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Wegberg
"Und jetzt wünsche ich angenehme Lektüre"

Wegberg: "Und jetzt wünsche ich angenehme Lektüre"
Sonja Kühlen (34) ist neue Kämmerin der Stadt Wegberg. Nebenberuflich schloss die Diplom-Verwaltungswirtin zwei weitere Studiengänge ab: 2007 erhielt sie das Diplom in Betriebswirtschaft, und 2013 erlangte sie den Titel Master of Science in Wirtschaftswissenschaften. FOTO: J. Laaser
Wegberg. Sonja Kühlen wurde zur neuen Kämmerin bestellt. Die 34-Jährige gilt als Verfechterin des strengen Sparkurses und drückt aufs Tempo. Von Michael Heckers

Sonja Kühlen ist die Frau für die Zahlen in der Wegberger Stadtverwaltung. Die Stadtamtsrätin wurde am 1. März vom Stadtrat im Einvernehmen mit dem Bürgermeister zur neuen Kämmerin bestellt. Die 34-Jährige gilt als Verfechterin des strengen Sparkurses, den sich die Stadt spätestens 2015 mit Beschluss des Haushaltssicherungskonzeptes auferlegt hat. "Der im letzten Jahr gefasste Beschluss, dass jede neue Investitionsmaßnahme über 10.000 Euro in einer Vorlage zur Beratung vorgelegt wird, sollte aus meiner Sicht beibehalten werden, um eine Diskussion über Standards anzuregen", sagte die 34-Jährige bei der Einbringung des Haushaltsentwurfs 2016. Kämmerin Kühlen hält Kurs: Sparen bleibt oberstes Gebot.

Die Zeiten der großen Visionen sind in Wegberg ohnehin vorbei. Der Name Kühlen steht eher für das Gegenteil: die zurückhaltende junge Frau gilt bei ihren Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung als ehrliche und fleißige Arbeiterin. Jetzt übernimmt sie auch Verantwortung. Ganz neu ist das für sie allerdings nicht: Im September 2015 wurde sie bereits zur kommissarischen Kämmerin bestellt, nachdem ihr Amtsvorgänger auf eigenen Wunsch von der Funktion des Kämmerers entbunden worden war. Kühlen legte der Politik einen ehrgeizigen Plan für den Bereich Finanzwirtschaft vor. Die neue Kämmerin möchte Zeit aufholen, die durch personelle Turbulenzen im Fachbereich Finanzen in den vergangenen Jahren verlorenging. "Ich habe mittlerweile ein gutes Team, auf das ich mich verlassen kann. Qualität ist mir sehr wichtig", sagt sie. Bisher ging ihr Zeitplan auf.

Bei der Haushaltseinbringung am 16. Februar kündigte Sonja Kühlen an, dass Ende 2016 zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder rechtzeitig ein Haushalt für das darauffolgende Jahr beschlossen werden soll. Genau das hat sich die Politik ausdrücklich gewünscht, um die Finanzplanung der Stadt wieder stärker vorausschauend steuern zu können.

Kämmerin Kühlen legt Wert darauf, dass ihre Mitarbeiter im Bereich Finanzwirtschaft bei ihrer Tätigkeit auch "über den Tellerrand hinausschauen", wie sie sagt. So könnten die eigenen Zielsetzungen mit denen anderer Städte verglichen und in Erfahrung gebracht werden, wie andere Kommunen auf bestimmte Probleme reagieren, die auch in Wegberg zu bewältigen sind. Benchmarking und Best-Practices - also von den Besten lernen - sind die betriebswirtschaftlichen Begriffe für diese Ansätze, die laut Kühlen viel stärker genutzt werden sollen. "Dabei müssen wir uns natürlich immer an unseren strategischen Zielen orientieren", sagt sie. Das große Ziel der Stadt ist unmissverständlich formuliert: Spätestens im Jahr 2024 soll die Stadt einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Dann sollen die Erträge die Aufwendungen übersteigen, so dass das Eigenkapital wieder aufgebaut werden kann.

Die 34-Jährige hat in Wegberg ein Haus gebaut und kann auch beruflich von dieser Erfahrung profitieren. Sie könnte nun besser einschätzen, was hinter den Zahlen steckt, die sie zusammenträgt. Schließlich stehen Baumaßnahmen mit einem Volumen von über acht Millionen Euro für das Jahr 2016 im Entwurf des Haushaltsplanes.

Noch während der Ratssitzung nahm Sonja Kühlen am Dienstagabend erste Gratulationen und einen Blumenstrauß von Bürgermeister Michael Stock entgegen. Kühlen gilt als "echtes Eigengewächs" der Stadtverwaltung, das ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hat: Nach dem Abitur 2001 am Cusanus-Gymnasium Erkelenz (Leistungskurs Mathematik) absolvierte Sonja Kühlen ihre Ausbildung im Wegberger Rathaus und war von Anfang an im Bereich Finanzwirtschaft tätig. Ende 2005 wurde sie Leiterin der Stadtkasse. 2010 folgte die Beförderung zur stellvertretenden Leiterin des Fachbereichs Finanzwirtschaft. Nebenberuflich schloss die Diplom-Verwaltungswirtin noch zwei weitere Studiengänge ab. 2007 erhielt sie das Diplom in Betriebswirtschaft, und 2013 erlangte sie den Titel Master of Science in Wirtschaftswissenschaften. Eine anstrengende Zeit. "Ich habe häufig bis 1 Uhr nachts am Schreibtisch gesessen und gelernt", erinnert sie sich.

Zurzeit steht die Finanzexpertin der Stadt Wegberg den Fraktionen im Rat der Stadt Wegberg bei Fragen zum Haushaltsentwurf 2016 zur Verfügung. Beraten wird der Plan im Hauptausschuss am 15. März. Die Beschlussfassung ist für den 12. April geplant. Für Schmunzeln sorgte die neue Kämmerin übrigens, als sie den Ratsleuten den 781 Seiten starken Haushaltsplan 2016 vorlegte und sagte: "Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen eine angenehme Lektüre zu wüschen."

Quelle: RP
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