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Heinsberg
Suchtberatungsstellen stark nachgefragt

Heinsberg: Suchtberatungsstellen stark nachgefragt
Übermäßiger Alkoholkonsum ist nach dem Konsum von illegalen Drogen das größte Problem. Im Jahr 2016 wurden wegen Alkoholkonsums 827 Menschen im Kreis Heinsberg intensiv betreut, davon 261 Frauen und 566 Männer. FOTO: dpa
Heinsberg. Die Zahl der Menschen, die sich wegen Drogen- oder Alkoholabhängigkeit betreuen ließen, war 2016 ähnlich hoch wie im Jahr 2015. Die Zahl der Cannabiskonsumenten ist leicht gestiegen. Das berichten die Suchtberatungsstellen. Von Nicole Peters

Die Tendenz dahin, dass bei der größten Gruppe der Betroffenen die Hauptdiagnose des übermäßigen Gebrauchs von illegalen Drogen vorliegt, setzt sich bereits seit etwa zehn Jahren fort. Das war eine der Erkenntnisse, die Wolfgang Sommer, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Diplom-Sozialarbeiterin Doris Thoms und Diplom-Sozialpädagogin Britta Vujaklija beim Pressegespräch zur Vorstellung des "Jahres- und Qualitätsberichts 2016" der Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes Kreis Heinsberg im Kreishaus vorstellten.

An zweiter Stelle liegt der Alkoholkonsum. Im Einzelnen wurden im Jahr 2016 827 Personen intensiv betreut, davon 261 Frauen und 566 Männer. Eine einmalige Beratung nahmen 170 Personen in Anspruch.

Zu den illegalen Drogen werden Opioide (Heroin), Cannabinoide (Haschisch, Marihuana), Kokain und Stimulantien (Amphetamine, Ecstasy) gezählt: In diesem Bereich hatten 434 (365 im Jahr 2015) Personen Probleme gehabt. Demgegenüber wandten sich 270 Personen wegen des problematischen Konsums legaler Suchtmittel wie Alkohol, Tabak oder Lösungsmittel an die Beratungsstellen. Allein 260 Alkoholiker waren es im Jahr 2016, im Jahr 2015 waren es 248. Dazu kamen 13 Personen mit Ess-Störungen und 41 mit der Diagnose pathologisches Spielen.

Immer mehr Menschen haben mit den Folgen der Kombination mehrer Suchtmittel zu kämpfen, erklärte Sommer. Ebenso steige der Anteil zum Teil sehr junger Cannabiskonsumenten, die an Psychosen, Depressionen oder Angstzuständen erkrankten, an. Die offenen Sprechstunden seien niedrigschwellig ausgelegt, erläuterten die Sommer, Thoms und Vujaklija, sie stehen Betroffenen und Angehörigen zur Verfügung. Ebenfalls sind Anmeldungen möglich. Wenn zunächst ein Drogenentzug ratsam ist, ist dies stationär möglich: Die Krankenkasse übernimmt drei Wochen Aufenthalt. Falls sich die Sucht noch nicht manifestiert hat, kann eine Entwöhnung zudem ambulant innerhalb der Einrichtung "Ambulante medizinische Rehabilitation Sucht" (ARS) erfolgen. Bei diesem Konzept sind wöchentliche Gruppensitzungen und 14-tägig stattfindende Einzelgespräche vorgesehen. Diese Maßnahme kann zudem nach einem stationären Aufenthalt in Anspruch genommen werden oder eignet sich als eigenständige Alternative zur stationären Langzeittherapie. Dieses Behandlungsangebot halten die Suchtberatungsstellen des Gesundheitsamtes Kreis Heinsberg in Hückelhoven in einem Trägerverbund mit dem Caritasverband für die Region Heinsberg und dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich vor.

Im Jahr 2016 waren 55 Patienten in Behandlung der ARS. Eine Endstigmatisierung von Sucht und psychischen Erkrankungen stellten die Referenten zunehmend fest, und die Nachfrage in den Beratungsstellen sei konstant auf hohem Niveau.

Im Rahmen der psychosozialen Begleitung bei Substitution (PSB) seien 135 Betreuungen durchgeführt worden. Darüber hinaus hatte der Fachbereich Suchtvorbeugung des Gesundheitsamtes Heinsberg 103 Präventionsmaßnahmen durchgeführt, die insgesamt 1975 Personen erreichten, davon 1282 Endadressaten und 657 Multiplikatoren. Die seit dem 1. Juli vakante Suchtprophylaxe-Stelle werde neu besetzt, war zu erfahren.

Quelle: RP
 
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