| 00.00 Uhr

Wegberg
Rekordernte beim Wassenberger Sämling

Wegberg: Rekordernte beim Wassenberger Sämling
Hans Esser prüft den Reifegrad der Wassenberger Sämlinge. Der Wildenrather freut sich über eine Rekordernte in diesem Jahr. Die Wetterbedingungen waren gut und die Blüten blieben im April und Mai von Frost verschont. FOTO: Jörg Knappe
Wegberg. Auf der Wildenrather Pfirsichplantage läuft die Ernte auf Hochtouren. Hans Esser liebt die Arbeit zwischen den alten Obstbäumen. Von Michael Heckers

Als wäre die Zeit stehengeblieben. Mit seinem alten Traktor tuckert der Mann mit dem australischen Farmerhut gemütlich über die alte Pfirsichbaum-Plantage. Er spricht mit ruhiger Stimme, als er kurz die rechte Hand vom Lenkrad nimmt und auf die alten Pfirsichbäume zeigt. "Es ist ein Rekordjahr. Sehen Sie sich mal an, wie voll die Bäume noch hängen, und da waren wir schon dreimal drin", sagt Hans Esser. Hier, zwischen Hunderten von Obstbäumen, ist der 65-Jährige mit sich und er Welt im Reinen.

Der Weg über die Plantage führt an zwei Garagen mit einer Sortiermaschine und an einer kleinen Bude vorbei, die Hans Esser vor vielen Jahren gebaut hat. "Die ist ganz praktisch, wenn es mal regnet. Da finden wir Unterschlupf", erklärt der Obstbauer. Seine Plantage ist ungefähr so groß wie zwei Fußballfelder. Hans Esser hält den kleinen Traktor an, steigt ab und prüft mit fachmännischem Griff den Reifegrad einiger Früchte. "Die brauchen noch ein paar Tage", sagt er.

Das Ehepaar Hans und Rita Esser schenkt auf ihrer Obstplantage dem Wassenberger Sämling wieder eine Zukunft. Es ist eine Pfirsichsorte mit Tradition: In den 1950er und 1960er Jahren gab es zeitweise 30 Pfirsichanbauer rund um Wassenberg. Sie bildeten damals die Vereinigung der Pfirsichzüchter "Sämling von Wassenberg". Doch weil der Pfirsichanbau viel Fachwissen erfordert und eine frostige Nacht im April oder Mai eine komplette Ernte zunichtemachen kann, ließ das Interesse über die Jahre nach. Heute wäre die seltene Pfirsichsorte längst verschwunden - gäbe es Hans und Rita Esser nicht.

800 Bäume standen auf dem Wildenrather Feld, als es der Vater von Rita Esser noch bewirtschaftete. Als er 1998 starb, übernahmen Rita und Hans Esser die Plantage. Sie mussten ganz von vorne anfangen, weil die Bäume jahrelang nicht gepflegt worden waren. Erst 2009, elf Jahre nachdem sie die Plantage übernommen hatten, freuten sich die Essers über die erste große Ernte. Vorangegangen war ein hartes Stück Arbeit. Hans Esser hatte die Bäume radikal zurückgeschnitten, die Pflanzen gewässert und über Monate jede freie Minute auf der Plantage verbracht. "Als wir von einer mehrwöchigen Neuseelandreise zurückkehrten, sind wir zuallererst auf die Plantage gefahren und haben geschaut, ob alles in Ordnung ist", erinnert sich Rita Esser und fügt lachend hinzu, "mein Mann sagte damals, die Bäume hätten ihn begrüßt." Zwischen ihren Obstbäumen in Wildenrath - nur da fühlen sich Hans und Rita Esser wirklich zu Hause.

Geerntet wird von Ende August bis Ende September. Alle Pfirsiche werden von Hand gepflückt. Deshalb haben Hans und Rita Esser im Rekordjahr für den Wassenberger Sämling alle Hände voll zu tun. "Die Bedingungen waren optimal. Entscheidend ist, dass die Blüten keinen Frost abbekommen", erklärt Rita Esser. Während sich ihr Mann, um die Bäume kümmert, ist die 63-Jährige für den Verkauf zuständig. Am grünen Pavillon vor ihrem Haus an der Heinsberger Straße bietet sie die Pfirsiche zum Verkauf an. "Wir verkaufen unsere Früchte grundsätzlich nicht auf dem Großmarkt oder auf Wochenmärkten", sagt Esser und warnt: "Wenn auf Märkten Wassenberger Sämlinge angeboten werden, sind das keine originalen."

Manchmal essen Hans und Rita Esser in der kleinen Bude zwischen den alten Pfirsichbäumen ein Stück Kuchen und genießen die Ruhe in der Natur. "Das ist unbezahlbar", sagt Rita Esser, "wir haben sogar schon in einer Silvesternacht hier zwischen unseren Bäumen den Jahreswechsel gefeiert, und es war wunderbar", sagt sie.

Viele Jahre lange arbeiteten Hans und Rita Esser für einen führenden Anbieter von Dienstleistungen im Bereich der Dokumentenverwaltung. Ständig waren sie unterwegs. Heute sind die beiden Aussteiger am Ziel. Seit Ende 2010 hetzen sie nicht mehr täglich mit dem Auto über die A 52 ins Büro nach Düsseldorf. Stattdessen gehen sie zu Fuß zur Arbeit - über den kleinen Weg die 100 Meter von ihrem Haus zur Plantage.

Leben könnten sie vom Pfirsichanbau nicht, sagen Hans und Rita Esser. Das sei bestenfalls ein kleiner Nebenverdienst. Vor allem aber ist der Wassenberger Sämling die große Leidenschaft der Wildenrather Urgesteine. So wie früher.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wegberg: Rekordernte beim Wassenberger Sämling


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.