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Wegberg
Schwalmbühnenensemble in Hochform

Wegberg: Schwalmbühnenensemble in Hochform
In der Inszenierung der Verwechslungskomödie mit zehn Schauspielern machten auch die Bühnen-Neulinge eine gute Figur. Und der neue Regisseur Toni Röttinger konnte nach der Premiere zufrieden aufatmen. FOTO: JÖRG KNAPPE
Wegberg. Herzhaftes Vergnügen bei der Premiere des Theatervereins Harbeck. Wer noch keine Karte hat, kann die weiteren Aufführungen nicht besuchen: Alle Veranstaltungen im Forum sind bereits ausverkauft. Drittklassige Laienspielschar? Von Kurt Lehmkuhl

Kann das gut gehen, wenn die zukünftige Schwiegermutter einen Tag vor der Verlobung anreist, sie ebenso im adeligen Haushalt verwechselt wird wie der Schwiegersohn, seine zukünftige Verlobte, seine Mutter, sein Sohn, dessen Liebschaft und obendrein noch Onkel, Tante, Hausmädchen und Hausmeister ihre Finger und Kommentare im Spiel haben? Da ist das Chaos programmiert und der Stoff für eine Verwechslungskomödie gegeben. Mit "Immer diese Schwiegermütter", einer Komödie von Beate Irmisch, feierte der Theaterverein Schwalmbühne Harbeck im Forum Wegberg eine glänzende Premiere vor einem ausverkauften Haus.

Die Besucher hatten ebenso ihr herzhaftes Vergnügen wie die Akteure auf der großen Bühne, für deren Gestaltung die Bühnenbauer unter Leitung von Harald Rögels vor der Aufführung großen Beifall erhielten. Das Publikum gluckst vor Vergnügen, wenn Brautmutter Walli Hoppenstett (resolut Helga Rögels) über die Adeligen in Gegenwart von Marliese von Zitzewitz (überzeugend Karin Bonitz) herzieht und diese süffisant über Walli als vermeintliche Hilfsköchin und Familie Hoppenstett als Proleten abledert. Haben da der egomanische Opernstar Gernot von Zitzewitz (glaubwürdig Delk Wagner) und "seine" halb so alte Zukünftige Emma Hoppenstett (durchsetzungsfähig Birgit Röttinger) überhaupt eine Chance, zumal Sohn Gernötchen (Stefan Schlebusch) altersmäßig besser zu Emma und Gernötchens Liaison eher zu Gernot passen würde? Tante Käthe (Ulrike Kotlowski) und Onkel Blasius (Matthias Kosak) sorgen für noch mehr Trubel.

Die Komödie lebt von Wirrungen, altklugen Sprüchen ("Deine Braut ist halb so alt wie du, die ist 25 und du 50, wenn die 50 ist, bist du 100"), den Anspielungen auf die Region, wenn der Schauspielerin Marrika Röck (Haldis Schotten) unterstellt wird, sie sei wohl "in einer drittklassigen Laienspielschar in Harbeck engagiert", und den Vorurteilen und Klischees. Auch kritische Töne zu Kinderwunsch und Berufstätigkeit der Ehefrau klangen an.

Einige Akteure standen zum ersten Mal als Schauspieler auf der Bühne oder führten zum ersten Mal Regie. "Wir leben auch vom Wandel", meinte der stellvertretende Vorsitzende Walter Kotlowsi, der im Vorjahr noch schauspielerte und nun wohlwollend-kritischer Beobachter ist. Noch kritischer ist Toni Röttinger, der zum ersten Mal die Regie übernahm und der in der Pause erleichtert durchpustete, weil die schauspielerischen Leistungen seine Erwartungen erfüllten. Er vertrat die bisherige Regisseurin Gaby Braun, von der er hofft, dass sie wieder auf den Regiestuhl zurückkehrt; er steht lieber auf der Bühne als davor. "Ich habe mir nicht vorstellen können, wie schwer es ein Regisseur hat. Es beginnt bei der Auswahl des Stückes, der Besetzung, Bühnengestaltung und endet bei der Frage, welche Blumen sollen wo ihren Platz finden." In seinen Dank bezog er nicht nur die zehn Schauspieler auf der Bühne ein, sondern auch die mehr als 20 Mitwirkenden dahinter.

Seit vier Monaten macht "Opernstar" Delk Wagner bei de Schwalmbühne mit. Er bewältigte seinen Part ebenso souverän wie die Frischlinge Michaela Röben, die als Hausmädchen versuchte, den Überblick zu behalten, und Stefan Schlebusch, der Marrika Röck gerne abschieben möchte und Emma zugeneigt ist.

Quelle: RP
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