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Wegberg
Trachtenfieber und Dirndlrausch

Wegberg: Trachtenfieber und Dirndlrausch
Gregor Laufenberg leitet die Führungen durch das Museum für europäische Volkstrachten am Kirchplatz in Wegberg-Beeck. Von der bekannten Schwarzwälder Tracht mit Bommelhut über die Bayerischen Janker und Dirndl bis hin zur Finnischen Volkstracht werden dort unterschiedliche Trachten im Wechsel ausgestellt. FOTO: R. Resch
Wegberg. Fast jedes Dorf feiert ein Oktoberfest. Mit Dirndl und Lederhosen verbinden auch junge Menschen ein neues Heimatgefühl. Im Festzelt zeigt sich eine Verbundenheit der Völker, wie sie nur mit dem Bierkrug möglich ist. Von Renate Resch

Über dem kurzen Rock ist die Schürze fein säuberlich mit einer großen Schleife gebunden. Das enggeschnürte Mieder schließt sich hautnah um eine weiße Bluse, die einen mehr oder weniger tiefen Ausschnitt birgt. Geblümte Stoffe, mit Spitze gefasst und in zarten Farben kleiden die Damen feminin und vorteilhaft. Kunstvoll geflochtene Zopffrisuren lassen die blonden oder braunen Haare sanft über die Schultern fallen. Lange Beine zeigen sich auf hohen Absätzen. Ein Anblick, der im Oktober in München zum Alltag gehört. Fein ausstaffierte Damen und Herren zieht es zur gemeinsamen feucht fröhlichen Geselligkeit ins Bierzelt. Wer glaubt, die Menschen auf dem Fest kämen allesamt aus der bayerischen Landeshauptstadt, irrt. Rund um den Erdball ist das Fest der Bayern in historischer Tracht bekannt für Geselligkeit in Deutschland.

Doch auch jenseits des Weißwurstäquators feiern Stadt und Land ein Oktoberfest. Der Stolz der Jugend und reiferen Erwachsenen ist ihre Ausstattung mit Dirndl und Lederhosen. Man lässt es sich was kosten, für die blau weiß gestreiften Abende fesch gerichtet zu sein.

Doch mit der ursprünglichen Tracht des 18. Jahrhunderts gibt es nur noch wenig Gemeinsamkeiten. Ehemals waren Dirndl und Lederhosen die bäuerliche Arbeitskleidung.

Die traditionellen Trachten waren für einen bestimmten Ort oder ein bestimmtes Dorf als Erkennungsmerkmal gedacht. Wobei es dabei durchaus auch individuelle Unterschiede gab. Neben dem Familienstand wurde auch der soziale Status mit der Kleidung repräsentiert. Eine Familie, die wohlhabend genug war, sich Goldbesätze an der Stickerei oder der Haube anfertigen zu lassen, zeigte damit auch ihren Reichtum. Jede Familie war deshalb stolz auf ihre Tracht und vererbte sie an die Kinder weiter. Es war eine Ehre sie zu tragen und seinen Stand zu zeigen. Doch inzwischen sind viele Arten der Tracht in Vergessenheit geraten. Wenige Menschen erinnern sich an die traditionelle Kleidung ihrer Vorfahren.

Im Volkstrachtenmuseum in Wegberg-Beeck werden europäische Volkstrachten ausgestellt. Eine Vielzahl an Regionen in unterschiedlichen Ländern ergeben eine große Bandbreite an traditioneller Tracht und Trachtenkleidung. Von der bekannten Schwarzwälder Tracht mit Bommelhut über die Bayerischen Janker und Dirndl bis hin zur Finnischen Volkstracht werden unterschiedliche Trachten im Wechsel ausgestellt, um einen Eindruck der vergangenen volkskundlichen Kleidung in Europa zu zeigen.

Trachten hatten für die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten unterschiedliche Bedeutung. Eine einheitliche Tracht zeigte zum Einen für alle: "Wir gehören zusammen". Zum Anderen repräsentierte sie Familienstand und Status.

Je nach Familienstand, gehört für die Frauen zur Kleidung ein anderer Hut. Während die Bommel der Schwarzwaldtracht für ledige Frauen die Farbe rot haben, sind sie für Verheiratete schwarz. Eine Frau trägt an ihrer Hochzeit eine perlenbestickte Brautkrone, lediglich an einem Tag ihres Lebens, dann wird sie an die nächste ledige Frau der Familie vererbt.

Inzwischen ist die volkstümliche Kleidung nur noch im Museum oder bei Umzügen der Trachtenvereine zu bewundern. Doch sie ist nicht in Vergessenheit geraten. Eine Renaissance der Volkstrachten zeigt sich durch die Beliebtheit von Dirndl und Lederhosen auf den heutigen Oktoberfesten. "Der Rheinländer verkleidet sich ja gern," weiß Gregor Laufenberg, der die Führungen durch das Trachtenmuseum in Beeck leitet, "es wird heutzutage freudig aufgenommen, man verlässt den Alltag und schlüpft in ein Kostüm und feiert gemeinsam mit anderen".

Quelle: RP
 
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