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Wegberg
Überlieferte textile Handwerkskunst

Wegberg. Wie Garn gefertigt und nach alten Stick- oder Klöppel-Mustern verarbeitet wird, war beim Museumstag im Flachsmuseum zu sehen. Von Nicole Peters

Selbst die jüngsten Besucher tauchten beim Internationalen Museumstag ganz in die Welt der überlieferten Handwerkskunst und in alte Kinderspiele ein. Mehrere Knäuel Wollgarn standen ihnen zur Verfügung, mit denen sie auf Webrahmen kleinere Arbeiten wie Topflappen anfertigten. Auf einer Holzleiste konnten die Kinder mit aufgesteckten Holzstäben weben.

Geschicklichkeitsspiele im Außenbereich rundeten das Angebot für sie ab. Eindrücke von der individuellen Garn-Fertigung konnten alle Besucher bei Demonstrationen und die kunstvolle Verarbeitung durchs Klöppeln und Sticken bei Expertinnen miterleben. Zudem war die Dauerausstellung "Die Pracht der Tracht" im Museum für Europäische Volkstrachten frei zugänglich. Es ist seit längerer Renovierungsarbeit wieder geöffnet, wie Geschäftsführer Dieter Göris berichtete.

Die beiden vom Heimatverein Beeck betriebenen Einrichtungen waren zwei von insgesamt zwölf, die sich im Kreis Heinsberg am Museumstag beteiligten. Viele, teils Kräftezehrende, Arbeitsschritte waren in früheren Zeiten notwendig, um den Alltag bewältigen zu können: Zu dieser Einsicht kamen die interessierten Besucher im Flachsmuseum an mehreren Stellen. So verdeutlichte Friedel Wartmann lebendig und eindrucksvoll die Schritte der Flachsverarbeitung anhand der ausgestellten Museumsstücke. "Aus 1000 Kilogramm Flachs gewannen die Menschen 60 bis 63 Kilogramm Garn", sagte er, "kein Wunder, dass sie selbst die abfallenden Halmspäne für Zügel, Schläuche oder Spanplatten gebrauchten."

Das Spinnen von Schafswolle demonstrierte Annemarie Partenheimer am moderneren Hightechrad mit verschiedenen Übersetzungen und zwei Pedalen. "Spinnen bedeutet ein Verdrehen der Fasern mit Handspindel oder Spinnrad", erläuterte sie. Flachs werde nass versponnen und es gebe außer Kammgarn luftiges Streichgarn, Flammengarn oder Effektgarn mit Noppen, Schlaufen oder Federn. Das Interesse an textiler Handwerkskunst sei groß, berichtete Inge Theissen, die selbst Schwälmer Weißstickerei ausführte. Das Übertragen überlieferter Muster auf den Stoff, Sticken der Motiv-Ränder und innerhalb derer das Ziehen von Fäden zur Erstellung bestimmter Muster fielen darunter. Eine kleine Auswahl ihrer Arbeiten zeigte Theissen im direkten Vergleich zu historischen Trachtenteilen. Eine gut nachvollziehbare Entwicklung technischer Gerätschaften ab Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in der Waschküche zu bewundern. Waschbretter, Stampfer und Zuber waren ebenso zu sehen wie eine erste moderne Zuberwaschmaschine oder eine Mangel aus dem Jahr 1920. Hilfsmittel vieler, mit Hand ausgeübter, Arbeitsschritte, die in heutiger Zeit Maschinen übernehmen.

Quelle: RP
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