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Wegberg
"Schulen als Herzstück der Dörfer nicht schließen"

Wegberg: "Schulen als Herzstück der Dörfer nicht schließen"
Am Tisch (v.l.): Bianca Althoff, Petra Bieker, Herbert Fervers, Axel Jungbluth, Michael Stock, Gerd Pint und Beigeordnete Christine Karneth. FOTO: dpa (Archiv), nipko
Wegberg. Ist die Schließung von Grundschulen dazu geeignet, einen städtischen Haushalt zu sanieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Bürgerversammlung im Wegberger Ortsteil Beeck. Von Michael Heckers

Die Interessengemeinschaft "Grundschule Beeck" hatte auf Initiative des Dorfausschusses zu einer Versammlung ins Vincentiushaus eingeladen. Das Interesse war riesig: Rund 140 Bürger, Vertreter sämtlicher Ratsfraktionen, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Bürgermeister Michael Stock kamen ins Vincentiushaus, hörten die Vorträge der einzelnen Referenten und diskutierten anschließend über das emotionale Thema Schulschließungen.

Die Stadt Wegberg erwägt, ab dem Schuljahr 2018/19 zwei der insgesamt sechs Grundschulstandorte zu schließen. Das Vorhaben ist eines von 23 Sparmaßnahmen. Mit Beschluss des Haushaltssicherungskonzeptes hat sich die Stadt dazu verpflichtet, diese Maßnahmen umzusetzen. Zu verhindern wären die geplanten Schulschließungen nur dann, wenn eine adäquate Ersatzmaßnahme im Haushaltssicherungskonzept gefunden würde. Jährlich 291.000 Euro sollen durch die geplanten Schulschließungen eingespart werden.

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Die Stadtverwaltung hatte im Entwurf des Haushaltssicherungskonzeptes die Grundschulstandorte Beeck und Merbeck als mögliche Schließungskandidaten genannt. Doch wie Bürgermeister Michael Stock in Beeck sagte, ist noch keine Vorentscheidung gefallen. Vielmehr soll eine Arbeitsgruppe, der neben den Vertretern der Ratsfraktionen und Verwaltungsmitarbeitern auch Schul- und Elternvertreter angehören, am Dienstag, 19. Januar, in nichtöffentlicher Sitzung über die Zukunft der sechs Grundschulstandorte im Stadtgebiet (Wegberg, Merbeck, Wildenrath, Arsbeck, Beeck und Rath-Anhoven) beraten.

Die Bürger in Beeck sind sich einig: "Die Grundschule Am Beeckbach muss erhalten bleiben. Die Argumente dafür liegen auf der Hand", sagte Moderator Axel Jungbluth. Mehr noch: Auch alle anderen Schulstandorte und Schulformen im Stadtgebiet sollten nach Möglichkeit erhalten bleiben, weil Schließungen keinen wesentlichen Beitrag zur Konsolidierung des städtischen Haushaltes leisten könnten. Im Gegenteil: "Über die Bedürfnisse der Familien hinaus sind Schulen das Herzstück und Lebensqualität des Stadtteils, Grundlage für Vereine, Standortsicherung für Kindergärten und Basis für eine gute demografische Entwicklung", sagte Jungbluth. Unterstützung erfuhr er durch zahlreiche Redebeiträge Beecker Bürger und Vereinsmitglieder, sei es aus dem Turnverein, der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft oder dem Heimatverein. Dabei wurde die Notwendigkeit des strikten Sparkurses der Stadt nicht in Zweifel gezogen. "Doch eine Schließung von Schulen soll nicht in das Haushaltssicherungskonzept der Stadt Wegberg gehören", sagte Jungbluth. Der Unternehmensberater und Familienvater aus Beeck versuchte seine These mit Zahlen zu stützen: "Eine Kostensenkung von nur 0,3 Prozent pro Jahr im Bereich der Sach- und Dienstleistungen entspricht dem Kostenbeitrag der Schulschließungen." Außerdem seien im Bereich Personal durch Verrentung natürliche Fluktuation innerhalb der Laufzeit des Haushaltssicherungskonzeptes bis 2024 erhebliche Verbesserungen auf der Kostenseite "als Schlüssel für eine nachhaltige Sanierung der städtischen Finanzen" möglich.

Die von der Interessengemeinschaft vorgelegten Schülerzahlen, die für die nächsten Jahre am Schulstandort Beeck eine deutlich höhere Auslastung zeigten als beispielsweise für Rath-Anhoven, zog Gerd Pint von der Stadtverwaltung in Zweifel. "Die Zahlen entsprechen nicht der Wahrheit. Die Entwicklungsplanung berücksichtigt nur die Kinder aus den Schulbezirken." Diese Bezirke seien aber nicht entscheidend, sondern das Elternwahlverhalten.

Dorfausschussvorsitzender Herbert Fervers warnte davor, die Grundschulstandorte im Stadtgebiet gegeneinander auszuspielen. "Hier heißt es heute nicht: Beeck gegen Rath-Anhoven", meinte er. Trotz aller Emotionalität des Themas dürfe es in Wegberg nicht so weit kommen wie in Heinsberg, wo eine Ortschaft gegen die andere kämpfe. Am Ende dankte Karl-Heinz Pape den Ehrenamtlern für ihr Engagement zum Erhalt der Schule. Die Ratsmitglieder nahmen die Eindrücke aus der Versammlung in Beeck mit in die Sitzung der Arbeitsgruppe am 19. Januar.

Quelle: RP
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