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Wegberg
Theater zur Liebe in Zeiten des Internets

Wegberg: Theater zur Liebe in Zeiten des Internets
Ralf Bauer und Ann-Cathrin Sudhoff begeisterten im Wegberger Forum das Publikum in einem bewegenden Stück. FOTO: Komödie im Bayerischen Hof
Wegberg. Im ausverkauften Wegberger Forum erlebten die Zuschauer im Stück "Alle sieben Wellen" ein aktuelles Gesellschaftsthema auf der Bühne. Von Nicole Peters

Ein Thema mit großem aktuellem Bezug: Ist es möglich, lediglich aufgrund einer Kommunikation über elektronische Mails ein Gefühl der Verliebtheit zu entwickeln für ein Gegenüber, das man noch nie "in natura" gesehen hat?

Im ersten Teil der Liebesgeschichte, "Gut gegen Nordwind", hatten Leo Leike (Ralf Bauer) und Emmi Rothner (Ann-Cathrin Sudhoff) solch tiefe Gefühle füreinander gehabt - zu erleben war das vor genau einem Jahr während der Theaterspielzeit 2014/2015. Jetzt kam das Schauspielpaar ins ausverkaufte Forum zurück, um mit dem Schauspiel "Alle sieben Wellen" von Autor Daniel Glattauer in einer Bühnenfassung von Ulrike Zemme nahtlos daran anzuknüpfen.

Die Situation ist folgende: Neuneinhalb Monate nach Leos Flucht nach Boston (weil Emmis Ehemann Bernhard vom Mail-Austausch erfahren hatte) kehrt er zurück und beide nehmen ihren intensiven Kontakt wieder auf. Obwohl Emmi verheiratet ist und zwei Kinder zur Familie gehören sowie Leo mit Pam(ela) liiert ist, möchten sich die beiden erstmals persönlich treffen. "Du warst verschlossen und ich schüchtern", resümiert sie im Anschluss. Während er von einer kleinen Berührung ihrer Fingerkuppen emotional tief beeindruckt ist: "Auf der Innenseite meiner linken Hand, etwa in der Mitte, befindet sich ein Punkt. Er fühlt sich so stark an, dass mir schwindlig wird", schwärmt er im beschwipsten Zustand wenig später, "er wühlt mich auf. Und im Kopf entfaltet er seine berauschende Wirkung wie eine Droge."

Die meiste Zeit agierten die beiden allein in ihrem Zimmer - in einem Bühnenraum, der spiegelbildlich mit Bett, Garderobe und Schreibtisch eingerichtet war. Befremdlich mutete ihre jeweilige Anrede in den Zuschauerraum hinein an oder zum Computer gerichtet. Bis auf wenige Treffen waren sie ja scheinbar räumlich voneinander getrennt. Häufiges behändes Wechseln der Kleidung und regelmäßiges Abdunkeln des Lichts mit Einsatz von Musik und farbiger Hintergrundbeleuchtung begleiteten Zeitsprünge oder Szenenwechsel.

Vor dem Publikum entspann sich so sehr gut nachvollziehbar auf Basis vieler, teils tiefsinniger und durch moderne Kommunikationsmittel scheinbar zeitversetzter Dialoge, ein Gefühlsleben zweier Menschen, dessen Happy End mit gemeinsamer realer Beziehung wie eine Traumvorstellung anmutete.

Große Gefühle vor allem durch geschriebene Worte zu entwickeln, ist vermutlich selten. Eine faszinierende, gut gespielte und unterhaltsame Liebesgeschichte voller Romantik, in der die zwei Verliebten nicht voneinander lassen können, war das Bühnenstück der "Komödie im Bayerischen Hof" in jedem Fall.

Die Zuschauer im Forum belohnten die Leistung der Akteure, darunter der von Fernsehrollen bekannte Ralf Bauer, mit viel Beifall.

Quelle: RP
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