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Wegberg
Leben im Einklang mit der Natur

Wegberg: Leben im Einklang mit der Natur
In Christiane und Martin Schreders großem Garten wächst schon das meiste, hier Rosenkohl, was sie zum täglichen Leben brauchen. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Vor acht Jahren erwarb das Ehepaar Schreder ein kleines Haus mit großem Grundstück, auf dem inzwischen Tiere leben und ein Gemüse- und Kräutergarten existieren. Ihr Wissen über Selbstversorgung geben Schreders in Seminaren weiter. Von Nicole Peters

Der Gemüsegarten ist nur zum Teil bestückt und zeigt, was die Jahreszeit hergibt: Der Rosenkohl wächst üppig, aber braucht noch seine Zeit, ebenso der Lauch. Die Rote Beete ist erntefertig und wartet darauf, als Eintopf oder Salat zubereitet zu werden. Ebenso kann jetzt der Weißkohl eingekocht oder Sauerkraut aus ihm hergestellt werden. Ehepaar Christiane und Martin Schreder ist Selbstversorger und richtet seinen Speiseplan ganz nach den Jahreszeiten aus.

Seit acht Jahren bewirtschaften die Diplom-Kräuterfachfrau und der Gärtnermeister den Bauernhof "Kleine Farm Rickelrath" und bieten seit anderthalb Jahren Seminare und Schulungen zu Naturkosmetik, Handarbeit, Produktverarbeitung und Hofführung an. "Für uns gibt es einen Unterschied zwischen konventionellen Nahrungsmitteln und wertvollen Lebensmitteln", beschreibt die Hausherrin den Ansatz. "Selbstversorgung ist eine Einstellungssache", ergänzt ihr Ehemann, "sie entschleunigt, erdet und verändert das Essverhalten."

Obwohl er seit mehr als zehn Jahren blind ist, bringt er sich voll bei der Fütterung von (Milch-)Ziegen, Geflügel, Pferden und Kaninchen sowie Gemüseanbau ein und gibt sein Wissen in Seminaren weiter. Beste Bedingungen hat er nun beispielsweise durch das Backhaus. Darin backt er im holzgefeuerten Steinbackofen bis zu zehn Dinkel-, Roggen-, Bauern- oder Müslibrote gleichzeitig. Zudem gibt er praktisches Wissen zum Einmachen, Bierbrauen und Käsen weiter.

Christiane Schreder bereitet in ihrem "Hexenhäuschen" Tinkturen, Hustensirup, Honigvarianten, Salben oder Seifen zu. "Zuletzt habe ich mit zwei Frauen, von denen eine schwer sehbehindert ist, verschiedene Seifen hergestellt", erzählt sie. "Die Basis aus Ziegenjoghurt haben wir mit Kosmetikpigmenten versehen und mit Farben und Formen gespielt." Bei allen Veranstaltungen geht es dem Paar darum, dass die Interessierten in kleinen Gruppen so viel Wissen erwerben, dass sie es zu Hause mit entsprechendem Material anwenden können.

Wissen, das droht, verloren zu gehen, wie die beiden betonen. "Zwei Generationen zuvor war Selbstversorgung zu großen Teilen selbstverständlich", sagt Martin Schreder, und seine Frau fügt an: "Nachdem es eine Zeit lang verpönt war, gibt es wieder ein Umdenken, da man sehen möchte, wie die Pflanzen wachsen, und wissen will, was drin ist."

Die Slow-Food-Bewegung oder selbst gemachte Marmeladen seien Beispiele für zunehmende eigene Herstellung. Ein großes Interesse an ihrem Hof erfährt das Paar auch bei Besuchen von Schulklassen, Gruppen der Volkshochschule oder an Tagen der Offenen Gartenpforte, an denen sich das Paar im kommenden Jahr mit vier Terminen beteiligen wird. Oftmals informieren sich die Besucher auf der Homepage und kommen sogar aus Bayern oder von Rügen her.

Quelle: RP
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