaftigkeit. Unmanierierte jedoch malerische Grafik.

Neben den Kopfbildern zeigt Hintz Skulpturen aus CDs, die Daten enthalten und die mit Hitze verformt zu Plastiken verarbeitet wurden, zum Teil über einen Holzkern oder unter Einarbeitung anderer Objekte. Als beleuchtete transluzide Gebilde mit jeweils anthropomorphen Formen entstehen so Statuen, die merkwürdig leicht wirken trotz ihrer teilweise überlebensgroßen Dimensionen. Der Widerspruch zwischen der Größe und dem Stand der Figuren und ihrer Transparenz verwirrt und macht offen für die Wahrnehmung der Leichtigkeit. Das Wissen um unauslesbare Informationen, die in den Lichtgestalten aus Datenträgern enthalten sind, verleiht ihnen Bedeutung über das Sichtbare hinaus.

Der Bildhauer, Jahrgang 1959, verließ 1987 die DDR. Seine Ausbildung erhielt er unter anderem auf Burg Giebichstein und an der Kunstakademie Düsseldorf. Der Meisterschüler von Günther Uecker arbeitet heute in seinem Atelier im alten Tanzsaal von Schloss Hülchrath bei Grevenbroich.

Quelle: RP
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