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Wegberg
Riesling vom "Revoluzzer" aus Merbeck

Wegberg: Riesling vom "Revoluzzer" aus Merbeck
Markus Bonsels (50) präsentierte in der Weinquelle Wegberg auf Einladung von Uschi Schmitz-Bücker (3.v.r.) die Rieslinge von Bibo Runge. Der Merbecker ist seit einigen Monaten Geschäftsführer beim Weingut aus dem Rheingau. FOTO: J. Laaser
Wegberg. Nach einer steilen Karriere kündigt der Merbecker Markus Bonsels seinen Job als Top-Manager bei Amazon und steigt beim Weingut Bibo Runge im Rheingau ein. Weinexperten schätzen seine charakterstarken Rieslinge. Von Michael Heckers

"Revoluzzer" steht auf dem Etikett der Weinflasche, die Markus Bonsels in der Hand hält. Ein Bild, das treffender kaum sein könnte. Unbändige Freiheit, unverfälscht, eigenwillig und mit Ecken und Kanten - die typischen Eigenschaften, die Weinkenner dem besten Riesling aus dem Hause Bibo Runge nachsagen, zeichnen auch den neuen Geschäftsführer des noch jungen Weingutes aus Hallgarten im Rheingau aus. Von der Chefetage in die Rebhänge - "Revoluzzer" Markus Bonsels, der in Merbeck aufgewachsen ist und in Wegberg Abitur gemacht hat, geht einen unkonventionellen, aber erfolgreichen Weg, der Maßstäbe setzt.

Zur Weinverkostung der besonderen Art lud Uschi Schmitz-Bücker von der Weinquelle Wegberg ein. Das Weingut Bibo Runge gilt unter Weinexperten als Entdeckung des Jahres 2016 - und hat seit einigen Monaten mit Markus Bonsels einen Mann aus Merbeck an der Spitze. "Mehr nach Hause kommen geht ja gar nicht", sagt Markus Bonsels, als er unter den Weinfreunden in der Weinquelle gleich mehrere frühere Weggefährten aus Schule und Studium erkennt.

Bonsels gilt in der Weinszene als klassischer Seiteneinsteiger. Er blickt auf eine steile berufliche Laufbahn zurück. Während er in der Weinquelle die charakterstarken Rieslinge seines Weinguts präsentiert, lässt der erste Winzer aus Wegberg die Gäste mit einigen Anekdoten an seinem abwechslungsreichen Lebenslauf teilhaben: "Fast alle Winzer eint, dass sie schon in jungen Jahren mit der Landwirtschaft in Berührung gekommen sind. Ich habe früher immer gerne Kartoffeln gepflanzt. Bei Bauer Funken in Merbeck."

Nach der Grundschule in Merbeck besuchte Markus Bonsels das Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Wegberg. Dann studierte er Biotechnologie und Wirtschaftsingenieurwesen und machte eine steile Karriere bei internationalen Unternehmen wie Johnson & Johnson, Beiersdorf und Amazon, wo er zuletzt als Human Resources Director Europe in Luxemburg tätig war. Eine Frage habe er nie aus den Augen verloren, erklärt Bonsels: "Was willst Du in Deinem Leben noch erreichen?" Er entschied sich nach reiflicher Überlegung dafür, seinen Job zu kündigen und einen neuen Weg einzuschlagen - ein Weinbau- und Önologiestudium "mit Menschen, die vielleicht halb so alt sind wie ich" in Montpellier, Bordeaux und Geisenheim, begleitet von Praktika bei Spitzenwinzern in Deutschland und Frankreich.

Während der Recherchen für seine Masterarbeit lernte Markus Bonsels im Rheingau Walter Bibo und die Weine von Bibo Runge kennen. Die Chemie zwischen den Beiden habe von Anfang an gestimmt, berichtet Bonsels. "Vor allem aber haben wir die gleiche Vorstellung davon, was erstklassige Weine auszeichnet. Wir lieben Weine, die die Komplexität der Trauben widerspiegeln, überragend ausgebaut und in jeglicher Hinsicht auf den Punkt gebracht sind." Zur gleichen Zeit reifte in Kai Runge, dem zweiten Gründer des Weingutes Bibo Runge, der Gedanke, sich neuen Aufgaben zu widmen. Markus Bonsels sah seine Chance gekommen und stieg ein.

Bonsels erläutert den Besuchern in der Weinquelle, dass die Weine von Bibo Runge mit langen Maischestandzeiten entstehen, mit schonender Pressung und dem konsequenten Ausbau im Holzfass über mindestens zwölf Monate hinweg. "Ab dem Jahrgang 2016 sind alle unsere Weine spontan vergoren." Dieser Prozess ist zwar vergleichsweise aufwendig, führt aber zu einem besseren Ergebnis und einem Wein mit geschmeidiger Säure.

Die Wegberger Weinfreunde kosten die unterschiedlichen Rieslingweine von Bibo Runge, darunter der trockene "Hargardun" (16 Euro pro Flasche) als "das Nonplusultra für Rieslingfreunde", die Spätlese "Winkeler Hasensprung" (15 Euro) und das Top-Produkt "Revoluzzer" (25 Euro). "Ich war bei der ersten Verkostung total geflasht", sagt Uschi Schmitz-Bücker, "und mir war klar, dass ich diese Weine meinen Kunden anbieten muss."

Ihr Gast Markus Bonsels kommt bei seinem "Heimspiel" in der Weinquelle auch auf sein Erfolgsrezept zu sprechen, das nicht nur bei der Produktion von Wein funktioniere: "Höre Deinen Kunden zu, und lerne von den Besten", sagt Markus Bonsels. "Das ist das, was den Revoluzzer ausmacht, der in uns allen steckt."

Quelle: RP
 
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