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Serie Pape läuft (Folge 4)
Ohne Gesundheitscheck kein Marathon

Pape läuft: Ohne Gesundheitscheck kein Marathon
Zu Beginn der "heißen Vorbereitungsphase" auf den Köln-Marathon absolvierte Christian Pape (Mitte) unter der fachlichen Aufsicht der Chefärzte Dr. Klaus-Dieter Winter (r.) und Dr. Michael Zander die Vorsorgeuntersuchung. FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz/Wegberg. "Hallo Christian! Schön Dich wieder zu sehen! Wie geht's Dir?" Schwester Carmen Paffrath läuft dem Beecker am Eingang des Erkelenzer Krankenhauses entgegen. Heute steht für Pape der Gesundheitscheck auf dem Programm. Von Michael Heckers

Vor zwei Jahren hatte sich Christian Pape (42) bei einem Sturz von der Leiter den Ellbogen zertrümmert und die Hüfte gebrochen. Schwester Carmen betreute Pape rund um die Uhr, wechselte in der Karnevalssession vor und nach jedem Auftrittstag den Gipsverband und war immer für den Humoristen da. Auch Dr. Michael Zander, Chefarzt der Unfallchirurgie im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus, erkundigt sich fürsorglich nach dem körperlichen Wohlbefinden. "Hallo Herr Pape, gibt es etwa Probleme mit dem operierten Arm oder der Hüfte?" Er hatte Christian Pape damals operiert und in der Folgezeit betreut. "Probleme mit Arm oder Hüfte? Nee, Herr Dr. Zander. Im Gegenteil. Ich möchte Marathon laufen!" "Wie bitte?"

Christian Pape will es wissen. Am 2. Oktober geht er in Köln auf die Marathonstrecke. 42,195 Kilometer im Laufschritt - das erfordert eine strukturierte Vorbereitung. Eine solche Herausforderung setzt aber auch eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung voraus. Denn leichtfertig seine Gesundheit aufs Spiel setzen möchte Pape nicht. "Der Sturz von der Leiter hat mir erst mal gereicht."

Nach einer kurzen Untersuchung seines Ellbogens und seiner Hüfte durch Dr. Zander steigt der Künstler in der ambulanten Abteilung auf das Fahrradergometer. Neben der Anamnese steht bei der Vorsorgeuntersuchung das Belastungs-EKG im Mittelpunkt. Dabei muss sich der Patient ordentlich anstrengen, Herzrhythmus, Blutdruck und Puls werden überwacht. Andrea Meurer und Claudia Eßer verkabeln den angehenden Marathoni. "Kriege ich jetzt Elektro-Schocks verpasst?", fragt Pape mit leicht sorgenvoller Miene, während die beiden medizinischen Fachangestellten Elektroden auf seinen Oberkörper kleben. Diese sind über Kabel mit einem EKG-Gerät verbunden, das jede Herzaktion aufzeichnet, während Christian Pape in die Pedale tritt. Los geht es mit 50 Watt Widerstand - ein Kinderspiel für den Beecker, der mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 22 hervorragende Voraussetzungen für eine Herausforderung wie den Marathon besitzt. Seine Werte werden von Kardiologe Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Winter überwacht. Alle zwei Minuten wird die Belastung gesteigert. "Wann geht's denn wieder bergrunter?", fragt Pape. Er ist zum Scherzen aufgelegt - noch! "Wieso bergrunter?", sagt Dr. Winter schmunzelnd, "wir sind noch nicht mal in der Steigung".

Während Christian Pape für gute Laune sorgt und fleißig strampelt, weist Dr. Winter darauf hin, wie wichtig der Gesundheits-Check für Leute ist, die eine sportliche Herausforderung annehmen. "Ich habe mal einen Patienten behandelt, nachdem dieser beim Köln-Marathon auf der Laufstrecke zusammengesackt ist. Herzinfarkt!" "Laufe ich nicht auch den Köln-Marathon? Sehr beruhigend", stöhnt Pape. Chefarzt Winter ist überzeugt, dass dies nicht passiert wäre, hätte der Patient vor dem Marathonlauf ein Belastungs-EKG gemacht. "Damit lassen sich bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa die koronare Herzkrankheit feststellen und Aussagen über die körperliche Fitness des Patienten treffen", sagt er. Plötzliche Todesfälle im Sport, besonders bei vermeintlich gesunden Sportlern, sind fast immer durch eine bis dahin nicht bemerkte Herzerkrankung verursacht. "Wer über 40 ist und Marathon laufen will, sollte sich unbedingt vorher durchchecken lassen", sagt Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Winter. Und wer auf Nummer sicher gehen möchte, wiederholt den Test alle zwei Jahre.

Nach einer Viertelstunde auf dem Ergometer ist Christian Pape ganz schön außer Puste. Jetzt geht es ans Eingemachte! Der Schweiß tropft ihm von der Stirn, er wird kurzatmig. 250 Watt tritt er nun - das entspricht einer starken sportlichen Belastung. "Eigentlich bin ich gar kein ,Schwitz-Typ', aber das Wasser läuft mir jetzt so am Oberkörper runter, mein Becken verwandelt sich gerade in ein Schwimm-Becken!", keucht Pape. Das Krankenhauspersonal biegt sich vor Lachen.

92 Prozent seiner maximalen Belastungsfähigkeit hat Pape jetzt erreicht. Chefarzt Winter hält alle Werte im Blick. "Ok, das reicht", sagt er. Die Watt-Zahl sinkt, die Belastung wird geringer. Der Beecker Jung hat es geschafft. Seine Werte werden noch ein paar Minuten beobachtet, um den Rückgang der Herzfrequenz zu beurteilen. "Mein lieber Mann. Ganz schön anstrengend. Jetzt erst mal 'ne Pizza mit doppelt Käse", flachst Pape.

Die Mühe hat sich gelohnt. Am Ende der Untersuchung gibt es von ärztlicher Seite grünes Licht für die Belastungen während der Vorbereitungszeit und für den Marathonlauf am 2. Oktober. Dann aber zu Fuß und nicht bequem mit dem Rad.

Christian Pape (42) ist Humorist und Hobbyläufer. Am 2. Oktober 2016 geht er mit RP-Redakteur Michael Heckers (42) beim Köln-Marathon an den Start.

Quelle: RP
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