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Wegberg
Parkgebühren: Händler beklagen Einbußen

Wegberg: Parkgebühren: Händler beklagen Einbußen
Die Bürger meiden die kostenpflichtigen Parkplätze: Der vordere Teil des Burgparkplatzes (im Bild) steht häufig ebenso leer wie die Parkplätze an der Bahnhofstraße. FOTO: J. Thelen
Wegberg. Die neuen Parkgebühren sorgen in der Wegberger Innenstadt weiter für Wirbel. Geschäftsleute berichten von "gehetzten Kunden". Von Michael Heckers

Nach Einführung des gebührenpflichtigen Parkens zum 12. September klagen Wegberger Unternehmer, die ein Geschäft in der Innenstadt führen, zum Teil über massive Umsatzrückgänge. "In den vergangenen beiden Wochen habe ich in meinem Geschäft rund 75 Prozent weniger Umsatz gemacht", sagt Birgitte Buttler. Die Geschäftsfrau führt ein Geschäft für Damen- und Second-Hand-Mode an der Hauptstraße. Und sie ist - wie viele Wegberger Geschäftsleute zurzeit - stocksauer auf Rat und Verwaltung.

13 Parkautomaten - wie hier an der Bahnhofstraße - wurden im Stadtgebiet aufgebaut. Viele beklagen, dass sie kein Wechselgeld ausgeben. FOTO: Michael Heckers

Seit dem 12. September kostet das Parken auf den meisten Parkplätzen in der City tagsüber (8 bis 18 Uhr) 60 Cent pro Stunde. 13 Parkuhren wurden an den Parkplätzen der Innenstadt errichtet. Die Maßnahme ist Teil des Haushaltssicherungskonzeptes, soll Einnahmen für die Stadt bringen und wurde mit großer Mehrheit vom Stadtrat beschlossen. Der Vorstand der Werbegemeinschaft als Vertretung der Geschäftsleute hatte im Vorfeld vergeblich versucht, die Parkgebühren zu verhindern. "Sie bringen unseres Erachtens nach nicht den erhofften finanziellen Erfolg für die Stadt Wegberg", hatte Ulrich Kirch von der Werbegemeinschaft erklärt.

Zwei Wochen nach Einführung des kostenpflichtigen Parkens ist Birgitte Buttler nicht die Einzige, die über die Situation klagt. Im Gegenteil. Fragt man die Geschäftsleute an der Bahnhofstraße oder in der Hauptstraße, nimmt kaum jemand ein Blatt vor den Mund. "Die neue Parkplatzsituation gibt mir sehr zu denken. Die Stadt und die Parkplätze waren noch nie so leer wie seit Einführung der Automaten vor wenigen Wochen", berichtet Margit Feller von Bodyline, die in ihrem Geschäft an der Bahnhofstraße unter anderem Nageldesign, Kosmetik und Fußpflege anbietet. Die Behandlungen ihrer Kundinnen dauern üblicherweise rund 90 Minuten. "Wenn sich danach noch jemand umschauen möchte oder noch etwas in der Stadt zu erledigen hat, wird das wegen der Höchstparkdauer von zwei Stunden schon richtig knapp. Die Leute wirken total gehetzt", berichtet Margit Feller. "Die Stadt mit ihren Knöllchen tut ihr übriges dazu. Es wird so streng kontrolliert wie noch nie. Bitte vergesst bei all dem Ärger nicht die Geschäftsleute - wir können am wenigsten dazu", sagt Feller.

Auch Erhard Stroms redet nicht lange um den heißen Brei herum. Er führt ein alteingesessenes Raumausstattungsgeschäft in der Fußgängerzone. In Wegbergs Außenorten gebe es schon seit Jahren kaum noch Geschäfte, beklagt er, jetzt würden die Kunden durch Aktionen wie die Einführung des kostenpflichtigen Parkens auch noch aus der Innenstadt vertrieben. Stroms vermisst nach eigenen Angaben schon seit Jahren eine klare Linie im Rathaus, beispielsweise bei der Ausweisung von Wohngebieten, um Kindergärten, Schulen und eben auch den Geschäftsleuten eine Perspektive zu bieten. "Schauen Sie doch mal in die Wohngebiete von Wassenberg, in die dortige Oberstadt, Richtung Myhl oder Birgelen oder blicken Sie nach Erkelenz - überall tut sich was, und zwar auf hohem Niveau", sagt er. Im Wegberger Rathaus klopfe man sich schon gegenseitig auf die Schulter, wenn mal irgendwo drei Baugrundstücke ausgewiesen werden. "Wenn Sie mich fragen, ist der riesige Ärger um das Thema Parkgebühren die 37.000 Euro nicht wert, die damit jährlich erwirtschaftet werden sollen", sagt Stroms. Völlig verlorengegangen ist für ihn die Verhältnismäßigkeit, nachdem Mitarbeiter der Stadtverwaltung während einer Bürgerinformationsveranstaltung erklärt haben, dass eine Investition von 3,5 Millionen Euro in die Kanalisation zwingend notwendig sei. "Rat und Stadtverwaltung richten Wegberg noch zugrunde", bilanziert der frühere langjährige Vorsitzende der Werbegemeinschaft Wegberg.

Sauer aufgestoßen ist vielen Geschäftsleuten und Kunden auch, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in der Mühlenstadt seit der Einführung des kostenpflichtigen Parkens offensichtlich deutlich häufiger kontrollieren als dies vorher bei der Parkscheibenpflicht der Fall war. "Die Gebührenpflicht gilt bis 18 Uhr. Ich habe schon häufiger beobachtet, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamtes kurz vor 18 Uhr noch fleißig Knöllchen verteilen", sagt eine Geschäftsbesitzerin, die namentlich nicht erwähnt werden möchte. Margit Feller berichtet, dass die städtischen Kontrolleure Fahrzeuge fotografieren und Kreidemarkierungen an den Reifen machen. Dieses "scharfe Kontrollieren" seien die Kunden in Wegberg überhaupt nicht gewohnt, und es trage erheblich zur Verunsicherung der Kundschaft bei. Unter diesen Voraussetzungen müsse man sich nicht wundern, dass viele kostenpflichtige Parkplätze seit dem 12. September freiblieben und viele Kunden gehetzt wirkten.

Den Geschäftsleuten aus der Innenstadt wäre es am liebsten, wenn die Stadt Wegberg ihre Parkuhren wieder abbauen würde. Den viel zitierten "Parkdruck", also die Knappheit der Parkplätze, die rechtliche Grundlage zur Einführung eines kostenpflichtigen Systems ist, können einige angesichts der vielen freien Parkplätze in Wegberg zurzeit gar nicht erkennen. Die Händler hoffen zumindest auf Änderungen: So halten sie es für sehr unglücklich, dass die Parkautomaten kein Wechselgeld ausgeben. Häufig seien Kunden deshalb gezwungen, ein Euro-Stück einzuwerfen, obwohl nur 60 Cent notwendig sind. Geschäftsfrau Birgitte Buttler hofft außerdem auf eine Ausweitung der Höchstparkdauer, damit ihre Kunden wieder ausreichend Zeit zum Stöbern haben. Das größte Ärgernis - da sind sich alle einig - seien die engmaschigen Kontrollen des Ordnungsamtes in den vergangenen zwei Wochen. Diese Vorgehensweise hinterlässt bei vielen den Eindruck des Abzockens. "So werden die Kunden aus der Wegberger Innenstadt regelrecht vertrieben", sagt Birgitte Buttler.

Quelle: RP
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