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Wegberg
Schnappschüsse und Geduldsproben

Wegberg. Hobbyfotograf Matthias Meyer ist mit offenen Augen und fast immer mit Kamera in seiner Heimat unterwegs. 35 Fotografien aus der Gegend rund um Wassenberg sind jetzt im Naturparkzentrum Wildenrath ausgestellt. Von Nicole Peters

Entsprechend den Eigenarten der zu fotografierenden Tiere hatte sich Amateurfotograf Matthias Meyer eingerichtet. Bei scheuen und empfindsamen Wesen wie dem Grünspecht postierte er seine Kamera in der Nähe von dessen Flugloch, wartete im Hintergrund und bediente sie per Funkauslöser. Zusätzlich hängte er die Ausrüstung mit grünen Zweigen zu, damit sie möglichst wenig Aufmerksamkeit bei den Vögeln erregte. Zwei Fotografien der Grünspechte als schöne Ergebnisse der gerne geleisteten Geduldsproben sind seit gestern in der Ausstellung "Bilder aus der Region" im Naturparkzentrum unter insgesamt 35 Aufnahmen - neben der Dauerausstellung "Vorbild Natur" - zu sehen.

Alle Fotografien von Matthias Meyer sind höchstens ein Jahr alt. "Vor dem Flugloch habe ich oft und lange gewartet und die Grünspechte vom Nestbau bis zur Fütterung und zu ersten Flügen der Jungen beobachtet", erzählte Meyer. Bei allen Aufnahmen ist ihm wichtig, dass sie authentisch, also unbearbeitet, sind und das Motiv unverfälscht abbilden. Weitere Tiere, die ihm spontan oder nach längerer Beobachtung vor die Linse kamen: im Wasser ein Biber mit typisch plattem Schwanz, ein aufmerksam schauender Nutria und ein Haubentaucher mit Fisch im Schnabel oder Nachkommen im Schlepptau.

Optimal das Sonnelicht ausgenutzt hatte Meyer beim Fotografieren von Libellen, deren filigraner Flügelaufbau und feingliedrige Gesamtkonstitution so in ansprechender Farbigkeit zur Geltung kommen. Verblüffend ein Motiv beim Sonnenaufgang vor Ophoven: Die Kirchendarstellung aus Metall schwebt scheinbar frei im dunkelorange gefärbten Himmel. Ein vom Regen ausgewaschener Hang oder ein Sandberg - bei einer Wassenberger Kiesgrube gelegen - muten wie Ansichten aus weit entfernten Ländern an und entstanden doch wie beinahe alle in der näheren Umgebung.

"Wir zeigen eine kleine Fotoausstellung von Matthias Meyer und sind dankbar, dass es eine Ausstellung mit Bezug zur Region und zur Heimat ist", begrüßte Dr. Barbara Grodde, Mitarbeiterin des Naturparkzentrums, die Besucher zur Eröffnung. Sie betreut das Zentrum an zwei bis drei Tagen und junge Leute von der Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath in der übrigen Zeit. Im Zuge des 50-jährigen Bestehens des Naturparks Schwalm-Nette seien auch Vorträge geplant, fügte sie an, im November über die Braunkohle und im Dezember zur Schwalm. Welcher Standort nach Ablauf des Jahres 2016 für das Naturparkzentrum gewählt werde, werde von der guten Auswahl der Politiker abhängen, griff Barbara Grodde zugleich das endende Mietverhältnis für die Ausstellungsräume auf.

Die dort jetzt gezeigten Fotografien des "mit Leib und Seele" Aktiven, der bereits in Jugendjahren mit dem Kamera-Modell "Agfa Isolette" und Schwarz-Weiß-Aufnahmen seine Passion entdeckte, regte die Besucher gestern zu bewundernden Äußerungen seines fotografisch wertvollen Blickes an, oder es kamen angesichts eines Maikäfers Erinnerungen aus den 1940er Jahren an eine selbst erlebte Plage des inzwischen seltener gewordenen Insekts im Osten Deutschlands auf.

Quelle: RP
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