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Serie Was Macht Eigentlich?
Mehr als 1200 Gramm Familien­geschichte

Serie Was Macht Eigentlich?: Mehr als 1200 Gramm Familien­geschichte
FOTO: Hans Groob
Erkelenz. Helga Banerjee (72) aus Rath-Anhoven stellte in dreieinhalb Jahren eine 700 Seiten starke Familienchronik zusammen. Von Hans Groob

WEGBERG Noch fällt es Julina (8) und Elea (11) nicht leicht, den dicken Wälzer von fast 350 doppelseitig bedruckten Seiten im Taschenbuchformat überhaupt zu halten, ist er doch über 1200 Gramm "papierschwer". Erst in ein paar Jahren werden die Töchter des Schwanenberger Pastors Robin Banerjee und dessen Ehefrau Annette erkennen, welch inhaltsvolle und kostbare Schwere sie dann in Händen halten. Vermutlich Begleiter ihres Lebens, das sie dann sogar fortschreiben könnten. Bei dem "Wälzer" handelt es sich um die Familienchronik der Banerjee-Seite, die von Eleas und Julinas Großmutter Helga Banerjee (geborene Laars) aus Rath-Anhoven in Worten und Bildern zusammengetragen wurde. Das Leitmotiv dazu hat die 72-Jährige in einem Satz des Priesters und Wegbereiters der katholischen Sozialbewegung, Adolf Kolping, gefunden: "Das Erste, was ein Mensch im Leben vorfindet, das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das Kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie."

Dass Helga Banerjee noch zur Familienforscherin wurde, lag wohl daran, dass die meisten genealogischen Nachlässe über die Jahre nicht bei ihrem älterer, in Wickrath lebenden Bruder Manfred landeten, "sondern, warum auch immer, bei mir". Alles wurde mit Interesse gelesen, dann ging es damit in einen Schuhkarton und ab in den Schrank. Die Vaterseite Laars war spätestens beleuchtet, als in den 1980er Jahren ein dicker Brief von einem Onkel von der Insel Rügen kam, die damals noch DDR-Gebiet war: "Namen und Daten waren hochinteressant, die Datumstiefe liegt da bei immerhin 1763."

Als die schwedische Königin Christine (1632-1654) beschloss, die Insel Rügen und pommersches Festland zu erobern, ihr dann auch 1648 im Rahmen des Westfälischen Friedens zugesprochen wurde, "da bin auch ich indirekt betroffen", weiß Helga Banerjee. Feldherr Gustav Wrangel bekam Schloss Spycker auf Rügen, folglich wurden seine Soldaten dort sesshaft. Und der Soldat Laars (oder auch Lahrs) gründete im Dorf Vilmnitz östlich der Fürstenstadt Putbus eine Familie. Genauer gesagt eine Schmiede-Familie, die sehr kinderreich war: "Dieser Soldat war wohl mein Urahn." Urkundlich sicher ist Schmiedenachfahr Johann Nicolaus Laars (1763) und Folgende. Sicher ist auch der Wechsel der Insel Rügen zurück von Schweden nach Preußen. Helga Banerjees Großvater ist Moritz Laars, war Fischer und lebte von 1860 bis 1943. Eine Zeichnung zeigt ihn mit dem typischen wasserdichten Südwester, damals aus Öltuch gefertigt, auch auf dem Titel der Familienchronik. Helga Banerjees Vater Franz, zweiter Sohn von Moritz, wurde 1893 in Binz geboren und diente 1913 im Ulanregiment in Berlin. Er hatte ein bewegtes Leben (Kaiserreich, Weimarer Republik, Zeit des Nationalsozialismus, Bundesrepublik Deutschland). Er war von Beruf Polsterer und Tapezierer, hatte auf den fürstlichen Höhen rund um Putbus immer gut zu tun. 1971 ist er in Rheydt verstorben.

Mütterlicherseits lebten die Vorfahren in Hinterpommern im Dorf Hackenwalde. Der Herkunftsnachweis beginnt hier vor über 250 Jahren, reicht in die Zeit von Friedrich des Großen, wohl besser bekannt als der "Alte Fritz" (1712 - 1786). In Ahnenlisten sind es die Namen Redepenning, Radke, Trettin und Lange. Die Redepennings waren aus Holland ins Oderbruch gelockt worden wegen ihrer Kenntnisse mit wasserreichen Landschaften. Helga Banerjees Mutter hieß Hildegard Lange (1904 geboren), ging nach Hamburg-Eppendorf in den Krankendienst. Mit 35 Jahren lernte sie den Witwer (mit zwei heranwachsenden Töchtern) Franz Laar. Sie heirateten, 1941 kam Manfred Laar zur Welt, 1944 Helga.

Und wie kommt man von Rügen ins Rheinland? Über eine Bekanntschaft der Halbschwester zu einem Marinesoldaten, der aus Erkelenz kam. Rheydt und Rath-Anhoven wurden dann die neuen Heimatorte. Auch diese Zeiten wird viel Raum eingeräumt in der Familienchronik, die gespickt ist mit Urkunden, Originaldokumenten, handschriftlichen Notizen, Landschaftsbeschreibungen, Gedichten, Liedtexten und mehr als 50 Bildern aus allen relevanten Epochen. Sie sind Zeugnis einer intensiven Dokumentation, die Helga Banerjee in dreieinhalbjähriger Fleißarbeit zur Druckreife gebracht hat, und schon bei der Herstellung der 100 produzierten Exemplare Lob und Anerkennung von Thomas Poos von der Erkelenzer Druckerei Maßen erfuhr: "Sehr beeindruckend." Ähnlich lautend auch die Rückmeldung aus der großen Familie, "da sind so manche Träne der Rührung geflossen". Und auch in einer Vortragsrunde der Frauenhilfe der Evangelischen Kirche lauschten die Besucher hochinteressiert den Worten Helga Banerjees.

Quelle: RP
 
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