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Wegberg
Schüler gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Wegberg. Gedenkfeier zwischen Rathaus, Kloster und Kirche 72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Von Michael Heckers

72 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben Schüler und Lehrer der Schule am Grenzlandring, des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums und Vertreter der Stadt Wegberg gestern der Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus gedacht.

Schüler, Lehrer und Bürger trafen sich am Gedenkstein auf dem Rathausplatz. Vor drei Jahren war der Stein der Erinnerung und gegen das Vergessen der Öffentlichkeit übergeben worden. Er trägt die Inschrift: "Frag nicht, was Du getan hättest, frag dich, was werde ich tun".

"Gerade junge Menschen waren es, nämlich engagierte Schülerinnen und Schüler des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums, die ihre Betroffenheit über die Kriegsereignisse an diesem zentralen Ort deutlich gemacht und für uns alle in einer Inschrift in das Herzen der Stadt und damit in ihr Gewissen eingemeißelt haben", sagte Bürgermeister Michael Stock gestern. Stadtarchivar Thomas Düren und das Büro artkonzept Körner aus Wegberg-Tetelrath hatten die Schüler im Jahr 2014 bei der Umsetzung des Projekts unterstützt. Der Stein soll eine Erinnerung an die Ereignisse sein, "die für uns alle hier unvorstellbar sind", sagte Bürgermeister Stock, "auch in unserer Stadt haben Menschen während der NS-Zeit ihr Leben verloren, weil sie sich mutig der Unterdrückung und der Verfolgung von Menschen widersetzt haben."

Seit 2015 erinnern Schüler jedes Jahr an die schrecklichen Geschehnisse der damaligen Zeit. In den vergangenen beiden Jahren organisierten Schüler und Lehrer des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums und der Edith-Stein-Realschule diese Gedenkfeier, diesmal übernahmen dies die Wegberger Hauptschüler, Schulleiterin Helga Mitzkeit und einige Lehrer.

Während der Gedenkfeier bekam der Schülerchor viel Applaus für seinen Liedvortrag "Sag mir, wo die Blumen sind". Einige Schüler erinnerten anschließend an den Autor Max Herrmann-Neiße. In seinem Gedicht "Heimatlos" sucht der Autor für die Vertreibung Worte und bewahrt die Achtung vor den Menschen. Die Nationalsozialisten verbrannten seine Werke und zwangen ihn zur Flucht. Die Wegberger Hauptschüler trugen außerdem Auszüge aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vor, und wiesen damit unter anderem auf die hohe Bedeutung des Rechts auf Gleichheit und des Rechts auf freie Meinungsäußerung hin.

Ein jugendlicher Asylbewerber aus Afghanistan, der die Schule am Grenzlandring besucht, berichtete, wie ihn sein Weg aus Afghanistan in den Iran und später nach Deutschland führte. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater, zwei Jahre später seine Mutter. "Ich möchte etwas lernen und arbeiten, ein Mensch sein, kein Tier. Ich würde gerne hier bleiben, weiß aber nicht, ob ich es darf", sagte er.

Quelle: RP
 
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