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Interview Christoph Galle
Lebensretter am Telefon

Interview Christoph Galle: Lebensretter am Telefon
Der hauptberufliche Feuerwehrmann Christoph Galle gab erfolgreich eine strukturierte Anleitung zur Herzdruckmassage. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Die telefonische Reanimation ist die Möglichkeit, keine Chance für die Rettung des Patienten zu vergeben, sagt Leitstellen-Disponent Christoph Galle. Er arbeitet in Düsseldorf und rettete kürzlich mit einer erfolgreichen Anleitung ein Leben.

Wegberg/DÜSSELDORF Seit Anfang des Jahres 2014 hat die Feuerwehr Düsseldorf die telefonische Anleitung zur Reanimation, die sie seit vielen Jahren anbietet, optimiert und eine Statistik dazu eingeführt. Rund 73.000 medizinische Notfälle werden den Disponenten der Düsseldorfer Leitstelle über Notruf 112 gemeldet. Allein 65 Mal waren im ersten Halbjahr 2014 darunter akute "Herzstillstände", bei denen sofortige Hilfe nötig war. Im Jahr 2015 waren es bei über 76.000 Notfalleinsätzen über 100 Telefonreanimationen. Der hauptberufliche Feuerwehrmann Christoph Galle arbeitet seit Beginn des Jahres in der Leitstelle und führte vor gut einer Woche erfolgreich eine telefonische Reanimation durch. Im Gespräch betont er die wichtige Bedeutung, die diese Art der Hilfe und Erste-Hilfe-Kurse für Laien haben.

Herr Galle, können Sie den Hergang des aktuellen Falls kurz schildern?

Christoph Galle Der Mann hatte den Notruf 112 der Feuerwehr angerufen und die Situation in der Wohnung geschildert. Seine Frau lag ohne eigene Herzaktion im Wohnzimmer. Zu der Zeit befand er sich in einem anderen Raum und telefonierte über ein Kabeltelefon. Deshalb führten wir das Gespräch mit einem schnurlosen Telefon, dessen Lautsprecher er aktivierte, im Wohnzimmer weiter. Da ich ihn physisch und mental dazu in der Lage sah, habe ich ihm eine strukturierte Anleitung zur Herzdruckmassage am Telefon gegeben. Ich hatte den Eindruck, dass der Ehemann auf Anhieb alles verstanden und gut mitgemacht hat.

Wie ging es weiter?

Galle Der Mann hielt durch, bis Notarzt und Rettungswagen eintrafen und die Frau versorgten. Sie kam in ein Fach-Krankenhaus. Ihr Zustand war bei Einlieferung ernst, der Kreislauf aber stabil.

Wie beurteilen Sie die Möglichkeit, über Telefon Anleitung zur Reanimation zu geben?

Galle Viele Anwesende an einem Unfallort sind hilflos in der Situation und froh, etwas tun zu können. Da eigene Erste-Hilfe-Lehrgänge oftmals länger zurückliegen oder keine besucht wurden, sind sie für konkrete Unterstützung dankbar. So ist es bei Atemstillstand wichtig, den Betroffenen flach auf den Boden oder eine andere feste Unterlage zu legen und den Kopf weit nach hinten zu strecken, damit die Atemwege frei sind. Bei Herzstillstand sollte man dann ununterbrochen eine Herzmassage durchführen. Inzwischen wird laut ÄLRD-Empfehlung bei Erwachsenen nicht zusätzlich beatmet, sondern es wird ausschließlich etwa einhundert Mal pro Minute ohne Unterbrechung der Brustkorb stoßartig gedrückt. Bei Babys und Kindern bis 14 Jahren wird etwa 30 Mal gedrückt und zwei Mal beatmet.

Es ist das erste Mal, dass Sie eine telefonische Reanimation durchgeführt haben. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Galle Ich finde dieses Vorgehen gut. Als langjährig tätiger Rettungsassistent war ich oft genug verwundert, dass die Anwesenden vor Ort nicht immer wissen, wie sie helfen könnten. Die Erkrankten wären mit direkter Hilfe wohl oftmals besser weggekommen. Für mich ist es eine sehr wichtige Möglichkeit, keine Chance für den Patienten zu vergeben. Die acht Minuten, die ein Rettungswagen durchschnittlich bis zum Erscheinen am Unfallort braucht, ohne Sauerstoff zu sein, ist sehr lang.

Inwieweit könnten sich Laien besser auf den Notfall vorbereiten?

Galle Ich bin der Meinung, dass jeder einen Erste-Hilfe-Kurs machen und diesen im Abstand von mehreren Jahren auffrischen sollte. Der Ehemann im aktuellen Fall hatte ja wahrscheinlich auch das gute Gefühl gehabt, etwas tun zu können. Jeder Helfer bekommt im Anschluss übrigens die Möglichkeit, sich psychologisch betreuen zu lassen.

Bietet die Freiwillige Feuerwehr in Erkelenz ebenfalls telefonische Reanimation an?

Galle Ja, die Erkelenzer Kollegen führen sie seit einiger Zeit durch. Ebenso wie wir gehen sie dabei nach einem festen Schema vor. Diese Leistung kann man nachfragen oder sie wird von den Helfern angeboten. Ansprechpartner für allgemeine Auskünfte ist Thomas Kähler unter der Telefonnummer 02431 96760.

NICOLE PETERS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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